Kai

Kai


Beim Dunklen Turm heißt es: „Ka (sowas wie Schicksal) ist ein Rad". Mit anderen Worten: alles kommt wieder. Und so verwundert es auch nicht, wenn bei ROWAN OAK (ehemals WESTERN GRACE) sowohl die 90ger als auch richtige Tapes wieder aufleben. ROWAN OAK fühlen sich musikalisch vor allem dem 90ger Emo verbunden und haben jetzt eine Drei-Song-EP auf Colossus Tapes (Berlin) rausgebracht.

Nach den ersten paar Sekunden hätte ich COLDBURN beinahe in eine Beatdown-Ecke gestellt. Aber trotz teilweise sehr langsamer und tiefgezogener Moshparts passt das nicht wirklich. Dafür ist die Musik nicht stumpf genug und zu „melodisch" (ab und zu kommt so was auf einmal in den Vocals vor). Allerdings liefern die Leipziger hier schon extremes Kraftfutter für den Pit.

Über den Namen von JOHN COFFEY bin ich in den letzten Jahren immer wieder gestolpert. Jetzt darf ich mir die niederländischen Jungs auch endlich mal anhören und gebe zu, dass ich mich wirklich eher mit ihnen hätte beschäftigen sollen.

Wer braucht schon die Amis? Mittlerweile wird auch in den heimischen Gefilden Musik auf so hohem Niveau gemacht, dass sich das ein oder andere Original ganz schön umsehen muss, was da aus der Provinz angeschossen kommt. So auch bei den RIVERSHORES, die sich einmal quer durch die komplette Lieblingsplattensammlung aller Melodic-Punks spielen.

Fat Mike war ja noch nie so der Typ für Langeweile. Nachdem seine Band (NoFX) gefestigt war, gründete er auch schon eine eigene Plattenfirma. Seitdem hat er immer wieder Wege gefunden, sein musikalisches Leben spannend zu halten. Sei es mit EPs, die absichtlich in nur ganz wenigen Stunden geschrieben, geübt und aufgenommen wurden. Sei es damit, durch Länder zu touren, wobei bereits vorher klar war, dass es zu Schwierigkeiten kommen würde. Undundund. Was also ist der nächste logische Schritt? Na klar, ein Musical ...

Auf das neue ALCOA-Album habe ich mich wie Bolle gefreut. Das Nebenprojekt von DEFEATER-Sänger Derek hatte mich vor ca. zwei Jahren mit seinem Album „Bone & Marrow" ziemlich umgehauen und gleichzeitig gezeigt, was Derek für eine Bandbreite hat – schließlich kennt man ihn vor allem als Schreihals einer Hardcoreband und wesentlich weniger als Country-Boy.

Es gibt manchmal Platten, die einen direkt in eine bestimmte Zeit zurückversetzen. Und genau das passiert auch bei „Not Dead Yet": Ich muss automatisch an die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende denken, als alle möglichen Drei-Akkorde-Punks (auch ich) begriffen hatten, dass man problemlos beim Metal und Hardcore klauen und alles miteinander verbinden kann. Dann werden eben Akkorde mit Riffings vermengt, die Gitarrenfraktion versucht sich an neuen Techniken, die sie noch nicht ganz gemeistert hat und die Vocals werden gesungen und geschrieen. An all dem haben sich STILL BLEAK orientiert und hier eine Platte abgeliefert, die mich nicht nur vom Songwriting, sondern auch vom Sound der Produktion her genau an diese Zeit erinnert. Nur eben leider nicht an die wirklich guten Bands des Genres.

Seit gut 10 Jahren sind die Berliner Jungs von FINAL PRAYER nun unterwegs. Da kann man als Appetithäppchen vor dem nächsten Album ruhig mal eine EP rausbringen. Und weil man ja das eigene Bandbestehen damit auch feiern will, haut man einfach noch eine DVD mit oben drauf, welches das Werden und Bestehen eben dieser Band feiert. Gesagt – getan!

Ja natürlich, das fehlte noch: ein Weihnachtsalbum der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS. Und direkt dabei noch ein Jahreskalender mit wunderbaren anti-weihnachtlichen Fotos. Kann man sich zwar nicht das ganze Jahr lang geben, aber wer den Humor der Hannoveraner mag, wird auch hiermit klarkommen. Auch wenn er nicht unbedingt viel Musik für das Familienfest hier findet.

CRY MY NAME haben nicht den individuellsten Bandnamen und ja, sie machen Metalcore. Aber was die fünf Jungs aus Schleswig-Holstein auf diesem Album abliefern, ist qualitativ doch so hoch, dass man alles andere direkt wieder vergisst.

Bei den Berlinern von SMILE AND BURN stehen die Zeichen auf Sturm: Neue Platte, neue Plattenfirma, neues Video, Tour und eine Bildersprache (in diesem Falle ein tattowierter nackter Mann, dessen Fleischflöte noch so grade verdeckt wird). die einem immer wieder im Netz auf Facebook etc. begegnet. Und wenn ich mir die neue Platte so anhöre, haben SMILE AND BURN durchaus Grund zur Hoffnung, sich hiermit einige neue Türen öffnen zu können...

BEARTOOTH ist als Soloding gestartet, wurde dann aber als Band durchgezogen. Der Mastermind war früher Sänger bei ATTACK-ATTACK!. Und soweit ich das verstehe, wurde diese Debüt-Platte (nach einer ersten EP) komplett von ihm allein aufgenommen ... Technik macht's möglich.

MINERAL kannte ich bisher immer nur vom Namen her. Man wollte sie mir mal als eine der ersten Emobands verkaufen und allein deshalb war ich schon neugierig. Jetzt sitze ich hier vor zwei randvollen CDs, also ihren zwei Alben und ein paar Bonussongs. Und erstens wird mir recht schnell klar, dass dieses „erste Emoband-Ding" ziemlicher Quatsch ist – wir reden hier von einer aktiven Laufbahn zwischen 1994 und 1998 – und zweitens bin ich sehr hin- und hergerissen, was die Bewertung ihres bisherigen Schaffens angeht.

NO SHAME stammen aus Finnland, sind zu viert und machen schönen Punkrock mit rotziger Stimme und kleinen Ausflügen in den Hardcore. Auf ihrem neuen Album tun sie das nicht nur auf Englisch, sondern streckenweise auch in ihrer Landessprache. Klingt komisch, ist aber so.

CYNTHIA NIKSCHAS macht es mir mit „Kopfregal" nicht wirklich einfach. Denn musikalisch ist diese Mischung aus Rock, Singer/Songwriter und Punkattitüde gar nicht so verkehrt. Die Reibeisenstimme passt auch wunderbar dazu. Aber irgendwie will sich die Platte bei mir einfach nicht festsetzen.

Zugegeben: Der Bandname klingt ähnlich innovativ wie das, was sie spielen – nämlich NYHC – aber dafür machen DOWN TO THIS aus North Carolina auf dieser EP einige grundlegende Sachen sehr richtig.

Ich habe von beiden Bands schon Platten besprochen und beide Bands spielen nach wie vor Hardcore, der sich eher an den 90ern oder noch früher orientiert. Außerdem kommen beide aus dem Saarland.

Wann kommt denn mal die Zeit, in der alle Bandnamen mit den Buchstaben „s-k-a" vergeben sind? So richtig cool klingt das schon seit längerem nicht mehr. Aber egal, die Nürnberger von der ESKALATION haben nun mal diesen Weg beschritten und ihr Album „Zukunftsmusik" liefert damit ziemlich genau das, was man sich beim Namen denken kann.

Mit „Wir sind keine Helden" beenden GWLT ihre EP-Trias (Trilogie). Nach dem etwas schwächeren "Psychogenese in Zeiten der Apokalypse" ist das neue Teil auch wieder auf dem richtigen Weg und überflügelt sogar die Debüt-EP. Zwar wird auch hier mit tiefer gestimmter Gitarre gebreakt und gemosht, aber das Songwriting steht wieder im Vordergrund und dies steht den Süddeutschen ziemlich gut.


Nanu? Was ist denn hier passiert? Standen STEVE FROM ENGLAND aus Hannover nicht eigentlich für schnellen, melodischen Hardcore à la COMEBACK KID und Konsorten? Ihre letzten beiden Releases auf jeden Fall ...
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