Kai

Ja, genau. Nathan ist der BOYSETSFIRE-Sänger. Und dementsprechend kann man auch wirkliches Interesse an seinem Soloprojekt haben. Vor allem wenn man bedenkt, dass Mr. Gray auch in vielen Nebenprojekten bereits gute Sachen unter das Volk gebracht hat. Nur leider kann seine Solo-EP absolut nicht daran anknüpfen.

Na da hat doch jemand etwas für emotionalen Midtempo-Punkrock über und hört vermutlich sehr viel gute Musik, bevor es ins Studio geht. Denn die Australier von PAPER ARMS scheinen Vieles von dem zu vereinen, was HOT WATER MUSIC (man höre hier "Fader") Fans auch mögen. So hört man viel Rock, 90er Jahre, Atmosphäre, Dynamik und hemdsärmlige Brachialität. Aber so sehr ich die Australier auch abfeiern möchte – irgendwas fehlt mir hier.

Vor ein paar Monaten habe ich PEARS im Vorprogramm von RED CITY RADIO gesehen und war beeindruckt von dem Gebolze, dem Gekeife, dem Chaos (vor allem dem des nahezu dämonischen Sängers) und gleichzeitig aber auch von den Melodien. Als ich dann gelesen habe, Fat Wreck rereleasen ihr Debütalbum, bildeten sich erstmal große Fragezeichen auf meiner Stirn. Seit wann nehmen die denn so chaotische Hardcorebands unter Vertrag?

„The Sound Of Your Radio“ ist kein neues Album der SCANDALS. Vielmehr handelt es sich hier um das Debüt von 2010 der Ostküsten-Amis, welches bisher noch nicht in Europa veröffentlicht wurde (in den USA gibt es davon mittlerweile schon zwei Auflagen!) und jetzt bei Gunner Records in guten Händen ist.

Mit ihrem letzten Longplayer „The Walk“ konnte ich mich ziemlich gut anfreunden. „The Mess Inside“ von OFF THE HOOK ist jetzt ein Nachschlag in Form einer relativ kurzen EP und irgendwie kommt mir das Ganze so bekannt vor, dass meine Begeisterung nicht mehr auf dem gleichen Level ist ...

War das erste Solo-Album des ALKALINE TRIO Bassisten DAN ANDRIANO noch vor allem auf seine Stimme und ein Begleitinstrument ausgelegt, klingt die zweite Fuhre jetzt wesentlich mehr nach Band – und auch das funktioniert.

OK – die Jungs hier sind echt mal eine Überraschung. Bevor ich den Infozettel gelesen hatte, war ich auch fest der Überzeugung, hier müsse es sich um ein paar Amis handeln. Denn nach Wuppertal klingt „Only To Call It Home“ nun wirklich nicht. Dafür aber nach einer eigenen Handschrift.

Fat Wreck hat mich mit Bands wie MASKED INTRUDER oder TEENAGE BOTTLEROCKET ja streckenweise richtig zum Poppunk-Fan gemacht. Und so habe ich erstmal Vertrauen bei den Sinings des Labels. Und BAD COP / BAD COP gehen auch genau in diese musikalische Richtung. Nur dass es eben Mädels sind.


Nach ihrem grandiosen Debüt legen OPTIMIST hier jetzt mit einer Split-12" mit den ebenfalls deutschen BITTERNESS EXHUMED nach. Und wie man sich vorstellen kann, sind ihre Split-Partner auch nicht unbedingt im Pop anzusiedeln. So bekommt man hier die volle Ladung Deathmetal mit etwas Hardcore auf die Zwölf gedroschen. Und beides dreckig und streckenweise sehr oldschoolig.

Das Negativste, was ich mal über NORTH ALONE gehört habe, war auf einem Konzert: „Der klingt mir einfach zu sehr nach CHUCK RAGAN und BRIAN FALLON (THE GASLIGHT ANTHEM)“. Und ja, NORTH ALONE klingen tatsächlich (vor allem auch von der Stimme her) stark nach den genannten Bands – aber eben nicht wie eine untote Kopie, sondern wie Menschen, die musikalisch ähnlich sozialisiert wurden und  auf die Verbindung von Folk und Punk stehen. Und an der Reibeisenstimme kann Manuel Sieg nun mal auch nichts machen.

LIGHT YOUR ANCHOR klingen ziemlich ähnlich wie ANCHORS & HEARTS – vom Namen her. Aber auch musikalisch sind die beiden einheimischen Bands nicht sonderlich weit entfernt von einander. Bei beiden wird melodischer Hardcore/Screamo mit etwas Metalcore gemischt und Refrains mit cleanem Gesang sind ein Muss. Bei LYA steht die Waage aber vor allem auf der melodischen Hardcore-Seite.

Zunächst mal kann ich YOUR FAVORITE ENEMIES nicht so ganz einfach in eine Schublade stecken. Das passende Regal habe ich zwar, aber in einer Schublade alleine fühlen sie sich vermutlich nicht wohl. Und so verpasse ich ihnen mal vorsichtig die Sticker „Alternative", „Indie", „Prog" und „Posthardcore". Aber wie auch immer man ihre Musik labeln möchte – es bleibt ein ziemlich beeindruckendes Album!

MY DEFENSE aus Köln spielen melodischen Hardcore ohne große Schnörkel, aber mit einer relativ positiven Attitüde. Und ähnlich wie mit ihrer „Delorian" EP von 2012 gefallen sie mir ziemlich gut. Nur wollen sie mir dieses Mal mit ihren Songs nicht so ganz im Gedächtnis bleiben.

ANCHORS & HEARTS haben mir bereits 2013 mit „Based On True Stories" relativ viel Spaß gemacht. Und zwar mit ihrer Mischung aus melodischem Hardcore, Metalcore und ein ganz klein wenig Punkdrive. Mit „Sharkbites" sind die Nordlichter nun zurück und scheinen die eigenen Richtlinien ein ganz klein wenig mehr in Richtung Metalcore geschoben zu haben.

AFTER THE FALL sind nun also auf Bridge9 gelandet. Keine schlechte Verbindung. Denn vor allem mit ihrem letzen Album „Unkind" haben sie sich für mich als absolutes Schwergewicht zwischen melodischem, punkigen Hardcore und ordentlichem Geballer dargestellt. Dementprechend waren meine Erwartungen groß – vor allem, weil man bei Bridge9 nahezu blind zugreifen kann. Aber leider haben sich die Jungs aus Albany, NY dann doch in eine andere Richtung bewegt, als ich gehofft hatte.

Wenn ein neuer THE HIRSCH EFFEKT-Output zum Besprechen vorliegt, ist direkt klar, dass es kein Spaziergang wird. Das einheimische Trio hat es den Hörern noch nie einfach gemacht – zumindest soweit ich sie kennen gelernt habe. Und auf "Holon : Agnosie" führen sie das auch genau so weiter.

So langsam wird es ja fast sehr berechnend mit diesen dauernden Reunions. Und so verwundert es auch nicht wirklich, dass sich GOOD RIDDANCE nach ein paar Jahren eben doch wieder zusammengetan haben. Aber hier die gute Nachricht: „Peace In Our Time" ist ein wirklich ernstzunehmendes Album, das der Band aus Kalifornien ihren Biss zurück bringt und sich mit Sicherheit bei den Fans beliebt machen wird.

STRUNG OUT waren relativ von Anfang an auf Fat Wreck Chords und haben damit den „Cali-Punk-Sound" seit Mitte der 90er mitgeprägt. Im Vergleich zu vielen ihrer Mitstreitern waren sie immer schon technischer, mehr Hardcore und streckenweise immer schon ein wenig auf Metal eingestellt (was die instrumentale Fraktion angeht). Erst Jahre später gehörte es dann irgendwann zum guten Ton für Punkbands, über eben jenen Tellerrand hinauszusehen. Und ich finde es klasse, dass diejenigen, die damit wesentlich früher angefangen haben, den jungen Bands immer noch eine ganze Menge vormachen.

Muss ich an dieser Stelle wirklich noch etwas zu HOT WATER MUSIC sagen? Oder erwähnen, wie begeistert ich bin? Vermutlich nicht. Und so mag es auch nicht wirklich verwundern, wenn ich hier direkt wieder hohe Punkte verteile. Aber bei einem Output zum 20sten Geburtstag der Punk/Posthardcore-Band darf man sich auch zu Recht freuen.

Soweit ich weiß, habe ich früher schon mal ein TONY GORILLA-Album in den Händen gehalten ... und ich kann mich vor allem daran erinnern, dass der Sänger sehr nach Glen Danzig klang und ich diese Verbindung bei ihrem rockigen Punk einfach nicht aus dem Kopf bekommen habe. Einige Jahre später liegt nun „It Takes A Spark" vor mir und ich bin überrascht und bestätigt zugleich: Am Gesang scheint jetzt jemand anderes zu sein, der dem Ganzen eine vollkommen andere Note gibt. Aber wieder fühle ich mich stark an jemanden erinnert. Und zwar an den Sänger von IGNITE. Und wieder bekomme ich diese Verbindung während der gesamten Laufzeit des Albums nicht mehr aus dem Kopf ...
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