Berlin, 3. März 2026 – Ascension of Europe Tour 2026, Part II: Zwei Vorbands, ein langer Abend. Den Anfang machten die Italiener SHORES OF NULL – solider Death-Doom-Metal, der das Publikum zumindest aufwärmte, ohne jedoch wirklich zu zünden.
Eine andere Qualität brachten dann die dänischen Doom-Veteranen SATURNUS auf die Bühne. Thomas A.G. Jensen (Gesang), Indee Rehal-Sagoo (Lead-Gitarre), Julio Fernandez (Rhythmus-Gitarre), Brian Hansen (Bass), Henrik Glass (Schlagzeug) und Mika Filborne (Piano und Keyboards) lieferten einen druckvollen, atmosphärisch dichten Auftritt ab, der deutlich unter die Haut ging – ein klares Highlight des Abends, das die Messlatte für den Headliner spürbar höher legte. SATURNUS bewiesen einmal mehr, warum sie zu den prägenden Bands ihres Genres zählen.
PARADISE LOST: Eine Band wie ein Monolith
38 Jahre nach ihrer Gründung im nordenglischen Halifax sind PARADISE LOST immer noch unterwegs – und das mit einer Beständigkeit, die in der Metalwelt ihresgleichen sucht. Nick Holmes (Gesang), Gregor Mackintosh (Lead-Gitarre), Aaron Aedy (Rhythmus-Gitarre) und Steve Edmondson (Bass) spielen seit Bandgründung zusammen; lediglich hinter dem Schlagzeug hat sich zuletzt wieder etwas getan: Jeff Singer, der die Band bereits von 2004 bis 2008 begleitet hatte, ist seit Sommer 2025 zurück im Dienst und bewies an diesem Abend, dass er das Handwerk der Band noch in- und auswendig kennt.
Als PARADISE LOST gegen 21:30 Uhr die Bühne betraten, war der Rahmen gesetzt: gedimmtes Licht, minimales Bühnenbild, keine Spielereien. Die Band ließ ausschließlich die Musik sprechen – und die hat nach fast vier Jahrzehnten noch immer einiges zu sagen. Rund 80 Minuten arbeiteten sich Holmes & Co. durch einen Kanon, der von den düsteren Doom-Wurzeln der frühen Neunziger bis zum jüngsten und großartigen Studiowerk „Ascension" (2025) reichte. Klassiker aus der „Gothic"- und „Draconian Times"-Ära wechselten sich mit neueren Nummern ab – ein Querschnitt, der Treue zu ihrer Geschichte und Bekenntnis zur Gegenwart gleichermaßen demonstrierte.
Das gut gefüllte Huxleys – die Halle wirkte zu etwa drei Viertel besetzt – war keine ausverkaufte Heimkehr, aber eine, die eine eigene Würde hatte. Nick Holmes war in knapper, aber herzlicher Manier die einzige Verbindung zwischen Band und Publikum. Sein einziger echter Moment der Kommunikation war eine kurze, aber bemerkenswerte Anekdote: 1991 seien PARADISE LOST zum ersten Mal im Huxleys aufgetreten – auf derselben Bühne, auf der damals ihre zweite Platte „Gothic" frisch in den Regalen lag. Ein schöner Bogen über 35 Jahre Berliner Konzertgeschichte.
Der Sound war über weite Strecken des Abends ausgezeichnet: klar, druckvoll, mit einer Tiefe, die dem Material gerecht wurde. Mackintoshs Gitarrenarbeit und sein einzigartiger Sound mit hohem Wiedererkennungswert kamen ebenso zur Geltung wie Edmondsons bassgewaltiger Unterbau. Handwerklich gab es wenig zu mäkeln.
Die Lücke zwischen Können und Fühlen
Und dennoch: Der Funke, der eine gute Show zu einem unvergesslichen Erlebnis macht, wollte an diesem Abend nicht so recht überspringen. PARADISE LOST zelebrierten ihre Musik mit stoischer Professionalität – aber eben auch mit nahezu null Bühnenshow und kaum spürbarer Interaktion. Keine Bewegung, kein Feuer, kein Augenkontakt mit dem Publikum. Was bei einer Band dieses Kalibers als bewusste Haltung gelten kann, wirkte an diesem Abend schlicht wie Gleichgültigkeit.
Nach gut 60 Minuten verließen die fünf Musiker die Bühne – und ließen sich Zeit. Das Publikum zog nach, wenn auch zögerlich: Die Zugabe-Rufe kamen langsam in Gang und waren nie lautstark genug, um wirklich Druck zu erzeugen. Als die Band schließlich zurückkehrte, spielte sie noch einige Minuten – und beschloss damit einen Abend, der musikalisch tadellos, atmosphärisch aber erstaunlich kühl geblieben war.
PARADISE LOST sind keine Band, die ihre Größe beweisen muss. Aber manchmal wäre ein kleines Zeichen, dass sie noch wissen, warum sie das alles tun, mehr wert als jede perfekte Produktion.
