„Gut Ding will Weile haben“ scheint seit jeher das Credo von SOCIAL DISTORTION gewesen zu sein. Nach 47 Bandjahren ist „Born To Kill“ gerade mal das achte Studioalbum. Macht ja nix – mit Ausnahmescheiben wie „White Light, White Heat, White Trash“ (1996) und „Sex, Love And Rock´n´Roll“ (2004) ist Mike Ness und seinen Kumpels gelungen, wovon Millionen andere Musiker nur träumen können. Sie haben unsterbliche Songs wie „Reach For The Sky“ und „Don´t Drag Me Down“ veröffentlicht und innerhalb eines eng gesteckten musikalischen Rahmens ihre eigene Nische erschaffen. Einen Song von SOCIAL DISTORTION erkennt man immer!

SOCIAL DISTORTION (Credit: Jonathan Weiner)
Das gilt auch für das flotte Titelstück, das den gelungenen Auftakt von „Born To Kill“ darstellt. Die charakteristischen Trademarks sind alle da, der typisch rock´n´rollige Gitarrensound, die eingängige Melodie, der Text und die leicht nölige Stimme von Mike Ness. Gutes Teil, so dürfte es gerne weitergehen.
Doch schon jetzt wird das Tempo gedrosselt. „No Way Out“, „The Way Things Were“ und „Tonight“ können zwar durchaus überzeugen, mich aber nicht zu hundert Prozent begeistern. Irgendwie hat man das Gefühl, dass Mike Ness die Angepisstheit früherer Tage abhanden gekommen ist – auch wenn es ja genug Gründe gäbe, sich über den Zustand der USA aufzuregen. Doch will man es dem Mann verübeln? Mike Ness ist 64, hatte mit einer Krebserkrankung zu kämpfen und ist nach eigener Aussage inzwischen Großvater mit Leib und Seele. Klar, dass sich da manche Prioritäten verschieben – vor allem, wenn die letzte Scheibe bereits 2011 erschienen ist.
Laufen die ersten fünf Songs trotz allem noch gut durch, zieht mich „Crazy Dreamer“ dann doch ein wenig runter. Mike Ness hatte immer schon ein Faible für Country-Einflüsse, und das Stück wird patent dargeboten. Doch leider plätschert es derart belanglos vor sich hin, dass ich vor meinem inneren Auge ein paar altersschwache Cowboys sehe, die im Schneckentempo mit ihren Angetrauten über die Tanzfläche von „Bob´s Country Bunker“ schwofen – man hofft förmlich, dass endlich die Blues Brothers auftauchen und mit „Rawhide“ die Bude in Schutt und Asche legen!
Danach gibt´s ein Cover von „Wicked Game“ – würde der Song aus der Feder von Mike Ness stammen, wäre er ohne Zweifel ein Highlight in der Geschichte von SOCIAL DISTORTION. So allerdings muss ich feststellen, dass mir sowohl das Original von Chris Isaak (1989) als auch die HIM-Version von 1997 besser gefallen. Dass sich im Netz mehr als 30 weitere Coverversionen dieses Stücks tummeln, lässt die Nummer nicht innovativer erscheinen.
Nach diesen beiden recht ruhigen Songs wäre es dringend geboten, im letzten Albumdrittel das Gaspedal nochmal durchzutreten – doch das passiert nicht. „Walk Away (Don´t Look Back)“ oder „Don´t Keep Me Hanging on“ – alle folgenden Stücke klingen absolut gefällig und unverkennbar nach SOCIAL DISTORTION, wären aber – seien wir ehrlich – in früheren Zeiten mit deutlich mehr Schmackes präsentiert worden.
Fazit: „Born To Kill“ ist kein schlechtes Album, und Die-Hard-Fans von SOCIAL DISTORTION werden darauf schöne Momente entdecken, die Lust auf die kommenden Konzerte machen. Gelegenheitshörer dagegen greifen auch künftig lieber zu den Klassikern.
„Born To Kill“ Tracklist:
1. Born To Kill
2. No Way Out
3. The Way Things Were
4. Tonight
5. Partners In Crime
6. Crazy Dreamer
7. Wicked Game
8. Walk Away (Don´t Look Back)
9. Never Going Back Again
10. Don't Keep Me Hanging On
11. Over You
SOCIAL DISTORTION live:
06.06.2026 Rock im Park
07.06.2026 Rock am Ring
09.06.2026 Berlin – Columbia Halle
26.06.2026 Münster – Vainstream Rockfest
30.06.2026 Hamburg – Docks
04.07.2026 Dresden – Rudolf Harbig Stadion (w/ BROILERS)

