Kissin' Dynamite - Steel Of Swabia

SteelofSwabia


Stil (Spielzeit): Heavy Rock (41:56)

Label/Vertrieb (VÖ): EMI (18.07.08)

Bewertung: 9/10

Link: http://www.kissin-dynamite.de

Nach einigen Verschiebungen haben sie es doch noch geschafft, ihre Debüt CD herauszubringen. Die Rede ist von der Rasselbande (nicht böse gemeint), die auf den Namen KISSIN’ DYNAMITE hört, und sich anschickt, nach dem Schwabenländle nun auch den popeligen Rest Welt zu erobern. Grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, jung anzufangen, denn die Bandmitglieder sind gerade mal zwischen 15 und 17 Jahre alt, aber das sorgt in der Regel für eine nicht ganz so hohe Erwartungshaltung. 

Aber bereits nach den ersten Tönen von „Let’s Get Freaky“ hab ich mich in meinem gemütlichen Sessel aufgerichtet, die CD noch mal aus dem Player geholt, um zu prüfen, ob ich mich vielleicht in dem Stapel an Silberlingen vergriffen habe, denn das klingt alles andere als nach vorpupertären Schuljungen, dass kommt extrem professionell und technisch einwandfrei rüber.
Mit „Let’s Get Freaky“ rocken KISSIN’ DYNAMITE in bester Heavy Rock Manier los, haben im ersten Song wahrscheinlich schon eine Mitgröl-Hymne für Live Konzerte herausgeschleudert. 
Sänger Johannes „Hannes“ Braun beeindruckt mit unglaublicher Dynamik in seinen Vocals, und könnte eine Mischung aus Tobias Sammet, Klaus Meine, Axl Rose und Ralf Scheepers sein. Erstaunlich, wie kraftvoll er sich selbst in höheren Lagen noch durchsetzt. Das er es wirklich schon drauf hat, beweist „Out In The Rain“, wo er zu Beginn sehr tief singt, und mir als nächstes durch den Kopf geht, dass ich ihm wünsche, kein Spätentwickler zu sein und den Stimmbruch schon ad acta gelegt zu haben. 

Der Titel „Steel Of Swabia“ klingt irgendwie völlig beknackt, und lässt darauf schließen, dass nicht nur die Stimme Ähnlichkeiten mit Tobias Sammet aufweist, sondern auch der schräge Humor abgefärbt hat. Zufälligerweise klingt der Song dann auch noch etwas nach EDGUY.
 „Against The World“ ist eine tolle Ballade, bei der Hannes mich dann endgültig mit seiner Stimme umhaut. Gänsehaut pur, ganz großes Kino. Mit der Aussage möchte ich die Leistung von Drummer Andreas Schnitzer, den Gitarristen Ande Braun und Jim Müller, sowie die von Basser Stefan Haile in keinster Weise schmälern, denn KISSIN’ DYNAMITE sind eine Einheit, die auch nur so funktionieren kann. Ganz nebenbei spielen alle Bandmitglieder für ihr Alter auf erstaunlich hohem Niveau. 

„My Religion“ ist was? Na klar: „My Religion Is Rock’n Roll, My Religion Will Save My Soul“, womit auch klar ist, dass alle Fünf jetzt mal 5€ ins Phrasenschwein abdrücken müssen. „Only The Good Die Young“ kostet sie dann den nächsten 5er, wobei sich das wirklich nur auf die Titel bezieht, die Songs sind dreckiger Heavy Rockl vom Feinsten. „Zombie“ stampft mit einem fetten, düsteren Riff mächtigst aus den Boxen, und die Nickbewegungen werden bei dem Song bestimmt nicht nur bei mir heftiger.
„Welcome To The Jungle“ ist dann Gott sei Dank nicht der befürchtete Coversong, was die Burschen auch gar nicht nötig haben, denn vom Songwriting her haben sie genug auf dem Kasten, um ein Album mit eigenen Songs zu füllen. 
Bei „Heartattack“ darf Basser Stefan mal im Vordergrund stehen, denn der Song starten mit einem wuchtigen Basslauf, rockt sich aber im weiteren verlauf auf die KISSIN’ DYNAMITE typischen Trademarks ein. 
Mit der Halbballade „Lie For Me“ ist die Scheibe dann schon fast durch, es folgt noch der Rocker „Ready Steady Thunder“, der das Album würdig abschließt, und ich wunder mich wirklich, wo die letzten 40 Minuten geblieben sind. 

Fazit: „Steel Of Swabia“ ist eine tolle und kurzweilige Angelegenheit, und ich hab mich in der Bewertung total vom Jugendbonus frei gemacht. Die Punkte kamen so zustande, weil mir das Album einfach sau gut gefallen hat, absolut kein Ausfall zu verzeichnen war, und KISSIN’ DYNAMITE einfach nur locker und unbekümmert drauflos rocken, dabei aber trotzdem höchst professionell zu Werke gehen. 
Wenn nicht alles schief geht, gehört KISSIN’ DYNAMITE die Zukunft.