Revolverheld - s/t


Review

Stil (Spielzeit): Rock (40:21)
Label/Vertrieb (VÖ): SonyBMG (23.09.05)
Bewertung: Nette Musik aber ... (5/10)
Link:  www.revolverheld.net

Die fünf Twens von Revolverheld aus Hamburg posen Boyband-like angestrengt lässig nicht nur vom Cover, sondern auch von jeder verdammten Doppelseite des Debüt-Booklets und predigen „Rock'N'Roll!" so penetrant in ihren Texten und Aussagen, dass es einem spätestens nach dem dritten Song dieser Richtung auf den Zeiger geht. Kein Wunder, dass Revolverheld schon von vornherein darauf hinweisen, dass sie keine Casting-Band sind, sondern sich im Sommer 2003 natürlich zusammengefunden haben und - was auch sonst - ehrlichen „Rock'N'Roll" machen.

Die Musik gefällt mir stellenweise wirklich gut, besonders der extrem gut gelaunte Song „Generation Rock" eignet sich bestens zum Abgehen. Da werden dicke Riffs und zart-harte Melodien aufgefahren, jeder Titel hat eine so amtliche Produktion bekommen, dass es aus den Boxen qualmt. Führt man sich das Liedgut jedoch textlich zu Gemüte, stößt man auf wenig Substanz: Recht oberflächlich wird stets ein fiktives „Du" angesprochen und sanft belehrt ("Beste Zeit deines Lebens"), über das Ende der Beziehung informiert („Freunde bleiben") und „aus" wahlweise auf „raus" oder „Haus" gereimt. Also Texte zwischen Pur („Romeo") und Silbermond, an denen Heranwachsende oder Spätpubertierende ihre Freude haben sollen.

Lyrisch nachdenkenswert ist das sozialkritische „Alarm", das mit einem Hintergrund-Chorus aufwartet, der eindeutig bei „Another Body Murdered" (Faith No More & Boo-Yaa Tribe) geklaut wurde, und auch bei „Wenn du sagst" gibt es offensichtliche Verweise, diesmal zu „Findelkind" von Herzer. Es sei Ihnen verziehen, schließlich lässt man sich als Musiker gerne inspirieren ...

Produziert wurde „Revolverheld" - und das ist in der Tat ungewöhnlich für einen Newcomer-Act - von den beiden Gitarristen Niels und Kristoffer zusammen mit Clemens Matznick (Guano Apes, Donots) im Horus Soundstudio, Hannover. „Alle Songs selbst zu schreiben, zu recorden, zu produzieren und sich den Arsch für unser Ding aufreißen - das ist was wir wollen", so Kristoffer. Und Niels fügt hinzu: „Das ist die beste Art, um unsere Einstellung rüberzubringen und dabei die Fäden nicht aus der Hand zu geben." 

„Die Einstellung rüberbringen", das ist gelungen mit der Credibility von 13jährigen, die sich mit Edding „Slayer" aufs Shirt malen und denken, sie könnten dadurch mehr reißen. Revolverheld rocken einwandfrei, und wenn dieses verbissen verteidigte Image nicht wäre und ihre selbst auferlegte „Rock'n'Roll"-Mission, ich könnte sie wohl guten Gewissens weiterempfehlen. So bleibt der Makel der Vermarktung und des sich Einspannen-lassens vor den deutschsprachigen Rock-Hype-Karren der Musikindustrie, auch wenn ich dem Fünfer grundsätzlich glaube, dass sie nur Gutes im Sinn hatten. Aber dann hätten sie aus ihrem Booklet keine Foto-Love-Story für ihren weiblichen Fanclub und aus ihrer Message kein Mantra machen sollen.