Willkommen zurück! Wer war denn der erste von euch, den es in den Fingern gejuckt hat, und wie kam es dann zum wirklichen Entschluss, eine Show nach mehr als einem Jahrzehnt zu spielen?
Ole: Selber willkommen zurück! :-)
Dennis: Ich glaube, ich war der Erste, der das als realistische Idee betrachtet hat. Das war, als vor ein paar Jahren unsere erste EP "Decision & Action" zwanzig Jahre alt wurde. Dann habe ich jeden mal angerufen und gefragt, ob sie sich das vorstellen könnten. Trotzdem hat es dann noch ein paar Jahre gedauert, bis wir uns mit einem konkreten Datum wirklich ein Ultimatum gesetzt haben. Und jetzt müssen – oder besser: dürfen – wir dieses Jahr noch einmal zusammen auf eine Bühne!
Ole: Nach der initialen Initiative von Dennis ist danach dann wohl auch der gute Hendrik von Contra ein bisschen schuld. Der hat mich nämlich während eines feucht-fröhlichen Abendessens auf dem Reeperbahn Festival daran erinnert, dass er damals – in einem Leben, bevor er immer mit dem Contra-Privatjet durch die Welt geflogen ist – eine der ganz frühen FITA-Shows in Lübeck veranstaltet hat.
Dem habe ich dann gesagt, dass er das ja jetzt gerne nochmal machen könnte, denn wir würden seit zwei Jahren überlegen, nochmal zu spielen. Das war an einem Donnerstag. Montags hatte der den Bums festgemacht. Und jetzt haben wir den Salat!
Wie viel habt ihr bisher geprobt? Was muss noch passieren, bevor ihr in Köln auf die Bühne könnt? Und vor allem: Konntet ihr euch noch an alle Riffs und Ideen erinnern?
Ole: Dreimal, davon zweimal mit Gesang. Wenn man nicht nachdenkt, kommen die Texte tatsächlich von alleine vorne wieder raus. Wenn man hingegen nachdenkt, kommt nix raus. Wird also spannend Ende Dezember.
Dennis: Wir haben auf jeden Fall zu wenig geprobt bisher. Und eine Probe haben wir eigentlich nur darüber diskutiert, welches Tuning wir denn bei welchen Songs genutzt haben. Abgesehen davon haben die Proben bisher eigentlich erschreckend gut funktioniert und das Muscle Memory hat schon gekickt.
Was machen so Begriffe wie ICQ, MySpace etc. mit euch? Ich erinnere mich, dass ihr damals schon zum zweiten Album davon gesprochen habt, bestimmte Emo-/Screamo-Klischees hinter euch gelassen zu haben und mehr zurück in den Punkrock zu wollen. Wie ist das alles so gealtert aus heutiger Perspektive?
Dennis: Naja, nur weil es die Band jetzt lange nicht gab, heißt das ja nicht, dass wir hinterm Mond leben und nicht auch moderne Social-Media-Netzwerke kennen. Aber klar: Eine gewisse Nostalgie zu einfacheren Tagen und Social Media, das noch irgendwie Spaß gemacht hat, gibt es natürlich – aber die habe ich auch unabhängig von der Band. Und ich finde, die anderen Aussagen sind schon okay gealtert. Ich kann mir unsere alten Alben noch gut anhören und mit KMPFSPRT sind Richard und ich ja auch deutlich zum Punkrock zurückgekehrt. Also passt alles.
Ole: Aus heutiger Perspektive waren wir vermutlich nie eine „richtige" Emo-Band und haben eher in den frühen Tagen mit der Bildsprache und vor allem auch mit den musikalischen Einflüssen der Emo-Welle gespielt – und ganz vielleicht auf dem ersten Album im Zuge von „Wir wollen jetzt aber auch alles ganz richtig machen" dann auch ein bisschen übertrieben eingesetzt.
Das haben wir auf der "I'll Beat You, City!" dann wiederum hervorragend korrigiert, indem wir einfach die Songs geschrieben und aufgenommen haben, die da so aus diesem Knäuel an overhypten Anfang-20er-Buben, die gerade einen Traum erleben, rausgepurzelt sind. Hört man der Platte auch an: diese Befreiung. Und ich mag sie deswegen in ihrer unprätentiösen Rohheit bis heute am liebsten von allen Sachen, die wir gemacht haben.
Dennis: Und man darf nicht vergessen, dass wir alle mit dem 90er-Skatepunk von Fat Wreck und Burning Heart aufgewachsen sind. Das war also schon immer irgendwie Teil der DNA dieser Band.
POLAR BEAR CLUB haben ein Album "Chasing Hamburg" genannt, was soweit ich weiß mit einem Banderlebnis in besagter Stadt zu tun haben soll. Gibt es bei euch irgendeine Show oder Begebenheit, die euch so dermaßen in Erinnerung geblieben ist, dass allen klar war: „Jetzt in Köln am besten so wie damals"?
Dennis: Es gibt natürlich viele Erinnerungen, die immer wieder hochkommen, wenn wir zusammen sind und darüber reden. Aber ich denke, da wird dir jeder von uns eine andere Geschichte erzählen. Ich denke immer gerne an die "Taste-Of-Chaos"-Tour 2006 zurück – irgendwie ist das immer eine meiner ersten Erinnerungen, wenn mich jemand auf FIRE IN THE ATTIC anspricht.
Ole: True, "Taste of Chaos" war schon brutal gut. Ich habe aber auch beide BILLY-TALENT-Shows 2004 krass in Erinnerung. UND: Die Doppelshow mit „Rock im Park" am frühen Nachmittag – raus aus den nassen Klamotten bei 160 km/h im Sprinter auf der Autobahn – proppevoller Soundgarden bei der Visions-Party in Dortmund am Abend – nachts vom Brandgeruch im Steigenberger Dortmund hochgeschossen, da Backline-Nichtsnutz Göby gegen vier Uhr noch ein kleines Zwischen-Kippchen rauchen musste.
Gerade das Jahr 2006 war wirklich surreal vor lauter Superlativen, die wir erleben durften.
Dennis: Good Times!
Ole: Und Köln war natürlich damals so was wie unser Home Turf – die Weihnachtsshows im Underground (RIP!) waren durchweg immer Highlights.
Ihr spielt im Original-Lineup. Gab es jemanden, der seit Jahren kein Instrument mehr in der Hand hatte und erstmal aus dem musikalischen Winterschlaf geweckt werden musste?
Ole: Ich musste sehr lachen, als ich Plotzki bei der ersten gemeinsamen Probe Schlagzeug spielen sehen durfte. Es klang grundsätzlich wie früher, sah zu Anfang aber noch aus wie jemand, der bei „Jugend musiziert" um den zweiten Platz trommelt. Crebelli hat da was aus dem Gigbag gezogen, was nur noch Fragmente einer Gitarre darstellte und musste somit ein Instrument geliehen bekommen, und ich selber habe seit 18 Jahren ungefähr noch fünf Mal „Griechischer Wein" in Karaoke-Situationen gesungen – ansonsten nur mit Sohn Willi im Auto. Also: 3 Mal voller Kaltstart.
Dennis: Ich glaube, nur Richard und ich waren immer aktiv mit Musikmachen beschäftigt. Bei den anderen spielten Instrumente nur noch eine untergeordnete Rolle. Aber es ist wie überall: Wenn man einfach mal anfängt, läuft es am Ende doch wieder.
Was hat sich an eurem Gear getan? Immer noch wie früher mit dicken Amps, Boxen und einem Haufen Pedalen oder seid ihr jetzt auch digital?
Dennis: Da sind wir recht oldschool. Aber auch in meiner anderen Band nutzen wir nach wie vor „echte" Amps, wobei ich digitalen Amps auch nicht abgeneigt bin. Aber im Moment sehe ich nicht die Notwendigkeit – und für eine Show werden wir jetzt auch keine Massen an neuem Equipment anschaffen. Party like it's 2006! Wobei es bestimmt jemanden gibt, den es schon in den Fingern juckt, ganz viele Cases zu kaufen ...
Ole: Zwei, drei Cases könnte man schon ... Also ... kleine Cases vielleicht? Ich hab' nicht mal mehr ein eigenes Mikrofon. Wen auch immer wir also als Support dazunehmen, sollte möglichst wenig spucken.
Werdet ihr versuchen, den alten Sound wiederherzustellen oder klingen FIRE IN THE ATTIC 2026 soundtechnisch anders?
Dennis: Da wird sich erstmal nicht viel verändern. Ich glaube auch nicht, dass die Leute von damals jetzt irgendein modernisiertes Bild von uns wollen. Und das ist ja auch das, worauf wir Bock haben: die alten Songs nochmal auf die Bühne bringen.
Ole: Na ja ... Ich spiele inzwischen ganz passabel Oboe und denke schon, dass sich da in jedem Song eine Möglichkeit gibt, die gut unterzubringen. Wir schauen mal ... (Oboen-Case ist bestellt!)
Dennis: Ja gut. Oles Oboen-Soli in jedem Song jetzt mal ausgenommen.
Ole: Oles Oben-ohne-Oboen-Soli werden es vielleicht sogar. Kommt drauf an, wie es beim Sport weiter läuft.
Was müsste passieren, damit es mehr als eine Show wird?
Dennis: Geld. Sehr viel Geld. Und Zeit. Ich bräuchte sehr viel mehr Zeit in meinem Leben.
Ole: Wollen wir uns vielleicht alle mal wieder beruhigen! Wir machen jetzt die Show und dann schließen wir die Schatulle „Fire in the Attic" auch erstmal wieder für ein paar Jahre.
Gibt es eine Chance auf zumindest einen neuen Song?
Dennis: Man soll ja niemals nie sagen, und Textideen habe ich eigentlich immer in der Schublade. Aber im Moment liegt der Fokus darauf, unsere alten Songs für die Show wieder draufzubekommen. Alles andere sehe ich aktuell noch nicht – auch wenn ich den Gedanken schön finde.
Ole: Drei Mal geprobt. Seit letztem Herbst. Wenn wir bei der Frequenz bleiben – zweifelsohne auch bedingt durch unsere zeitlichen Kapazitäten – kannst du ungefähr im Jahr 2087 mit der VÖ einer 12" rechnen.
Dennis: Ich block schon mal einen Termin im Presswerk!
Gab es irgendwas, das ihr lernen musstet und gesagt habt: „Boah ne, das brauche ich heute nicht mehr – können wir das auslassen"?
Dennis: Ich schätze, die Frage zielt auf etwas anderes ab. Aber was ich merke: Unsere Egos in der Band – und da schließe ich mich selbst mit ein – sind deutlich bescheidener geworden. Wir müssen niemandem mehr etwas beweisen und machen das nur, weil wir Bock drauf haben.
Ole: Den Druck, den ich mir damals gemacht habe – resultierend daraus, dass die Band ja mehr war als ein Hobby, sondern vielmehr der zentrale Teil meiner Persönlichkeit –, lassen wir inzwischen mal schön zuhause. Ein „Schneller, mehr, höher, weiter" gibt es auch nicht mehr, sodass ich mich einfach wahnsinnig darauf freue, alle wiederzusehen.
Dennis: Geht mir ähnlich.
Wird extra vorher Sport gemacht, um das gestiegene Alter zu kompensieren?
Dennis: Nein.
Ole: Ja. Und ich hasse alles daran! Mein lustiger neuer Trainer hat mich letzte Woche mit Traubenzucker füttern müssen, weil ich kurz davor war, ihm einfach umzukippen. Immer noch ehrgeizig wie ein Idiot und eitel wie ein Hammel – super Kombi für so einen Wiedereinstieg in die Leibesertüchtigung.
In welchen Bands seid ihr seitdem aktiv gewesen oder immer noch unterwegs?
Dennis: Richard und ich spielen seit dem Ende von FIRE IN THE ATTIC bei KMPFSPRT, wo auch Plotzki, unser Schlagzeuger, für eine Weile dabei war. Die anderen haben – soweit ich weiß – nicht mehr groß Musik gemacht. Tom, der ja nach Ole in die Band gekommen war, hat in UK auch weiter Musik gemacht, seine Band dort heißt SUSPECTS.
Ole: Suche Leute für ein Oboen-Quartett. Bitte melden!
Was ich immer schon mal fragen wollte: Kommt der Name aus einem Schulbuch für Englisch oder hab ich da eine falsche neurale Verbindung im Kopf?
Dennis: Nee, der Name stammt von mir – und da war ich schon lange aus der Schule raus –, und noch eine Menge anderer, sehr schlechter Bandnamen, die ich auch vorgeschlagen hatte und zum Glück abgelehnt wurden.
Ole: Ich hab die Liste noch. Vielleicht lesen wir am 27.12. ein paar davon auf der Bühne vor.
Wer die Band live sehen möchte: Am 27. Dezember 2026 spielen FIRE IN THE ATTIC ihre Reunion-Show im Kölner Gloria – es ist ihr erstes Konzert seit März 2010.
