Led Zeppelin - Physical Graffiti (Remastered Deluxe Edition) Tipp

Led Zeppelin - Physical Graffiti (Remastered Deluxe Edition)
    Hard Rock/Blues Rock

    Label: Swan Song/Warner
    VÖ: 20.02.2015
    Bewertung:9/10

    Website


Völlig zu Recht gilt LED ZEPPELINs "Physical Graffiti" als eines der besten Doppelalben der Rockgeschichte. Im Februar 1975 und damit immerhin zwei Jahre nach "Houses Of The Holy" veröffentlicht, enthält es u.a. mit dem Jahrhundert-Epos "Kashmir", "Trampled Under Foot" und "In My Time Of Dying" ewige ZEP-Classics, denen auf der Neuauflage, die selbstverständlich erneut von Jimmy Page persönlich remastered wurde, eine ganze CD von alternativen Versionen und Mixen zur Seite gestellt wird.

Das erste und einzige Doppelalbum des britischen Quartetts enthält Material, das zwischen 1970 und 1974 aufgenommen wurde, es aber nicht auf eines der vorherigen Alben schaffte. So ist "Physical Graffiti" ein enorm vielschichtiges und abwechslungsreiches Werk, das auf beste Weise zeigt, in wie vielen verschiedenen Stilen sich die Rocklegende zu Hause fühlte. Ob knackige Rocker wie "Custard Pie", "The Rover" oder "The Wanton Song", ob epische Stücke wie das mit der wunderbar charakteristischen Slide-Gitarre gesegnete "In My Time Of Dying", das verzweifelt beginnende "In The Light" oder das dramatische "Kashmir" mit bombastischem Orchester-Einsatz und einem Riff für die Ewigkeit, ob der "Boogie With Stu" oder das akustische "Bron-Yr-Aur": Diese Songs und all die anderen weniger bekannten, aber ebenso hörenswerten Stücke auf "Physical Graffiti" untermauern den Legendenstatus dieser einzigartigen Rockband. Das Doppelalbum zählt mit seinem abwechslungsreichen Material zu den Höhepunkten der Bandgeschichte, was sicherlich auch daran liegen mag, dass - wie eingangs erwähnt - die nach "Houses Of The Holy" aufgenommenen acht Songs, die als einzelne LP veröffentlicht hätten werden können, um Outtakes und unveröffentlichte Nummern der Alben "II", "IV" und eben "Houses Of The Holy" ergänzt und auf diese Weise zum Doppelalbum gemacht wurden. So deckten LED ZEPPELIN eine noch breitere stilistische Vielfalt ab, als die eh bei jedem Album aufs Neue zu hören war.

Jimmy Page hat sich einmal mehr liebevoll um die Restauration des Sounds gekümmert und das Beste aus dem Material geholt, was möglich war. Unterschiede, die verschiedenen Studios und Jahre, in denen die Songs aufgenommen würden, sind nicht zu hören. Schon auf dem Original klang das Material wie aus einem Guss, und so hat Page womöglich nur an Details gefeilt. Damit ist fraglich, ob sich de reguläre Doppel-CD tatsächlich auch für Besitzer des 1994er Remasters lohnt. Zum ersten Mal in der Reihe dieser Re-Releases würde ich sagen: Die Unterschiede sind für geübte Hörer wahrnehmbar, aber nicht so gravierend, als dass sich ein Neukauf lohnen würde.

Kommen wir zur Companion Disc, die erneut bislang unveröffentlichte Mixe und alternative Versionen der regulären Albumtracks auf die LED ZEPPELIN-Fans los lässt. neben einer frühen Version von "Sick Again" ohne Vocals, "Houses Of The Holy" und "In My Time Of Dying" als Rough Mix sowie "Boogie With Stu" als alternativer Mix aus den Sunset Studios sind es drei alternative Versionen bekannter "Physical Graffiti"-Nummern, denen größere Aufmerksamkeit zuteil werden wird: "Brandy & Coke" ist eine frühe Version von "Trampled Under Foot", die vor allem in den Vocals anders klingt als die für das Doppelalbum verwendete Version, "Driving Through Kashmir" ist ein Rough Orchestra Mix des treibenden Epos', in dem ich jedoch keine allzu großen Unterschiede feststellen kann, und "Everybody Makes It Through" ist eine frühe, kürzere Version von "In The Light", das sich mit einer leicht veränderten Struktur deutlich von der Albumversion unterscheidet. Für LED ZEPPELIN-Gourmets, die "Physical Graffiti" in- und auswendig kennen, sollte die Companion Disc definitiv sReiz besitzen. Mir persönlich sind die unveröffentlichten Nummern bis auf zwei, drei Ausnahmen aber zu nah am Original, so dass nur unterm Kopfhörer und bei sehr konzentriertem Hören kleinere und größere Unterschiede feststellbar sind. Als Referenz müssen hier einfach die Re-Releases der ersten drei Scheiben dienen, die noch weitaus interessanteres Material und gänzlich unbekannte Songs enthielten.

Wie auch bei den vorherigen Veröffentlichungen ist "Physical Graffiti" im Look des vor 40 Jahren veröffentlichten Originals gehalten worden: Die Papphülle besitzt ausgestanzte Fenster, im Schuber befinden sich wiederum in separaten Hüllen die drei CDs mit verschiedenen Layouts und das Booklet. Qualitativ ist dieser Re-Release erneut eine Offenbarung und Pflichtkauf für alle, die das Meisterwerk noch nicht besitzen. Wer das Doppelalbum jedoch bereits sein Eigen nennt, muss ein wenig grübeln, ob es ihm der remasterte Sound und die Companion Disc wirklich wert sind.