Obscura Religio – Rache Sitzt Tief

Obscura Religio Rache sitzt tief

Stil (Spielzeit): Melodic Black Metal (47:43)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenregie (Dezember 2011)
Bewertung: 7/10

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Ich soll also richten – nun, dann soll es wohl so sein, denn so steht es geschrieben (im Anschreiben).
Vor neun Jahren schlossen sich in Coburg ein paar Jungs zusammen und bald entstand die erste Demo namens „Still fließt Blut ins Märchenland" (diesen makaber-lustigen Titel wollte ich euch nicht vorenthalten). Man bemerkt gewissen Humor, auch wenn die Burschen durchaus kritische Texte verfassen und auch das üblich „böse" in den Lyrics vorkommt. Nach diversen Besetzungswechseln wurde nun nach einer weiteren Single das erste Album aus der Taufe gehoben.

Gar lieblich schallt es zu Beginn, das Orchester lässt die Bläser auftrumpfen und das eher düstere Ende des Intros lässt sich mit dem Titel „Triebtat" vereinbaren. Auch bei vielfachen Umdrehungen der Scheibe kann ich mich schon im ersten Song nicht der Assoziationen der alten EQUILIBRIUM-Stücke erwehren. Doch vielfache Umdrehungen weisen auch auf den unterhaltsamen Charakter der Platte hin, den manche schmissige Melodien auf „Rache Sitzt Tief" haben.
Wenn im „Blutantrag" die Blastbeats die Orgel begleiten, schlägt das schwarze Herz höher, vielleicht leicht irritiert durch die vielen Harmonien, die sich dazugesellen. Nach harten Teufelansagen wird es in „Heilige Sünde" unbequem. Sanfte Klavierklänge leiten das Stück über priesterliche Vergehen ein, während melodische Chöre die Stimmung ins Klerikale führen. Auch wenn nicht immer alle stimmlichen Variationen gleich kraftvoll überzeugen, wechseln am Mikro die Laute gelungen zwischen Growls, rockigem Klargesang und kleinen Chören.
Erstaunlich finde ich, dass zum wiederholten Mal nicht auffällt, dass der vierte Track deutlich Überlänge hat und an der Zehn-Minuten-Marke kratzt. Das spricht für einen guten Spannungsbogen, der über das gesamte Album stellenweise kleine Einknicke hat, trotz abwechslungsreicher Lieder.

Sehr tänzerisch wird es in „Scherbenwelt", das mit flotten, rockigen Riffs aufwartet und einen das Met-Horn erheben lässt. Es gibt einen tollen Chorus zum Mitgrölen, der sozialkritisch verstanden werden kann, dass wir alle teuflisch auf einer Scherbenwelt tanzen, ohne dass wir uns um die Konsequenzen scheren. Vielleicht ist das auch Interpretationssache.
Als Abschluss wird noch ein SABATON-Cover (original: „Primo Victoria") präsentiert, das mit „Viva Franconia" zumindest inhaltlich auch von den Franken-Kollegen von J.B.O. kommen könnte und die Platte gut abrundet.

Die öfter aufblitzenden Momente schwarzer Raserei stehen OBSCURA RELIGIO gut, da gewisse Gemeinsamkeiten mit EQUILIBRIUM oder anderen deutschen Truppen wie BLACK MESSIAH durchaus bestehen. Ein bisschen mehr wagen darf der fränkische Sechser ruhig noch, aber für ein Debüt ist „Rache Sitzt Tief" ein flottes, unterhaltsames Album geworden.

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