Geschrieben von Mittwoch, 19 September 2018 09:51

Dark Sarah im Interview: "Wir verschieben mit unserer Musik ein bisschen die Metal-Normen"

Überlebensgroßer Orchester-Bombast, eingängige Hymnen und eine Reihe prominenter Gastauftritte: DARK SARAHs neues Album "The Golden Moth“ klotzt, wo andere nur kleckern können. Wir haben uns mit Sängerin Heidi Parviainen zusammengesetzt und nicht nur über das neue Album, sondern auch über die Gefahren von Crowdfunding und ihre Liebe zu Disney gesprochen.

Hi Heidi, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung des neuen DARK SARAH Albums "The Golden Moth“. Ich hatte ja schon die Möglichkeit, vorab einmal reinzuhören und muss zugeben, dass mich das Album wirklich begeistert hat. Wie zufrieden bist du mit dem finalen Produkt?

Vielen Dank! Ich bin total glücklich mit dem Resultat. Für mich persönlich ist es unser bestes Album bisher.

Bevor wir über das neue Album reden, würde ich dich noch gerne bitten, dich und deine Band kurz unseren Lesern vorzustellen. Welches Konzept liegt DARK SARAH zugrunde?

Hallo, mein Name ist Heidi Parviainen und ich bin sowohl Sängerin als auch Songwriterin der finnischen Cinematic-Metal-Band DARK SARAH. Unsere Musik kombiniert Elemente aus Filmmusik, Metal, Theater und Oper. All unsere Alben sind Konzeptalben und erzählen eine sich fortsetzende Geschichte rund um Sarah und ihre bösartige, dunkle Hälfte Dark Sarah. In der "The Chronicles“-Trilogie folgen wir ihr auf einer Reise durch drei verschiedene Welten, wobei sich eine Art psychologische Fantasy-Geschichte entspinnt.

"The Golden Moth“ ist ja bekanntlich das letzte Kapitel der "The Chronicles“-Trilogie. Hattest du damals, als du mit "Behind The Black Veil“ die erste Episode der Geschichte geschrieben hast, die volle Story schon im Kopf oder hat sich diese im Laufe der Jahre weiterentwickelt?

Nein, hatte ich noch nicht. Ich wusste, dass ich eine lange Geschichte anfing, aber hatte keine Ahnung, wie viele Alben ich dafür brauchen würde. Ich habe die Geschichte chronologisch geschrieben, mir aber auch die Möglichkeit gelassen, intuitiv weiterzuschreiben. Mir kommen die Ideen einfach in den Kopf! Aber beim dritten Album hatte ich wirklich das starke Gefühl, dass es das letzte sein würde, da alle drei Welten besucht waren.

Wie sehr ähnelt der Charakter von Dark Sarah deinem eigenen?

Ziemlich arg sogar. Mehr als ich dachte, als ich die Geschichte zu schreiben begann. Obwohl, ich habe noch nie jemanden getötet. (lacht)

Extra für dieses Album ist auch JP Leppäluoto zur Band gestoßen und hat seine Stimme dem Drachen geliehen. Eine Rolle, welche er auch schon auf dem Vorgängeralbum "The Puzzle“ inne hatte. Warum hast du ausgerechnet ihn für diese Rolle ausgewählt?

Ich hatte ihn bereits vorher aufgrund seiner wundervollen Stimme und Persönlichkeit für die Rolle im Kopf. Natürlich war ich froh, dass er ebenfalls an der Rolle interessiert war und viel Aufwand und Zeit in das Einüben der zeitaufwändigen Choreographien für die Musikvideos gesteckt hat. Und selbst nach den anstrengenden, einwöchigen Dreharbeiten für das Video zu "Trespasser“ wollte er immer noch der Band beitreten.

Jetzt hast du mir die nächste Frage quasi schon vorweg genommen. Das Musikvideo zur ersten Single "Trespasser“ ist ja schon vor einigen Wochen erschienen. Wie waren die Aufnahmen?

Wir haben es in den Dünen von Maspalomas auf den spanischen Kanaren gedreht. Der Shoot hat eine ganze Woche gedauert und war aufgrund der Hitze und der Intensität der Kampf- und Tanzeinlagen unglaublich hart. Aber wir hatten viel Spaß dabei und das hat es deutlich einfacher gemacht.

 

DARK SARAH besitzt eine lange Historie von Gastauftritten, ihr habt unter anderem schon mit Tony Kakko (SONATA ARCTICA) und Charlotte Wessels (DELAIN) zusammengearbeitet. Dieses Mal wurdet ihr von Marco Hietala (NIGHTWISH), Zuberoa Aznarez (DIABULUS IN MUSICA) und Netta Skog (Ex-ENSIFERUM) unterstützt. Wie ist es, mit einigen der berühmtesten Musikern der Szene zu arbeiten?

Ich empfinde es als großes Privileg, mit diesen talentierten Leuten arbeiten zu dürfen. Sie alle haben mit ihrer Stimme zur Geschichte beigetragen und ich bin wirklich glücklich darüber.

Entwickelt sich bei so etwas auch eine Art Freundschaft oder dreht sich alles nur um das Geschäft?

Mit Manuela Kraller (Ex-XANDRIA) und Zuberoa Aznarez bin ich persönlich befreundet, aber auch die anderen Gäste haben nun einen wichtigen Platz in meinem Herzen sicher, auch wenn unsere Beziehungen zueinander durch die gemeinsame Arbeit zustande kamen.

Kommen wir auf "The Golden Moth“ selbst zu sprechen: Was symbolisiert die Motte für dich und was ist ihr Platz in der Geschichte?

Die Motte ist Dark Sarahs Totemtier. Meins ist der Schmetterling. Die Motte ist ein nachtaktives Tier und lebt in der Dunkelheit, wird aber aus irgendwelchen Gründen von Licht angezogen. Ganz ähnlich wie Dark Sarah eben selbst ist.

Mir ist vor allem im Titelsong aufgefallen, dass ihr nicht nur das Orchester, sondern auch Elektronika als atmosphärisches Element einsetzt. Wie kamt ihr auf diese Idee?

Nachdem wir uns die Demo zusammen mit unserem Produzenten Mikko P. Mustonen angehört hatten, entschieden wir uns dazu, das Stück wie einen Soundtrack oder das Ende eines Films klingen zu lassen. Die elektronischen Elemente fügen meiner Meinung nach etwas Frisches zu den Orchesterpassagen hinzu.

Ganz ehrlich, "Wish“ klingt für mich genau wie eines dieser klassischen Disney-Duette. Total kitschig, aber irgendwie auch wirklich gut. War der Song wirklich so geplant?

(lacht) DARK SARAH hat auf jeden Fall immer einen kuriosen Song pro Album und dieses Mal ist es eben "Wish“. Der Song wurde mit Absicht so kitschig geschrieben, aber eben auch mit Humor. Die Geschichte brauchte einen Song, um den Stimmungswechsel hinzubekommen, um noch größer zu werden. Die Handlung verdichtet sich nach "Wish“ und wandelt sich dramatisch.

Bist du eigentlich selbst ein Fan der Disney-Sachen?

Total und ich liebe Musicals! Die sind einfach immer ein bisschen kitschig. Aber genau dieser Kitsch wird innerhalb des Konzeptes der Metalmusik nochmal größer und hier verschieben wir mit unserer Musik ein bisschen die Metal-Normen.

Auf das Cover habt ihr – mit JP Leppäluoto und dir – die beiden Hauptcharaktere auf das Cover von "The Golden Moth“ gepackt. Was magst du an diesem Stil, eine Person in das Zentrum des Covers zu rücken und auf die aufwändigen Artworks zu verzichten, welche andere Bands gerne benutzen?

Da sich die Geschichte um einen bestimmten Charakter, eben Dark Sarah, und ihre Reise dreht, ist es gut, dies auch auf dem Cover darzustellen. Auf "The Golden Moth“ dreht sich die Geschichte um zwei Charaktere und so wollten wir den Stil der gesamten Trilogie beibehalten.

Alle drei Alben der "The Chronicles“-Trilogie wurden durch Fans via Indiegogo finanziert. Beeinflusst dieser Crowdfunding-Ansatz irgendwie das Songwriting oder hattest du jemals Angst, dass ihr nicht genug Geld für ein Album zusammen bekommen könntet, um all eure Idee umsetzen zu können?

Was Crowdfunding anbelangt, war ich immer sehr realistisch und habe jedes Mal die Möglichkeit im Kopf behalten, dass wir nicht unser Ziel komplett erreichen könnten. Leider ist es aber auch so, dass die Produktion eines Albums und der Musikvideos sehr teuer ist und gleichzeitig die Menge an Geld, die du durch die Crowdfunding-Kampagne erwirtschaftest, dein Budget für das Album ist. Also beeinflusst es direkt die Anzahl der Songs und auch die Qualität der Produktion.

"The Chronicles“ sind damit abgeschlossen. Was kommt als nächstes auf DARK SARAH zu?

Ich schreibe tatsächlich schon an einer neuen Storyline und komponiere neue Songs. Dark Sarahs Geschichte geht also weiter!

Irgendwelche Pläne, "The Golden Moth“ auf Tour zu promoten?

Wenn alles nach Plan läuft, dann ja.

Hast du noch irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

Die ganze ausgeschriebene Geschichte wird am Veröffentlichungstag (21. September) auf unserer Webseite publiziert werden. Die Alben funktionieren auch ohne dass man die Story kennt, aber für alle, die tiefer in das Konzept eintauchen wollen, ist es ein großartiger Bonus!