Geschrieben von Samstag, 27 April 2013 09:53

Negator - Interview mit Nachtgarm zu "Gates To The Pantheon"

Negator haben ihren Panzer wieder angeschmissen und schießen mit ihrem neuen Werk „Gates To The Pantheon“ aus allen Rohren. Wir baten Sänger Nachtgarm zum Interview und erfuhren, dass die Band weder nach links noch rechts schaut, sondern eigentlich nur drei Ziele anstrebt.


Glückwunsch zu dem gelungenen neuen Negator Werk. Wie zufrieden seid ihr mit "Gates To The Pantheon"?


Wir sind SEHR zufrieden mit dem Ergebnis. Es gibt nichts, das wir hätten anders haben wollen.

Wie fielen die Resonanzen aus, sowohl bei euren Fans als auch bei der Presse?


Da das Album ja erst am 19.4. auf die Menschheit losgelassen wird, sind die Resonanzen bisher eher gering, aber durchweg positiv ausgefallen. Wir bieten ja im Moment einen kompletten Song zum freien Download an. Die Resonanzen auf „Atonement In Blood“ waren bisher durchweg gut, wobei es schon einige „erstaunte“ Kommentare gab, da dieser Song beim ersten Hören schon relativ untypisch für uns klingt.

Wie geht ihr mit Kritik um?


Entspannt. Jeder hat, oder sollte zumindest, eine eigene Meinung haben und das mit gutem Grund. Nicht jede dieser Meinungen ist als konstruktiv anzusehen, aber wenn doch, nehmen wir das schon relativ ernst. Wobei es aber nichts an unseren Zielen ändern würde. Wir schreiben unsere Musik ja in erster Linie für uns. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Wenn wir damit Anklang finden, ist das großartig. Wenn nicht, dann eben nicht. Aufzuhören oder dementsprechend etwas zu ändern wäre wider unsere Natur.


Ich persönlich finde das neue Material schnell und sehr frisch. Allerdings nicht ganz so abwechslungsreich wie  auf „Panzer Metal“. Eure Meinung dazu?


Das überrascht mich ein wenig. Meiner Meinung nach waren NEGATOR niemals abwechslungsreicher, als auf „Gates To The Pantheon“. Bei „Panzer Metal“ lag der Fokus ja auch ausschließlich auf der Geradlinigkeit der Songs.

In wieweit unterscheidet sich das neue Material eurer Ansicht nach von älterem?

Wie bereits erwähnt denke ich, dass wir auf der neuen Scheibe vielschichtiger klingen, als zuvor. Es gibt neue, für NEGATOR etwas untypische Elemente, die wir aber recht gut in den „gewohnten“ NEGATOR Sound einflechten konnten. Die neue Scheibe zeigt einfach eine erweiterte Seite von uns, die vorher so noch nicht zu hören war.


Kannst Du ein wenig zur Entstehungsphase des Albums erzählen?

Es hat fast zwei Jahre gedauert, das neue Album fertig zu bekommen, aber manchmal dauern Sachen eben länger. Als wir damit anfingen, neues Material zu schreiben, hatten wir noch keine so richtige Vorstellung, wo der Weg hinführen würde. Wir hatten zwar ein paar grundlegende Ideen aber kein vollständiges Konzept. Finnskald und ich haben dann an diesen Ideen gearbeitet und gefeilt, bis am Ende „Epiclesis“, der Opener der Platte, herauskam. Mit diesem Song hatten wir unsere Marschrichtung gefunden und dann schrieb sich das Album fast von alleine.

Vor Beginn der Arbeiten an dem neuen Werk gab es einen Besetzungswechsel. Wie weit nahm das Einfluss auf die Arbeit an den Songs?

Line-Up-Wechsel sind immer einer ärgerliche Sache, aber bereiten meist keine wirklich schwerwiegenden Probleme, da Finnskald und ich immer erst eine Idee bis zum Ende ausarbeiten, um dann damit bei dem Rest der Band vorstellig zu werden. Lehnen die das Ganze dann ab, oder haben andere Ideen, setzen wir uns wieder ans „Zeichenbrett“ und feilen weiter an dem Material. Schlimm wäre es, wenn Finnskald mit einmal in' Sack hauen würde…

Ihr habt auch dieses Mal wieder einen Gastsänger am Start, Lenny von DEVASTATOR. Wie kam es zu der erneuten Zusammenarbeit?

Lenny hat uns bereits sein mächtiges Organ auf "Panzer Metal" geliehen, um in bestimmten Passagen noch mehr Druck zu erzeugen. Aus demselben Grund haben wir ihn dieses Mal wieder mit ins Boot geholt, wobei er am Ende weniger eingesungen hat, als ursprünglich geplant war.

Texte sind auch immer ein Aushängeschild einer Band. Worum geht es diesmal in euren Lyrics?

Die Texte auf „Gates To the Pantheon“ haben einen sehr persönlichen Hintergrund. Ich habe über die letzten zwei Jahre hinweg sehr viel über mich selbst gelernt und habe aus diesem Lernprozess heraus viele tiefschürfende Emotionen genommen und Texte daraus gemacht. Ich habe mich dieses Mal verschiedenster Mythologien bedient, um meine Texte in zu der Musik passende Metaphern zu packen.

Kann es passieren, dass ein Text nicht auf eine von euch geschriebene Musik passt und ihr daher ein Instrumental veröffentlicht?

Nein. Das kam nur einmal auf „Die eisernen Verse“ vor und Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Grundsätzlich sind wir aber keine Fans von instrumentalen Songs.

Die Titel eurer letzten Alben waren eher kurz und prägnant. Wie kam es zu dem Titel „Gates To The Pantheon“?

Der Titel des Albums ist quasi durch die Texte bedingt. Das Pantheon ist bei uns weniger als Gebäude, sondern mehr als „Zustand“ zu sehen. Diesen Zustand erreicht man nur, wenn man sich auf die Reise begibt und durch die einzelnen Tore schreitet. Die Songs stehen dabei Pate für die Tore und erzählen Geschichten, die, wie bereits erwähnt, sehr persönliche Hintergründe haben.

Und was wollt ihr damit aussagen?

Das Schöne an persönlichen Gründen ist ja, dass sie persönlich sind – und das sollen sie auch bleiben. Wie die Hörer am Ende meine Texte auslegen, bleibt ihnen überlassen.

Mir ist aufgefallen, dass es kein deutschsprachiges Lied gibt. Wie ist es dazu gekommen?

Wir haben uns seit jeher immer für die Sprache entschieden, die am „songdienlichsten“ ist. Auf der neuen Platte passten einfach keine deutschen Texte, rein vom Klang der Wörter. Wir sehen den Gesang ja auch immer noch mehr als weiteres Instrument, denn als eigentlichen Gesang. Es gibt dafür dieses Mal einige altgriechische Passagen und auch kurze Teile auf Sumerisch.

Meines Wissens befindet sich das erste Mal eine Coverversion von einer anderen Band auf einem eurer Werke? Wie kam es dazu und warum gerade BELPHEGORs „Necrodaemon Terrorsathan“?

Korrekt. Wir haben vorher noch keine Coverversion auf CD gebannt, wobei wir vor Jahren bereits SAMAELs „Flagellation“ live gespielt haben. Die Entscheidung, NDTS zu covern, viel recht einfach aus folgenden Gründen: Zum einen ist der Song einfach der Knaller und zum anderen sind Helmuth und ich schon seit Jahren gut befreundet. Darüber hinaus passt dieser Song einfach extrem gut in das Soundgewand unserer CD.

Was haltet ihr von der momentanen Black Metal Szene?

Da ich mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit der „Szene“ beschäftige, kann ich da nicht wirklich viel zu sagen. Wir machen halt unser Ding und die Szene ihres.

Und was denkt ihr über die deutsche Black Metal Szene?

Hier genau dasselbe. Es gibt nur extrem wenige Bands, gerade aus dem deutschen Underground, die noch zu mir durchdringen. Erwähnt seien hier unsere Kollegen von PANTHEION, deren aktuelle Scheibe einfach gut ist.

Auch wenn es eventuell ein leidiges Thema ist, Vorurteile mit NSBM. Gibt es die bei euch mittlerweile auch? Oder eher weniger, weil ihr euch diesbezüglich explizit geäußert habt?

Wir hatten immer mal wieder „Berührungspunkte“ mit diesem Thema, haben unseren Standpunkt dahingehend aber über die letzten Jahre mehr als deutlich gemacht. Wenn sich heute noch immer jemand fragt, ob wir in irgendeiner Form politisches Gedankengut, gleich welcher Ausrichtung auch immer, in unserer Musik verarbeiten, hat der oder die einfach mal die Welt verpennt und sich keinen Meter mit uns beschäftigt.

Ich habe mich schon immer gefragt, warum andere Bands nicht klar Stellung beziehen. Habt ihr dazu eine Vermutung?

Keine Ahnung. Wenn eine Band mit diesem Thema konfrontiert wird, sollte sie klar Stellung beziehen. Dabei ist es mir dann völlig egal, ob sie sich für oder gegen die Meinung der Öffentlichkeit ausspricht. Hauptsache, man weiß, woran man ist, damit man dann für sich die Entscheidung treffen kann, ob man diese oder jene Band weiterhin unterstützt oder eben nicht.

Warum gibt es nicht eine Art Forum oder Zusammenschluss von deutschen, ich sag' mal eher undergroundigeren Bands, um gemeinsam gegen den braunen Scheiß zu kämpfen?

Na, es gibt ja genug „Zusammenschlüsse“, die sich das auf die Fahnen geschrieben haben. Ich denke aber, dass „Hetze“, egal aus welchem Lager, immer kontraproduktiv ist. Ich bin der Meinung, dass politisches Gedankengut, gleich welcher Gesinnung, in Musik im Allgemeinen nichts verloren hat. Und warum sollte ich etwas thematisieren, das es in meinen Augen nicht verdient, auf diese Art thematisiert zu werden?

Das stimmt natürlich – also zurück zu euch. Was kann man in naher Zukunft weiter von NEGATOR erwarten?

Weltherrschaft, mehr Musik, Gigs… das Übliche halt.

Wenn du die Möglichkeit hättest, mit irgendeinem Künstler aufzutreten, egal ob lebendig oder tot, wer wäre das?

Ich würde wohl so ziemlich alles dafür geben, einmal mit Frank Sinatra auf der Bühne zu stehen. Direkt gefolgt von Phil Anselmo.

Was rotiert bei dir oder euch momentan neben Metalzeugs im Player?

Ich höre sehr viel gesangsorientierte Musik. DAMIEN RICE, STONE SOUR, ROCKY VOTOLATO, PUSCIFER… um mal ein paar zu nennen.

Was würdest Du im Moment musikalisch empfehlen, egal aus welchem Bereich?

Die eben genannten wären ein sehr guter Anfang.

Welche Worte wollt ihr den Lesern noch mit auf den Weg geben?

PANZER FOREVER PANZER!

Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin.