Am 5. März machten die Hannoveraner im fast ausverkauften Badehaus Berlin Station. Was eigentlich auf die größeren Bühnen der Stadt gehört, verwandelte sich so in ein intimes, hochenergetisches „Familientreffen".
Präzision trifft auf Limitierung
Dass die drei Musiker ihr Handwerk auf einem fast schon unverschämten Niveau beherrschen, steht außer Frage. Die spielerische Präzision, mit der das Trio seine vertrackten Kompositionen live umsetzte, war schlichtweg beeindruckend. Dennoch warf der Abend eine interessante Frage auf:
Wie viel Komplexität verträgt ein Trio?
Während das neue Album mit einer brachialen Soundwand glänzt, wirkte die Gitarre live stellenweise etwas dünn. Man kam nicht umhin, sich zu fragen, ob THE HIRSCH EFFEKT – ähnlich wie etwa PLACEBO – mit einem vierten Mann an der zweiten Gitarre oder dem Keyboard nicht noch mehr von der monumentalen Studio-Wucht auf die Bühne retten könnten. Ein Live-Konzert muss keine 1:1-Kopie der Platte sein, aber das klangliche Fundament blieb hinter der gewaltigen Präsenz der Aufnahmen zurück.
Ein Publikum als vierter Musiker
Was an Sound-Dichte fehlte, machte das Berliner Publikum wett. Die Fans erwiesen sich als absolut textsicher und lieferten sich mit Sänger Nils sogar einen beeindruckenden A-Cappella-Singalong. Es herrschte eine Spielfreude und Energie, die sich sofort von der Bühne auf den Raum übertrug.
Das emotionale Finale
Nach rund 100 Minuten regulärer Spielzeit legte die Band noch einmal nach. Die 20-minütige Zugabe markierte den emotionalen Höhepunkt: Als bei „Agora" nur noch Akustikgitarre und Cello den Raum füllten, wurde es mucksmäuschenstill im Badehaus. Ein Gänsehaut-Moment, der bei nicht wenigen Fans für feuchte Augen sorgte und bewies, dass die Band auch ohne technische Härte tief berühren kann.
Fazit: Ein Abend voller Kontraste. THE HIRSCH EFFEKT hätten eine größere Bühne verdient, doch die Intimität des Badehauses machte dieses Konzert zu einem besonderen Erlebnis. Schwere Kost bleibt es zwar weiterhin, aber selten hat sie so gut geschmeckt.
