Geschrieben von Mittwoch, 22 April 2026 21:22

Da mosht der Bär! F.O.D. im Interview

Mit einem frisch veröffentlichten Song kehren F.O.D. zu ihren Wurzeln zurück. Mit einem frisch veröffentlichten Song kehren F.O.D. zu ihren Wurzeln zurück. Foto: Promo

Belgischer Punkrock mit dem Extrakick Harmonie – das verkörpert F.O.D. in mehrfacher Hinsicht. Vielleicht ist auch ein bisschen Wahnsinn dabei …  

Seit ihrem Debüt „Dance To This“ (2011) begeistert die vierköpfige Formation aus Duffel eine wachsende Schar Connaisseure mit ihrem unverwechselbaren Mix aus 90er-Punkrock und ausgetüftelten Vokalharmonien. Die Songs sind meist kurz, knackig und mitreißend. Inzwischen blickt F.O.D. auf sechs Alben, etliche Touren (darunter Japan und Kanada) und vor allem eine lange Freundschaft zurück. Anlässlich ihres aktuellen Single-Releases wird es höchste Zeit für ein Bandportrait bei BurnYourEars! Wir plauderten mit Hans (v., g.), Stijn (v.) und Lode (dr.) – Grüße an den leider verhinderten Bassisten Pierre – über ihre Wurzeln, überambitionierte Sonderprojekte und verglühende Bären.

Gerade ist eure neue Single „Insanity“ im Rahmen der sogenannten „Pizza Sessions“ von Big Dog Recordings veröffentlicht worden. (Die Compilation mit Songs von elf Bands erscheint am 1. Juli, die Einnahmen werden an eine griechische Straßenhunde-Hilfsorganisation gespendet.) Was gibt es über den Song zu sagen?

Hans: Es ist ein schneller Track – und tatsächlich schon über 30 Jahre alt! Wir haben ein paar kleine Verbesserungen vorgenommen, aber im Grunde ist er von einer alten Demo-EP, von der es nur ein paar wenige Exemplare gab.

Lode: Das war noch weit vor der F.O.D.-Zeit. Die Band hieß „The Beefs“ und ich war noch gar nicht dabei, aber ein großer Fan. Ich habe diese EP total gefeiert! So habe ich die Jungs überhaupt erst kennengelernt.

Apropos F.O.D. kennenlernen – für alle, die euch noch nicht kennen: Was unterscheidet F.O.D. von anderen Punkrockbands?

Stijn: Ich denke, unsere mehrstimmigen Vocals sind das herausstechende Trademark, die Harmonien. Und unsere Musik wird nicht langweilig. Es ist nicht zu simpel, es ist viel Variation drin. Wir schreiben nicht immer wieder den gleichen Song.

Hans: Ja, definitiv – wir machen sehr dichte, melodische Musik. Und wir sind in der Lage, unsere Musik auch live zu spielen – schafft ja auch nicht jeder. Das merken die Leute! Sie hören hin und bleiben dran.

Lode: Und wir haben ziemliche Ohrwürmer. Ein F.O.D.-Song prägt sich schnell ein. Ich mag es, wenn man Songs einfach wiedererkennen kann.

Begonnen habt ihr irgendwann als GREEN-DAY-Coverband. Als ihr danach angefangen habt, eure eigene Musik zu schreiben, wolltet ihr da von Anfang an diesen melodischen, harmoniegetriebenen Sound? Oder habt ihr auch mal in Erwägung gezogen, so richtig räudig-dreckigen Punk auszuprobieren?

Lode: Nein, das wären nicht wir. Da sind wir uns alle vier einig. Wenn wir etwas anderes hätten machen wollen, hätten wir es gemacht – aber das passt nicht zu uns.

Hans: Ich kann auch gar nicht rau singen oder shouten, nach drei Sekunden wäre die Stimme weg. Insofern mache ich genau das, was ich immer in einer Punkrockband machen wollte.

Steht ihr eigentlich noch zu eurem Bandnamen oder wird es heutzutage manchmal unangenehm, wenn ihr gestandenen Leuten erklären müsst, was der bedeutet („Fuck off and die“)?

Stijn: Ich mache es mittlerweile so, dass ich nur sage, das sei der letzte Track auf dem GREEN-DAY-Album „Dookie“, das wir früher mal komplett gespielt haben. Und dann wechsle ich ganz schnell das Thema, damit nicht weiter gefragt wird… Ist in der Tat schon manchmal seltsam als 50-jährige Dudes mit so einem Bandnamen, haha!

Hans: Wir haben damals auch nicht gedacht, dass es mehr wird als „Dookie“ spielen. Wir dachten, wir machen ein, zwei Shows und das war’s. Aber dann kam es anders …

Lode: Damals hat der Name perfekt gepasst und war lustig. Irgendwie ist es dann dabei geblieben. Es gibt übrigens auch noch eine andere Punkband mit demselben Kürzel – die finden das gar nicht so witzig, dass wir das auch verwenden. Aber es ist, wie es ist!

Was auch ungewöhnlich ist: Ihr hattet über all die Jahre nicht einen einzigen Wechsel im Lineup. Wie habt ihr es geschafft, so lange diese feste Einheit zu bilden?

Stijn: Wir sind einfach schon so lange Freunde. Jeder bringt seine eigenen Themen mit,  …

Lode:  … aber jeder hat auch seinen ganz eigenen Wert für die anderen.

Hans: Ich denke, wir schätzen einander einfach aus vielen unterschiedlichen Gründen. Auch wenn es mal Differenzen oder Zoff gibt, finden wir immer wieder zusammen. Es gab nicht einen einzigen Moment in der Bandgeschichte, an dem wir drüber nachgedacht hätten, jemanden rauszuschmeißen. Und ich denke, sobald jemand von selbst aussteigt, bedeutet das das Ende der Band. (Die anderen nicken nachdenklich)

FOD MAR 2026 03 klDie Band ist sich einig: Für Gigs unterwegs sein macht immer noch am meisten Spaß. F.O.D. im März 2026 – v.l.n.r.: Stijn (v.), Pierre (b.), Hans (v., g.), Lode (dr.). Foto: Promo

Ein besonderer Meilenstein in eurer Bandgeschichte war „Sleepville“ (2020). Nicht nur, dass es sich um ein Doppelalbum handelt, es ist auch erstmals ein Konzeptalbum – eine Autorin hat eure Songs zu einer zusammenhängenden Geschichte verknüpft. Außerdem sind Gastmusiker mit klassischen Instrumenten beteiligt und ein Künstler hat die LP mit einem aufwändig gestalteten Buch voller Linolschnittgrafiken ausgestattet. Wie kam dieses Mammutprojekt zustande?

Hans: Einerseits wollte ich nach „Harvest“ mal ein Album machen, das nicht so persönlich ist, sondern einer fiktiven Story folgt. Naja, so ganz ist das nicht gelungen, ein paar Songs handeln trotzdem von mir … aber sie fügen sich in die Geschichte ein. Andererseits war ich inspiriert von Projekten wie JETHRO TULLs „Thick As A Brick“ – ein Album, das aussieht als sei es in eine Zeitung eingewickelt. Daraus entstand an ein paar Abenden mit zu viel Bier die Idee, eine Art Buch zu machen. Ein Freund spielt in einem Orchester, darüber kamen wir an die Musiker für die klassischen Instrumente. Auf einem Song ist sogar ein total unbekanntes Instrument dabei, eine Pedal-Steel-Gitarre.

Würdet ihr ein ähnliches Projekt nochmal machen?

Alle: Nein! (lachen)

Lode: Das war so viel Aufwand – und wir haben es gnadenlos unterschätzt! Du glaubst nicht, wieviel Zeit da reingeflossen ist. Allein schon wegen der Menge an Songs. Aber auch diese Deadlines …

Hans: Irgendwann kam der Punkt, da konnte ich nicht mehr. Zum Glück wusste Tim, unser Producer, was wir wollten. Denn zum Schluss konnte ich bei den Sessions nicht mal mehr dabei sein, es ging einfach nicht mehr.

Bei der Visualisierung eures neuesten Albums „The Once A Virgin Club“ spielt ihr mit dem Thema des Älterwerdens. So alt wie die Typen auf dem Cover seid ihr noch lange nicht, aber ihr habt Jobs, Familien, Verantwortung … Welche Rolle spielt da noch die Band – verglichen mit vor 10 oder 15 Jahren?

Hans: Vor zehn Jahren wollten wir alles! Wir wollten möglichst überall spielen, haben zwei Alben in drei Jahren veröffentlicht, …

Stijn: … unsere Urlaube fast komplett für die Band geopfert – es blieb kaum noch Zeit für Familienurlaub. Das hat sich geändert.

Hans: Wir spielen jetzt nur noch, wenn es für alle passt. Wer Urlaub machen will, macht Urlaub.

Lode: Aber die Band ist trotzdem immer noch super wichtig. Es ist einfach so eine tolle Möglichkeit, um aus dem Alltag rauszukommen. Das ist das, was daran so viel Spaß macht – dass es ganz anders ist als das normale Leben.

Stijn: Genau – unterwegs sein, schlechte Witze machen und ab und zu ein Bier ist doch das Beste!

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden – was würdet ihr mit F.O.D. noch erreichen wollen? Dream big!

Hans: Ich würde ein Album in den Abbey Road Studios aufnehmen.

Stijn: Ich würde am liebsten auf großen Festivals wie dem Bubbelpop spielen.

Lode: Ich würde eigentlich nur mehr touren wollen. Jede Tour, die wir bislang gemacht haben, war einfach unglaublich viel Spaß.

Bonusfrage: Ich bin erst recht spät auf euch aufmerksam geworden und habe offenbar einen Insider verpasst. Was hat es mit dem mysteriösen Bären auf sich, der hin und wieder erwähnt wird und auch in einem Songtext vorkommt?

Hans: Wir haben diese Idee von GREEN DAY geklaut, glaube ich. Die haben ihre Shows früher mal mit einem Hasen auf der Bühne eröffnet. Wir hatten kein Hasenkostüm, kannten aber jemanden mit einem Bärenkostüm.

Lode: Der Typ ist verrückt. Er kommt – manchmal auch als Überraschung – mit diesem Ganzkörper-Bärenanzug, in dem es schnell ultra heiß wird. Dann stellt er sich nicht nur kurz auf die Bühne, sondern gibt sich die komplette Moshpit-Experience, inklusive Stagediving! Nach der Show nimmt er den Bärenkopf ab und ist dunkelrot im Gesicht von all der Hitze. Er kocht! Das kann nicht gesund sein! Aber irgendwie ist es zum Kult geworden. Die Legende besagt, dass er auf unserer Spanien-Tour den Bärenkopf mal auf einem Taxidach abgelegt hat – dann ist er eingestiegen und das Taxi ist halt losgefahren.

Hans: Macht nix, jetzt hat er ein neues Kostüm, das alte hat eh gestunken.

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Anne

Stilübergreifend Fan von packenden Harmonien und Lyrics. Es muss Spaß machen oder berühren – oder beides. In früher Jugend große Seelenanteile an den Powermetal verkauft. Trotzdem nie was mit Drachen und Einhörnern am Hut gehabt. Konzertliebe wiederentdeckt und zur Sucht werden lassen. Frontrowbegeisterung! Lebensziel: Mit 80 immer noch vorne mithüpfen.

Instagram: @now.spring.is.in.the.air