Den Anfang machen GORE., und die tun sich schwer. Ihr Set läuft ordentlich, aber ohne zündende Idee durch, und der Funke springt nicht über. Für die meisten bleibt es Begleitmusik zum Ankommen, der Applaus ist höflich und nicht mehr. Ganz anders POLARIS: Die Australier spielen kompakt und mit spürbar mehr Wucht, ihr Metalcore hat Druck und Kontur. Zum ersten Mal an diesem Abend kommt Bewegung in den Innenraum, und die ersten Crowdsurfer:innen landen in den Armen der Security. Wenn der Rest des Abends hält, was POLARIS versprechen, wird es laut.
Auftritt im Gegenlicht: I PREVAIL zum Auftakt mit „NWO“
Er hält es. I PREVAIL betreten im Gegenlicht die Bühne, eröffnen mit „NWO“ und lassen dem Publikum kaum Zeit zum Durchatmen: „Bow Down“ ist der Startschuss für den ersten großen Moshpit, und spätestens bei „Body Bag“ ist im vorderen Hallendrittel keine Ruhe mehr einzukehren. Der Sound spielt dabei mit: klar und ausgewogen, ohne dass man groß darüber nachdenken müsste.
Dabei steht die Band aus Michigan gerade vor einer heiklen Aufgabe. 2025 ist Co-Sänger Brian Burkheiser ausgestiegen, das im September 2025 bei Fearless Records erschienene „Violent Nature“ ist das erste Album ohne ihn. Seitdem steht Eric Vanlerberghe allein am Mikrofon und trägt die Shouts ebenso wie die cleanen Passagen, die früher sein Partner übernahm. Live funktioniert das erstaunlich reibungslos. Vanlerberghe wirkt nicht wie jemand, der eine Lücke füllen muss, sondern wie ein Frontmann, der die Rolle angenommen hat.
Seit dem Ausstieg von Brian Burkheiser allein am Mikro: Eric Vanlerberghe
Den eindrücklichsten Beweis liefert ausgerechnet der Titelsong des neuen Albums. Für „Violent Nature“ holen I PREVAIL POLARIS-Sänger Jamie Hails auf die Bühne, und das Duett mit Vanlerberghe gerät zum Höhepunkt des Abends: doppelte Stimmgewalt, ein Pit, der sich bis weit nach hinten ausdehnt und Crowdsurfer:innen im Minutentakt. Wenig später kehrt auch GORE.-Sängerin Haley Roughton zurück und übernimmt in „Paradise“ den Part, den auf Platte Amira Elfeky singt.
Gitarre vor Flammenwand: I PREVAIL im Berliner Velodrom
Die Pyrotechnik ist dabei mehr als Dekoration. Flammenwerfer, Feuerbälle und Fontänen sind so dicht gesetzt, dass manche Fotos aus dem Graben aussehen, als hätte jemand die Bühne versehentlich in Brand gesteckt. Die Show bleibt trotzdem auf die Musik konzentriert. Zwischen „Into Hell“, „Bad Things“ und „Rain“ gönnt das Set kaum Leerlauf, und selbst das obligatorische Drum-Solo fügt sich ein, statt den Abend auszubremsen. Das Publikum geht durchgehend mit, singt Refrains lauthals zurück und hält die Pits bis zum Schluss in Gang.
Wer vorne steht, braucht keine Heizung: I PREVAIL
Nach „God“, „Choke“ und „Come And Get It“ steuern I PREVAIL auf ein Finale zu, das sich gewaschen hat. „Hurricane“ treibt noch einmal alles nach vorne, „Gasoline“ setzt den Schlusspunkt, begleitet von einer letzten Pyrosalve, die die erste Reihe noch einmal einen Schritt zurückweichen lässt. Eine Zugabe gibt es nicht, nach knapp 75 Minuten ist Schluss. Gefehlt hat trotzdem nichts.
Feuer frei bis zum Schluss: I PREVAIL im UFO im Velodrom
Setlist 13.10.2026
1. NWO
2. Bow Down
3. Self-Destruction
4. There's Fear In Letting Go
5. Violent Nature (mit Jamie Hails von POLARIS)
6. Body Bag
7. Paradise (mit Haley Roughton von GORE.)
8. Into Hell
9. Bad Things
10. Rain
11. Drum Solo
12. God
13. Choke
14. Come And Get It
15. Hurricane
16. Gasoline