Tailgunner - Midnight Blitz Tipp

Tailgunner - Midnight Blitz
    Heavy Metal

    Label: Napalm Records
    VÖ: 06.02.2026
    Bewertung:9/10


Knapp drei Jahre ist es her, dass TAILGUNNER auf der Bildfläche erschienen und mit ihrem selbstproduzierten Debut „Guns For Hire“ ein erstes Ausrufezeichen setzten. Mit unfassbar energiegeladenen Auftritten und starkem Songmaterial erspielte sich das von Bassist Bones angeführte Quintett den Ruf als neuer Hoffnungsträger des britischen Heavy Metal. Wer das Glück hatte, TAILGUNNER bei einer ihrer schweißtreibenden Clubshows zu erleben, konnte dem nur beipflichten. Nach Abschluss ihres Deals mit Napalm Records stehen nun endgültig die Zeichen auf Sturm, denn das zweite Album „Midnight Blitz“ bringt alles mit, um TAILGUNNER als feste Größe in der Szene zu etablieren.

Eigene Identität

Produziert wurde die Scheibe vom früheren JUDAS PRIEST - Gitarristen K.K. Downing (KK´s PRIEST), der „Midnight Blitz“ einen transparenten, aber wuchtigen Sound verpasst hat. TAILGUNNER spielen melodischen Heavy Metal ohne Schnörkel, vorrangig beeinflusst von IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST, aber auch offen für europäische Power-Metal-Einflüsse. Dabei, und das kann man nicht deutlich genug betonen, wird nicht schnöde abgekupfert, sondern TAILGUNNER gelingt es, jedem Song ihren persönlichen Stempel aufzudrücken.

Zu Beginn des Albums künden eine Luftschutzsirene und flirrende Twin Guitars davon, dass hier Großes im Anflug ist. Und schon geht´s los. Der Titelsong „Midnight Blitz“ ist klassischer Heavy Metal in Reinkultur: hart, melodisch, straight – ein Auftakt nach Maß. Das Video dazu könnt Ihr hier sehen:

Das darauffolgende „Tears In Rain“ beruht textlich auf einem „Blade Runner“-Zitat – dezente Sci-Fi-Atmosphäre, eine wunderschöne Melodie und die tolle Stimme von Craig Cairns prägen diesen Song. Der Frontmann muss ohnehin gesondert erwähnt werden. Denn während viele Sänger einander stimmlich ähneln, bringt Craig Cairns eine ganz eigene, angenehme Klangfarbe mit, die TAILGUNNER deutlich aus der Masse klassisch geprägter Metal-Bands hervorhebt.

„Follow Me In Death“ zieht das Tempo zunächst an und wird dann hymnisch. Was Rhea Thompson und Zach Salvini hier und auf dem gesamten Album an den Gitarren abliefern, erinnert nicht nur einmal an legendäre Duos wie Tipton/Downing oder Hansen/Weikath.

Danach folgt ein weiteres Highlight: „Dead Until Dark“ wurde ebenfalls durch einen 80er-Kultfilm inspiriert – den Vampir-Klassiker „The Lost Boys“. Toller Refrain, der sich spätestens nach dem dritten Durchlauf in den Gehirnwindungen festsetzt.

Tailgunner Band closeTAILGUNNER (v.l.): Eddie Mariotti (dr.), Bones (b.), Rhea Thompson (g.), Craig Carns (voc.), Zach Salvini (g.) (Photo Credit: Tunde Valiszka)

Bei „Barren Lands And Seas Of Red” kann Drummer Eddie Mariotti zeigen, was er an der Double Bass drauf hat, der Song wirkt roher als der Rest der Platte und hätte auch gut auf´s Debut „Guns For Hire“ gepasst. Der Text beschreibt die Gräuel des Krieges – das ist gut gemacht, geht aber leider etwas unter, da sich auch die übrigen Lyrics fast ausschließlich um Krieg und Zerstörung drehen, meist jedoch eher im Stil eines Computerspiels oder Actionfilms. Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob sich TAILGUNNER mit dieser inhaltlichen Fokussierung auf Dauer einen Gefallen tun. Es ist ganz sicher nicht verwerflich, sich textlich von Klassikern wie „Aces High“ oder „The Sentinel“ inspirieren zu lassen, doch gerade die großen Vorbilder haben in der Vergangenheit ja unzählige Male bewiesen, dass man auch andere Themen kraftvoll und in mitreißende Worte verpacken kann.

Prominente Unterstützung

Danach wird´s ausnahmsweise mal ruhiger – „War In Heaven“ ist die erste Ballade in der Geschichte von TAILGUNNER, eingespielt mit keinem Geringeren als Ozzy-Keyboarder Adam Wakeman. Craig Cairns klingt dabei für mich anders als erwartet – unweigerlich gehen mir Assoziationen mit Timo Kotipelto (STRATOVARIUS) durch den Kopf. Ohne allzu kitschig zu werden, mündet der Song in einer starken Powerballade ganz im Stil der 80er. Vor allem live dürfte Gänsehaut garantiert sein.

Mit „Blood Sacrifice“ und „Night Raids“ folgen zwei flotte Songs, die für mich etwas weniger zwingend sind, dennoch auf hohem Niveau. Und während vielen anderen Bands im letzten Drittel ihrer Alben oftmals die Luft ausgeht, haben sich TAILGUNNER noch zwei echte Highlights bis zum Schluss aufgehoben. „Eye Of The Storm“ wird mit seiner filigranen Melodie ganz sicher auch Power-Metal-Fans begeistern, bevor mit dem rund siebenminütigen „Eulogy“ ein epischer Schlusspunkt gesetzt wird, dessen Refrain lange nachhallt.

Midtempo? Fehlanzeige!

Was auffällt: Auf „Midnight Blitz“ gibt´s keinen einzigen stampfenden Midtempo-Song, wie schon auf ihrem Debut treten TAILGUNNER praktisch durchgängig das Gaspedal durch. Daher sollte man dem Album mehrere Durchläufe zugestehen, um die Feinheiten und Unterschiede zwischen den Liedern zu entdecken.

Fazit: „Midnight Blitz“ hebt die Musikwelt vielleicht nicht komplett aus den Angeln, bringt sich aber bereits jetzt in Stellung, um als bestes klassisches Heavy-Metal-Album des Jahres 2026 in die Geschichte einzugehen. Für mich als Fan des Genres, der aus verschiedenen Gründen mit den letzten Priest- und Maiden-Outputs gefremdelt hat, stellt die Scheibe einen mehr als willkommenen Lichtblick dar, und ich würde TAILGUNNER wünschen, dass ihnen künftig auch außerhalb Großbritanniens der verdiente Headliner-Status zuteilwird. „Midnight Blitz“ steht einfach für 45 Minuten geilen Heavy Metal. Well done!

„Midnight Blitz“ erscheint bei Napalm Records als CD und in verschiedenen LP-Formaten, zudem in streng limitierter Auflage (100 Stück) als Music Cassette.

„Midnight Blitz“ Tracklist:
1. Midnight Blitz
2. Tears In Rain
3. Follow Me In Death
4. Dead Until Dark
5. Barren Lands And Seas Of Red
6. War In Heaven
7. Blood Sacrifice
8. Night Raids
9. Eye Of The Storm
10. Eulogy

TAILGUNNER Live 2026

Mit HAMMERFALL
26.01.26 IT - Milan / Alcatraz
30.01.26 WL - Porthcawl, Wales / Planet Rock Winters End Festival

Tour-Support for FOZZY
06.02.26 EN - Brighton, England / Chalk
07.02.26 EN - Margate, England / Dreamland
08.02.26 EN - Manchester, England / The Ritz
10.02.26 EN - Norwich, England / Epic Studios
11.02.26 EN - Bradford, England / Nightrain
13.02.26 EN - Nottingham, England / Rock City
14.02.26 SC - Glasgow, Scotland / TV Studios
15.02.26 EN - Newcastle, England / Boiler Shop
17.02.26 WL - Cardiff, Wales / Tramshed
18.02.26 EN - Torquay, England / The Foundry
19.02.26 EN - Southampton, England / The 1865
20.02.26 EN - London, England / Electric Ballroom
21.02.26 EN - Wolverhampton, England / KK’s Steel Mill

Sommer-Festivals 2026
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08.08.26 BE - Kortrijk / Alcatraz
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15.08.26 NL - Eindhoven / Dynamo Metal Fest
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Marcus

Als Kind geprägt durch die umfangreiche Plattensammlung meines Vaters, in der von BAP bis Motörhead alles vertreten war, sowie eine dauerhafte Infektion mit dem Kiss-Virus (seit 1979 nicht mehr abgeklungen), entwickelte sich äußerst früh meine Begeisterung für Rock, Hardrock, Metal und Konzerte. Und abgesehen von Paul Stanley und Co. gilt in meinem Fall: Je kleiner, desto feiner! Diese unglaubliche Energie, die ein Clubgig entfachen kann, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Insofern ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass es auch nach Corona und trotz bedenklicher Preisentwicklungen kleine Veranstalter und Locations gibt, die mit Herzblut dafür kämpfen, auch unbekannteren Künstlern eine Bühne zu bieten – das ist keine Selbstverständlichkeit! Daher: Support your local clubs and bands!

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