Polarkreis 18 - s/t



Review

Stil (Spielzeit): Indietronic (43:16)

Label/Vertrieb (VÖ): Motor / Edel (16.02.07)

Bewertung: 8,5/10

Link: http://www.polarkreis18.de
http://www.myspace.com/polarkreis18
Ich muss gestehen, mein erster Gedanke zu dieser Band war: „Nicht schon wieder eine untalentierte Laptop-Elektronik Band, die versucht super hippe Musik zu machen. Musik, die in jeder szenigen Kneipe in achso trendy Großstädten gespielt wird und im Vorprogramm von 2RAUMWOHNUNG fungieren könnte." Entwarnung sei aber sofort gegeben, denn POLARKREIS 18 sind zwar elektronisch, machen super hippe Musik, ohne Frage, aber verfügen über Talent, von dem sich die zum Beispiel oben genannte Band noch einiges abgucken könnte.

Dieses äußert sich bei den fünf Dresdnern in weiten eindrucksvollen Soundlandschaften, in denen sphärische Synth-Sounds auf Gitarre, Bass und Schlagzeug prallen. Wuchtige aufgeladene Bombastmomente flankieren ruhige geheimnisvolle Klangteppiche, deren Dynamik stets von Sänger Felix Räubers Falsettstimme getragen wird. Dies alles geschieht mit einer derartigen Präzision und Perfektion, dass es nicht verwundert, dass es von jedem der Songs bis zu 15 Versionen gab, bevor eine befriedigende Lösung gefunden wurde.

Der erste Song „Dreamdancer" erweist sich direkt als wahres Schmuckstück: ein opulentes Streicherarrangement paart sich mit treibenden Schlagzeugwirbeln und bringt Räubers Stimme wunderbar zur Geltung. Erinnerungen ans THE GO! TEAM steigen in mir hoch.
„Comes around" gefällt ebenfalls sehr gut und trumpft durch unterschiedliche, mehrstimmige Gesänge auf.

Jeder der Songs ist wandelbar und so sehr eigen, dass man keine allumschreibende Zusammenfassung geben kann. Manche sind sehr elektronisch („Look"), andere wiederum eher analog gehalten („Under This Big Moon"). Atmosphärischer geht es in „Chiropody" zu, „Crystal Lake" wird am Ende richtig dreckig noisig; „Stellaris" besitzt einen großartigen Geigeneinsatz.

Selten hat mich ein Debüt so überraschend überzeugt wie das von POLARKREIS 18. Bis auf „Somedays Sundays", der als einziger Song an die unsäglichen MIA erinnert, sind alle Songs so beeindruckend und vielschichtig umgesetzt, dass sie mir, je öfter ich die Platte höre, immer besser gefallen und sich jedes Mal was neues entdecken lässt. Hinzu kommt ein großartiger Sänger, der die Unvorhersehbarkeit der Songs mit Bravour in seiner Stimme umsetzt und eine Selbstständigkeit, die auf wenigen Erstlingen zu finden ist.
Leuten, denen die THOM YORKE, die späteren RADIOHEAD oder die SIGUR RÒS Platten gefallen, werden mit diesem Album sicherlich ihren Spaß haben.
Alles in allem: eine Klangerfahrung, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.