The Prize Fighter Inferno - My Brother's Blood Machine

the prize fighter inferno

Stil (Spielzeit): Electro Rock (49:21)
Label/Vertrieb (VÖ): Equal Vision (01.12.06)
Bewertung: 6/10

Link: www.theprizefighterinferno.com

Da dreht es sich nun, das von COHEED AND CAMBRIA Fans sehnsüchtig erwartete Solo-Album von Claudio Sanchez. Auch ich war sehr gespannt auf die Musik von „My Brother’s Blood Machine“, und interessant ist sie allemal. Nur so sehr lieben wie die COHEED-Platten werde ich das Album nicht, auch nicht nach intensivem Hören.

THE PRIZE FIGHTER INFERNO heißt das Seiten-Projekt des COHEED-Sängers, und es geht dabei einmal mehr um eine verwirrende Story, die in den einzelnen Songs des Albums aus der Perspektive der Figur Inferno erzählt wird. Inferno (auch als Jesse bekannt, Coheeds Bruder) starb zuletzt in der COHEED AND CAMBRIA-Saga, und daher beginnt „My Brother’s Blood Machine“ logischerweise zeitlich davor. Die Geschichte handelt von drei Familien und zwei Kindern, die eine Maschine konstruieren, um die Seele nach dem Tod einzufangen. Es kommt zu allerlei unglückseligen Verflechtungen, Mord und Totschlag … Das Booklet mit eventuellen Textabdrucken liegt mir leider nicht vor, doch es gibt im Netz bereits einige Interpretations- und Nacherzählungsversuche, auf die ich an dieser Stelle verweisen möchte, falls jemand mehr über die Story wissen möchte.

Musikalisch muss man die Scheibe erst einmal sacken lassen, um danach möglicherweise zu zwei Schlüssen zu gelangen. Hier die beiden Positionen, die sich für mich als nachvollziehbar herausgestellt haben:

Position eins: Das Album ist der gut gemeinte Versuch eines talentierten Musikers, sich mittels Computer, Akustikgitarre und seiner charakteristisch androgynen Stimme einfach mal auszutoben und das Experiment in Songs mit Strophe und Refrain zu kleiden. Gut für den Musiker in diesem angenommenen Fall ist, dass er einen hohen Bekanntheitsgrad und viel Respekt in der Szene durch seine Hauptband genießt, denn ansonsten hätte kein Plattenlabel den merkwürdigen Flickenteppich aus waberndem Synthiepluckern, billig anmutenden Konserven-Beats, schrammeligen Gitarrensounds und Hintergrundgefidel für ausreichend gut befunden, um ihn aufwändig promotet als Album in die Regale stellen zu wollen.

Position zwei:  Das Album ist durchaus speziell, aber sehr kunst- und liebevoll arrangiert, unter Einbezug vieler Möglichkeiten, die einem die Welt von Elektronik-Spielzeug bietet. Es will auf eigenartige Weise befremden und gleichzeitig beruhigen, denn Vieles klingt schon nahezu erleichternd bekannt. Wenn man ein wenig sucht, offenbaren sich durchaus Melodien in der Art, wie man sie von COHEED AND CAMBRIA erwarten würde, manchmal nur im Ansatz, manchmal auch gar nicht - aber die alte Magie liegt flüchtig in der Luft. 
So entschädigt die sanfte Schönheit des reinen Akustikgitarren-Songs „Wayne Andrews, The Old Bee Keeper" für die verschrobenen Momente, und klingt das gezupfte und mit Streichern begleitete „The Fight of Moses Early & Sir Arthur McCloud" nicht fast so faszinierend wie ein Song vom letzten CAC-Album?

Meine persönliche Wahrheit befindet sich irgendwo zwischen den Polen. Doch was ist schon "Wahrheit" in Bezug auf Musik … Der Konflikt erinnert mich stark an die SMASHING PUMPKINS und das völlig stilfremde, weil Electro-Rock basierte Solo-Album von Billy Corgan. Aber Claudio Sanchez ist lange nicht so weit von COHEED AND CAMBRIA entfernt wie Corgan einst von den PUMPKINS.

Die Fäden laufen letztlich zusammen, schon rein textlich, aber musikalisch muss man den Punkt erst ein wenig suchen, an dem dies passiert. Zudem gibt es mit den erwähnten Songs echte Ohrschmeichler auf „My Brother’s Blood Machine“, zu denen ich noch das sanft-zirpende „A Death In The Family“ hinzufügen möchte. Schön dieses Album, und eigenartig. Und mit Sicherheit die etwas anstrengende Reise ins Innere wert.