Dass aus einer kleinen Corona-Idee mal eine solch produktive Instanz werden könnte, hätte Klas sich anfangs wohl nicht träumen lassen. Von „Projekt“ ist mittlerweile keine Rede mehr. Die beiden Alben „Emperor Rising“ (2022) und „Return Of The Heralds“ (2024) trafen mit ihrem klassischen 90er-/2000er-Powermetal-Sound und passenden Sword-and-Sorcery-Themen einen Nerv in der Nische und fuhren gute Kritiken ein. Jetzt wird das dritte Kapitel aufgeschlagen. Zeit für einen locker-flockigen Status-Quo-Talk – Spoiler inklusive!
Hej Klas, du hast durchklingen lassen, dass ihr gerade euer nächstes Album vorbereitet. Wie läuft es, wie weit seid ihr?
Es läuft super! Wir hatten aber auch schon angefangen, an diesem Album zu schreiben, als das letzte noch nicht mal veröffentlicht war, sind also schon seit rund zwei Jahren dabei. Wenn man bedenkt, dass wir davor eine EP und zwei Longplayer innerhalb von knapp vier Jahren rausgehauen haben, kann man also sagen, mit dem neuen Album lassen wir es jetzt entspannter angehen.
Wir haben einfach weitergemacht!
Stimmt – als ihr auf der Bildfläche erschienen seid, war noch Pandemie und ihr hattet wahrscheinlich alle etwas mehr Zeit für Output ...
Genau, aber als sich alles wieder normalisiert hat, haben wir einfach im selben Tempo weitergemacht. (lacht) Das war also eine ziemlich arbeitsintensive Zeit für uns. Nach „Return Of The Heralds“ haben wir dann erstmal weniger Öffentlichkeitsarbeit betrieben und den Fokus aufs Songwriting gelegt. Jetzt konnten wir tatsächlich gestern Abend die Aufnahmen der Vocals abschließen. Gitarren und Bass sind auch schon fast fertig. Drums und Mixing/Mastering stehen noch an.
Diese Reihenfolge ist eher ungewöhnlich, oder? Nimmt man nicht in der Regel zuerst das Schlagzeug auf?
Ja, das stimmt. Aber es hat sich irgendwie so ergeben – ich glaube, schon seitdem Christoph (Brandes – dr.) fürs erste Album eingestiegen ist. Er könnte das besser erklären als ich, aber er arbeitet mit vielen kleinen Details beim Drumming und orientiert sich am liebsten an den Gesangs- und Gitarrenmelodien. Deshalb haben wir den üblichen Prozess einfach umgedreht. Funktioniert wunderbar für uns!
Catchy bis heavy mit Aussicht auf Folk
Was können die Fans denn vom neuen Album erwarten? Gibt es irgendwelche Besonderheiten?
Im Grunde sind wir unserem Stil treu geblieben, aber wir entwickeln uns natürlich auch immer weiter. Die meisten Songs sind typisch KRILLOAN – ich glaube nicht, dass die Leute allzu überrascht sein werden. Aber unser Gastgitarrist vom letzten Mal, Carlos Alvarez, ist wieder dabei, und er spielt ein bisschen härteres Zeug als das, was ich sonst so schreibe. Deshalb ist der Track „By This Right Hand“ ziemlich heavy geworden. – Oh, jetzt habe ich auch schon einen ersten Songtitel verraten! (lacht)
Und auf der anderen Seite: Wir machen ja ohnehin recht eingängige Musik, aber diesmal sind ein, zwei Tracks dabei, die aus irgendeinem Grund besonders catchy geworden sind. Als wir damit durch waren, kamen wir aus dem Grinsen nicht mehr heraus, weil es fast ein bisschen Party-Metal geworden ist – aber keine Sorge: ohne Keyboards oder übermäßigen Kitsch. Ich denke also, wir haben über das ganze Album hinweg im Schnitt eine ziemlich gute Balance erreicht.
Klas Holmgren (g) führt von seinem „Headquarter“ im südschwedischen Älmhult aus alle Fäden zusammen.
Bild: Maty Xeven
Ich mochte die Nyckelharpa (Schlüsselharfe) bei „The Kingskillers Tale“ sehr. Werden wir so etwas auch wieder zu hören bekommen?
Ja, tatsächlich! Wir arbeiten wieder mit Magnus (Holmström) zusammen, der für einen Track Nyckelharpa beisteuert – und auch noch andere abgefahrene traditionelle Instrumente, von denen ich nicht mal weiß, wie sie heißen. Ich habe es selbst noch gar nicht gehört und bin sehr gespannt, was am Ende dabei rauskommt, weil ich total auf diesen Folk-Sound stehe. Es ist großartig, Magnus wieder an Bord zu haben!
Gibt es schon einen Zeitplan für die Veröffentlichung?
Im Moment sammeln wir noch – die letzten Solo-Gitarren, die letzten Bassaufnahmen und so weiter. Wenn alles beisammen ist, schicke ich es zu Christoph nach Deutschland für die Drums und den Mix. Und dann hängt alles von seinem Terminkalender ab, er ist ein ziemlich vielbeschäftigter Typ. Und natürlich auch von der Zeit, die das Label braucht. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es noch dieses Jahr etwas wird, aber realistischer ist vermutlich Anfang 2027.
Das Cover-Artwork kommt übrigens wie immer von Alvaro Valverde und ist auch schon seit letztem Herbst fertig. Also, in dieser Hinsicht sind wir ziemlich weit voraus. Aber ich mag es, Dinge frühzeitig abzuschließen – vor allem, weil wir über die ganze Welt verteilt sind. Da weiß man nie, wann etwas wirklich fertig wird.
Apropos: Ihr seid fünf Leute in vier verschiedenen Ländern (Schweden, Deutschland, Portugal, Argentinien). Wart ihr schon jemals alle gemeinsam in einem Raum?
Nein. Und ich glaube auch nicht, dass das je passieren wird. Ich würde es mir natürlich wünschen, aber zumindest in näherer Zukunft ist das einfach unrealistisch. Steve (Brockmann – g.) ist der einzige, den ich schon persönlich getroffen habe. Wir kennen uns seit ungefähr 20 Jahren und verabreden uns immer für Festivals hier in Schweden. Die anderen Jungs kenne ich nur online.
Es ist schon cool, wie gut es funktionieren kann, Leute aus der ganzen Welt zusammenzubringen.
Wünschst du dir nicht manchmal, gemeinsam mit den anderen als Band zu spielen und vielleicht sogar auf Tour zu gehen?
Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre mir das natürlich lieber. Ich vermisse die Proberäume und die Live-Auftritte. Aber KRILLOAN ist nicht nur aus der Pandemie heraus entstanden, sondern auch, weil ich lernen wollte, Musik aufzunehmen. Die erste Single war also eher ein Projekt, um zu sehen: Okay, wie funktioniert das? Wenn ich diesen Knopf drücke, was passiert dann? Und daraus hat sich dann alles weiterentwickelt. Jetzt habe ich hier mein kleines Studio. Und es ist schon auch cool, wie gut es heutzutage funktionieren kann, Leute aus der ganzen Welt zusammenzubringen und auf diesem Weg Musik zu machen. Mir macht das wahnsinnig Spaß.
Zum Schluss habe ich noch ein kleines Entweder-oder-Spiel für dich. Los geht’s:
Elric oder Conan?
Elric. Er ist auf dem Cover des ersten schwedischen Rollenspiels „Drakar och Demoner“ abgebildet, das wir gespielt haben, als wir jung waren. Aber Conan ist eine sehr gute Nummer zwei.
Speed-Track oder Ballade?
Speed-Track. Das war einfach.
Hammer oder Axt?
Hm, da muss ich wohl den Hammer nehmen, weil wir einen Song namens „Hammer of Wrath“ haben und weil ich Warhammer mag.
BLIND GUARDIAN oder HELLOWEEN?
BLIND GUARDIAN, ganz klar. Da gibt es nur eine richtige Antwort.
Curling oder Langlauf?
Langlauf. Nicht nur bei Olympia – ich mag es selbst, auf Skiern draußen in der Natur zu sein.
CD oder Vinyl?
Vinyl. Ich bin oldschool!
Kanelbullar (Zimtschnecken) oder Semlor (schwedisches Fastnachtsgebäck)?
Kanelbullar. Ich mag Semlor nicht wirklich, aber Kanelbullar gehen immer.
Sommer oder Winter?
Eigentlich mag ich den Winter ganz gern, weil ich Schnee liebe, und wie die Natur dann aussieht. Aber im Moment habe ich die Kälte ein bisschen satt – also Sommer!
ESP Eclipse-I CTM oder ESP LTD M-1000?
Oh, sehr gut, du hast dir meine Gitarren angeschaut! Ich würde sagen, die ESP LTD. Das ist mein Arbeitstier, die funktioniert für so gut wie alles. Die andere nehme ich eher, wenn ich einen ganz bestimmten Sound brauche.
Dungeons oder Dragons?
Dragons – natürlich.
Lineup KRILLOAN:
Klas Holmgren – Gitarre & Komposition
Alex VanTrue – Gesang
Steve Brockmann – Gitarre
Marco Ignacio Toba – Bass
Christoph Brandes – Schlagzeug
