Killing Joke - s/t

Review

Acht Jahre Durstrecke und jetzt das: „Killing Joke" (Sony) treibt einem Tränen der Freude in die Augen. 

Das Album lebt von dem nach wie vor unglaublich ausdrucksstarken Organ von Sänger, Keyboarder und Frontmann Jeremy „Jaz" Coleman. Heiseres Wispern, krächzendes Schreien und wahnsinniges Gurgeln, sonores Singen – die gesamte Palette künstlerischen Könnens wird aufgefahren, so abwechslungsreich wie nie zuvor in der Bandgeschichte. Produziert wurde das Werk von Andy Gill (Gang Of Four, Red Hot Chilli Peppers), der es geschafft hat, Killing Joke gleichermaßen modern und eigenständig klingen zu lassen, ohne dass Akzente fehlen oder die Songs ihren rauen Charakter verlieren.

Der Gitarrensound ist weder hip noch altbacken; Zerrer an, Volume up und einfach geradeaus, schnörkellos und dennoch fett. Genau diese Beschreibung trifft auf das gesamte Album zu, denn hier wirkt nichts gekünstelt oder angepasst. „Killing Joke" besticht durch klare Strukturen, die Songs haben Punch und bieten genügend Hooklines zum Mitsingen, Headbangen, Wohlfühlen.

Das alles ist sicherlich kein Zufall, denn Coleman weiß, was er tut. Nach dem ebenfalls tollen Album „Democracy" (1996) nahm er sich eine Auszeit vom Metal, arrangierte klassische Interpretationen der Musik von Pink Floyd, Led Zeppelin und The Who und wurde Hauskomponist des New Zealand Symphony Orchestra. Des weiteren übernahm er die Position des Musik-Direktors des Philharmonischen Orchesters Prag.

... und 2003 nimmt er u.a. mit Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) am Schlagzeug „so mal eben" das vorliegende Highlight des Jahres der Sparte Industrialmetalpostpunk auf. Respekt.

Große Bands beriefen sich auf Killing Joke, darunter Metallica, The Cult, Ministry, Skinny Puppy oder Soundgarden. Love Like Blood nannten sich sogar nach dem gleichnamigen Titel des 1985 erschienen Durchbruchalbums der Band „Night Time". Lange Rede, kurzer Sinn: Killing Joke sind Legende. Keine Änderung in Sicht.