Saxorior - Völkerschlacht



Stil (Spielzeit): Black Metal (46:23)
Label/Vertrieb (VÖ): Battlegod Productions / Twilight-Vertrieb (11.01.09)
Bewertung: Solides Kriegstagebuch - 6/10

Link: www.saxorior.de

Crashkurs Geschichte, die Erste: Vom 16. bis zum 19. Oktober des Jahres 1813 standen in der bis zu diesem Zeitpunkt der Weltgeschichte größten Feldschlacht der Weltgeschichte die vereinigten Heere Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens der Armee Napoleon Bonapartes gegenüber - insgesamt 520.000 Soldaten, von denen jeder Fünfte das Schlachtfeld nicht lebend verlassen sollte. Die Schlacht ging als „Volkerschlacht bei Leipzig" in die Geschichtsbücher ein und endete mit der Niederlage des französischen Heeres und der Zurückschlagung Napoleons.

Crashkurs Geschichte, die Zweite: 1994 werden SAXORIOR gegründet, die sich thematisch in den folgenden fünfzehn Jahren Bandgeschichte auch immer mal wieder mit der Historie ihrer sächsischen Heimat beschäftigen. Und damit war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann sie sich in ihren Songs diesem wichtigen Ereignis annehmen würden. Mit „Völkerschlacht", dem sechsten Opus der Pirnaer Combo, ist es nun soweit.

Nach einem kurzen atmospärischen Intro donnert mit dem Titelsong die erste der zehn Geschichtslektionen aus den Boxen. "Völkerschlacht" ist nicht nur gleich mal eine Ansage, in welche Richtung die Nadel musikalisch für die nächsten knapp 45 Minuten ausschlagen wird, sondern zugleich der einzige Song, auf dem die Jungs aus Sachsen komplett ihrer Muttersprache den Vorzug gegeben haben. Schade eigentlich, denn gerade das gibt der dem Song nochmal einen ganz besonderen Reiz und davon hätte ich gerne mehr gehört.
Aber wie heisst es so prosaisch: "Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gekriegt". Und die folgenden Songs machen auch ohne den Vorteil der deutschen Sprache noch eine gute Figur. Denn musikalisch kann sich das Ganze wirklich mehr als sehen lassen.

Stilistisch bewegt man sich irgendwo in der Schnittmenge von Black und Pagan Metal, wobei sich die Waage mal mehr in die eine, mal in die andere Richtung neigt. Tendentiell regiert aber eher das volle Brett, während der folkige Anteil eher im Verborgenen wirkt und das Keyboard seine Melodien dezent untermischt, ohne dabei zu dominant zu werden.
Und bei aller Brachialgewalt finden sich immer feine Melodien und Riffings, welche die Songs deutlich angenehmer ins Ohr gehen lassen, als viele Outputs rein schwarzmetallischer Kollegen. "Völkerschlacht" ist eben beileibe nicht nur sinnloses Gedresche, sondern nimmt sich fein austariert von allem soviel, wie die Songs vertragen, ohne zu purem Krach zu mutieren. Und damit treffen sie zumindest mal meinen Geschmack recht gut.

Fazit: SAXORIOR haben mit ihrem sechsten Album eine wirklich gut gemachte Platte zusammengezimmert, die die Sachsen hoffentlich bei dem einen oder anderen Neu-Hörer ins CD-Regal rutschen lässt. Wer auf musikalische Schlachtengemälde und bodenständigen Black Metal steht, sollte ruhig mehr als nur ein Ohr riskieren.

Käufer des Digipacks dürfen sich als Zugabe noch über eine KISS-Coverversion freuen: "Creatures of the Night" bildet auf dieser Variante den Abschluß des Albums.

Anspieltipps: Völkerschlacht,  Johann Siegmund Of Liebenau, The Last Battle Of A Great Warrior

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