Geschrieben von Montag, 03 September 2018 09:58

Werner – Das Rennen 2018: Zwischen Benzinduft und beinharten Rockern

Nach 30 Jahren folgte am Wochenende die Revange zwischen Holgi und Brösel. Wir waren bei der Veranstaltung rund um die Neuauflage des legendären Werner-Rennens von 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm mit am Start – und haben Fotos vom Rundherum mitgebracht.

Trivia: „Im Spätsommer 1988 treten Kneipenwirt Holgi und Comiczeichner Brösel mit ihren fahrbaren Untersätzen auf dem Flugplatz Hartenholm gegeneinander an. Vor über 200.000 Fans verliert Brösel das Rennen – eine Wunde, die bis heute nicht verheilt ist!“

Werner ist norddeutsches Kulturgut und diesem Kult wurde vier Tage in Hartenholm hingebungsvoll gehuldigt. Bereits auf den Weg zum Festival hören wir die Motoren knattern, am Horizont springen Motocross Räder hervor und königliche Gestalten mit Bademantel und Fliegenklatsche pilgern gen Eingang. Doch erstmal zur Bändchenausgabe, vor uns hat jemand sein Ticket vom Event 1988 mitgebracht und tauscht dieses gegen ein Festivalbändchen – tolle Geste vom Veranstalter.

Motorsport und Musik

Auf dem Gelände angekommen, hören wir nicht nur Motoren knattern, sondern sehen auch die passenden Gefährte dazu, Benzin und Gummigeruch liegen in der Luft. Neben uns spielen HÄMATOM auf der Kesseldrom Stage, welche in Wacken die Louder Stage war, und einen Blick weiter jagen einige Kisten über den „Dirt Track“ im Stock Car Race.

Auf den ersten Blick alles, was zu erwarten war – Motorsport und Musik. Im Zelt spielen HEAVYSAURUS, eine Dino-Kindermetalband, für die musikalische Früherziehung. Es sind unfassbar viele Kinder auf dem Gelände, selbstverständlich mit Gehörschutz ausgestattet, Lob an die Eltern.

Wieder ein paar Meter weiter läuft das Drag Race, für mich nicht sonderlich spannend, da nach etwa acht Sekunden das Ende der Strecke erreicht ist. Gegenüber hüpfen ein paar Quads über die Piste und noch ein Stückchen weiter geht’s zum Mofaweitwurf. Zudem findet sich hier „Werners Welt“, mit vielen ausgestellten Fahrzeugen, manche mehr und manche weniger kurios, sowie wichtigen Gefährten mit Werner-Bezug.

Auf der großen Bühne absolvieren TORFROCK einen ihrer drei Auftritte und geben von „Rollo der Wickinger“ bis hin zu „Beinhart“ einen Kracher nach dem anderen. Gegenüber heizen nun frisierte Rasenmäher über die Piste.

Leider ist der Motorsport für mich wenig interessant, da für mich kaum Spannung aufkommt. Die Sicht auf die Rennen ist immer etwas eingeschränkt, da die Strecken eingezäunt sind und durch Bauzäune gestört wird. Die Strecken sind dann teilweise 50 bis 200 Meter vom Zaun entfernt. Ein Gefühl, dabei oder mittendrin zu sein, fehlt. Die Tribühnen an den Strecken sind ziemlich niedrig, sodass weiterhin die Zäune im Blickfeld sind, und beim Drag Race sind diese zudem eine ganze Ecke von der Strecke entfernt. Direkt am Zaun war der Platz auch überschaubar – ich bezweifle, dass jeder das Geschehen beim Showdown am Sonntag verfolgen konnte.

Auf dem eigentlichen Gelände erinnert nur die Gestaltung der Banner an den Bühnen und Ständen an Werner, da hätte ich mir eine stärkere Einbindung des namensgebenen Themas gewünscht. Vieles wurde im Bereich „Werners Welt“ abgestellt. Das Festival wirkt eher wie ein kleines Wacken mit Motorsport.

Musikalisch hingegen wird alles Wichtige geboten. Viel Rock, etwas Metal und etwas Schwachfug. Bekannte Bands aus dem ICS/Seaside Touring Portfolio wie Doro, Santiano, John Diva, Rose Tattoo, Beyond The Black und natürlich Torfrock.

Generell handelt es sich um ein sehr entspanntes und gut organisiertes Festival, das Programm dürfte für Fans keine Wünsche offenlassen. Ohne Interesse am Motorsport könnte jedoch etwas Langeweile aufkommen. Mich würde interessieren, wie Motorsportfans die gebotenen Rennen wahrgenommen haben. Meinen krönenden Abschluss am Freitag boten OTTO und seine Friesenjungs mit einer mitreißenden und sehr unterhaltsamen Show.

Ach so, der Ausgang des Rennens? 

Das war knapp. Mit drei zehntel Sekunden Vorsprung und einer Zeit von 10,08 Sekunden auf der Achtelmeile raste Werner-Erfinder Rötger Feldmann mit seinem "Red Porsche Killer" über die Ziellinie und ließ seinen alten Kumpel Holgi Henze knapp hinter sich. Der rote 911er Porsche kam nicht richtig in die Gänge, die neuen Reifen waren durchgedreht.

Brösel hat die Revanche geschafft - der strahlende Gewinner nach der Siegerehrung. Holgi freut sich über einen Stahlpokal. Foto: Olaf Malzahn

Offizielle Pressefotos: Brösel hat die Revanche geschafft, der strahlende Gewinner nach der Siegerehrung. Holgi freut sich über einen Stahlpokal.

Werner Rennen 2018 - Pokal

Werner - Das Rennen 2018 Foto: Olaf Malzahn