Geschrieben von Donnerstag, 25 April 2019 07:33

In Sanity And Friends - Der Konzertbericht aus Paderborn mit großer Bildergalerie

20.04.2019, Paderborn - Die Melodic Death Metalband IN SANITY hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2011 schnell zu einer auch über die Paderborner Kreisgrenze hinaus bekannten Underground-Größe gemausert. Am Ostersamstag heißt es nun bereits zum dritten Mal IN SANITY AND FRIENDS – mit dabei sind in diesem Jahr REINFORCER, CHAOS PATH, SAMSARA CIRCLE, SOULBOUND und WORDS OF FAREWELL.

Ein bunter Freundeskreis

Eins muss man IN SANITY lassen - bei der Wahl ihrer Freunde setzen sie auf Diversifikation. Wer bei diesem Konzert nur genregleiche Bands erwartet, ist leider fehl am Platz, denn von melodischem Power Metal über New Industrial und Melodeath bis hin zu Was-auch-immer-Kaotysk- Metal ist, ist für jeden etwas dabei.

REINFORCER – Paderborner Power Metal, stilecht mit Schwert und Brokatweste

Reinforcer

Die kürzeste Anreise haben wohl REINFORCER, die nach einer kurzen Begrüßung durch IN SANITY Frontmann Erik Sollmann um 17:30 Uhr den Konzertabend eröffnen. Trotz der 30 Liter Freibier, die bei den Auftritten der ersten beiden Bands ausgeschüttet werden, ist leider noch etwas wenig los, der Stimmung schadet dies glücklicherweise nicht. Bereits der Opener "Shipwrecked" sorgt für gute Laune und macht Lust auf mehr.

Während die restliche Band eher zurückhaltend unterwegs ist, umarmt Sänger Logan Lexi jegliches Power-Metal-Klischee hingebungsvoll: Stilecht in Lederhose, Brokatweste und einem sich (sehr zur Freude der weiblichen Besucher) im Konzertverlauf immer weiter öffnenden Hemd gekleidet, ist er sich nicht zu schade, bei "Hand On Heart" auch mal das mitgebrachte Schwert auf der Bühne zu schwingen und ein wenig in musikalischem Pathos zu schwelgen.

Und auch musikalisch gibt es nur wenig zu bemängeln – treibende Drums, melodische Riffs und starker Gesang. Da darf man sich durchaus mal ein wenig Schmalz und Kitsch gönnen. REINFORCER nutzen ihre halbe Stunde Spielzeit voll aus und präsentieren dem Publikum neben bereits veröffentlichten Songs der aktuellen "The Wanderer"-EP mit "Hand On Heart" und "Thou Shall Burn" auch zwei noch unveröffentlichte Songs vom demnächst erscheinenden Album, ehe sie sich mit dem gleichnamigen "Reinforcer" verabschieden.

CHAOS PATH – Strukturiertes Chaos aus Kassel

Chaos Path

Nach einer kurzen Umbaupause, die jeweils mit einer kleinen Verlosung gefüllt wird, geht es mit CHAOS PATH aus Kassel weiter. 

Ein gutes Jahr ist seit meiner ersten Begegnung mit dem Kasseler Quintett vergangen und seitdem hat sich einiges getan: Das von der Band neu geschaffene Genre des Kaotysk Metals, bei dem das Thrash- und Death-Metal-Fundament munter durch mehr oder weniger hohe Türmchen aus Black Metal und Punk ergänzt wird, sorgt initial weiterhin für ein kurzes Stirnrunzeln, welches dann aber schnell in gefälliges bis enthusiastisches Kopfnicken übergeht.

Songs wie "Open The Gates" und "Unter Wölfen" kommen deutlich druckvoller daher, als noch vor einem Jahr – alles wirkt eingespielter und griffiger. Neben dem THE EXPLOITED-Cover "Chaos Is My Life" gibt es auch bei CHAOS PATH mit "The Rise Of Chaos" einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Album. Dieser kommt nochmal deutlich thrashiger und tempolastiger daher, als die Songs der "The Awakening"-EP und weckt die Vorfreude auf das restliche neue Material.

Sänger Ancient Weapon (ja, lustige Namen haben sie auch) keift noch garstiger, als vor einem Jahr und die Gitarren von Viides Ratsastaja und God of Carnage schrammeln und grooven gleichermaßen. Der rote Faden, der mir im vergangenen Jahr noch ein wenig gefehlt hat, ist endlich da. Er hat diverse Knoten und Schlaufen, sodass das Entwirren weiterhin eine abendfüllende Aufgabe darstellt, aber es ist ein musikalisch sehr unterhaltsamer Abend. Man darf gespannt sein, was die Band bei ihrem neuen Album noch alles aus dem Hut zaubert.

SAMSARA CIRCLE – "Es scheint Euch ja wirklich zu gefallen ..."

Die nächste Band – SAMSARA CIRCLE aus Düsseldorf – war bereits bei der ersten Auflage von IN SANITY AND FRIENDS mit von der Partie und verfolgt einen deutlich moderneren Ansatz. Gemischt werden traditionelle Metal-Elemente mit Nu-Metal-Einflüssen und der Mix kommt hinreichend gut beim Publikum an. Zu Songs wie "Skeleton Kiss" und "Pale Waters" wird gehüpft und es bilden sich die ersten Circle Pits des Abends , ehe die Band mit der Halbballade "Habits" für eine kleine Verschnaufpause im Set sorgt.

Abgesehen von leichten Knarzgeräuschen zwischendurch ist auch der Sound gut und so ist es nicht verwunderlich, dass SAMSARA CIRCLE beim finalen "The Driver's Song" mit einem letzten Moshpit und direkt danach lautstarken Rufen nach einer Zugabe belohnt werden.

SOULBOUND – Industrieller Weckruf zur Halbzeit

Soulbound

Die zweite Hälfte des Konzertabends wird von SOULBOUND aus Bielefeld eingeläutet. Als Nu-Industrial-Band angekündigt, machen SOULBOUND vor allem eins: Alarm! Die Jungs um Sänger Johannes "Johnny" Stecker haben viele Fans mitgebracht, die bei einzelnen Passagen auch gern mal selbst ans Mikro dürfen, und spielen ein temporeiches Set, bei dem sich Industrial Metal mit melodischen Passagen, Klargesang und groovenden Hi-Hat-lastigen Drums mischt.

In der Mitte des Sets gönnen auch SOULBOUND ihrem Publikum mit "The Beast" eine kurze Atempause, in der die Feuerzeuge und Handys geschwenkt werden, ehe es danach mit treibenden Rhythmen bei Songs wie "TicToc" und "MarchMarch" weitergeht. Dass der finale Song ausgerechnet den Titel "Wake Up Call" trägt, kommt eher einem musikalischen Paradoxon gleich. Wer bei SOULBOUND schläft, dem ist nicht mehr zu helfen.

Welcome to the show: IN SANITY

In Sanity

Während ein Großteil der Konzertbesucher auf der Suche nach dringend benötigter Frischluft und Flüssigkeitsnachschub den Hauptraum der Kulturwerkstatt verlässt, wird die Bühne hinter schwarzen Vorhängen verhüllt – es ist Zeit für den Gastgeber des Abends: IN SANITY. Bereits im Vorfeld wurde eine neue und spektakuläre Bühnenshow angekündigt und was soll man sagen? IN SANITY haben nicht zu viel versprochen.

Ein beeindruckendes Bühnenbild inklusive altem Grammophon auf der Bühne, die Musiker dazu stilecht in Steampunk-inspirierte Outfits gehüllt – auch visuell bekommt man hier als Konzertbesucher einiges geboten. Passend zur neuen Bühnenshow spielen IN SANITY bis auf wenige Ausnahmen nur Songs ihres neuen, noch unveröffentlichten Albums, sodass das Konzert quasi zu einer exklusiven Pre-Listening-Session wird.

Sänger Erik Sollmann springt wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, bangt mit einer Intensität, dass einem bereits vom Zusehen die Nackenmuskeln wehtun und wechselt seine Outfits passend zu den verschiedenen Songs. Egal ob mit Zylinder bei "On Lucid Nightmares" oder Flagge schwenkend bei "New World Order", Sollmann weiß, wie er das Publikum in seinen Bann zieht. Auch seine Bandkollegen sind nicht minder motiviert – schade, dass es sich bei dieser Show um den letzten Auftritt von Drummer Sophia handelt. 

Auch musikalisch machen IN SANITY Lust auf das neue Album: Zweistimmige Riffs, mitreißende Melodiebögen und harte Drums, so geht Melodic Death Metal im Jahr 2019.

Auf Wiedersehen mit WORDS OF FAREWELL

Für einen würdigen Abschluss des Konzertabends sorgen danach WORDS OF FAREWELL mit einem ordentlichen Nachschlag in Sachen Melodeath. Wer bis hierhin noch nicht müde ist, darf sich also noch einmal im Moshpit vor – und zwischenzeitlich auch auf – der Bühne austoben.

Zusammenfassend lässt sich nur sagen: Was IN SANITY mit ihrem Heavy-Metal-Freundschaftstreffen hier auf die Beine gestellt haben, ist ganz großes Kino. Ein perfekter Mix aus professioneller Produktion und Underground Flair, der hoffentlich auch im nächsten Jahr wieder in der "Kulte" in Paderborn Halt macht.