Geschrieben von Dienstag, 14 Oktober 2014 17:00

Zombiefication – Interview zum Album “Procession Through Infestation”

Noch nicht lange ist es her, da trafen sich in Mexico zwei Typen, die schon in einigen Metal Bands gespielt haben und bis heute spielen. Gemeinsam waren sie sehr fleißig und brachten in nur vier Jahren drei Alben zur Welt. Anlässlich des aktuellen Outputs „Procession Through Infestation" fragten wir nach dem Stand der Dinge. Mr. Jacko gab uns Auskunft über Voodoo, seine vielfältigen musikalischen Einflüsse und offenbarte, dass auch Fußball wichtig ist ...

Hallo Jungs. Wie geht es euch? Ich denke, als erstes dürft ihr euch mal vorstellen. Warum habt ihr vor ein paar Jahren ZOMBIEFICATION ins Leben gerufen?

Hey BurnYourEars, zuerst mal herzlichen Dank für eure Unterstützung! ZOMBIEFICATION wurde 2009 mit dem einzigen Ziel gegründet, dem Schwedischen Death Metal Tribut zu zollen, der unsere Jugend stark geprägt hat. DISMEMBER, GRAVE, NIRVANA 2002, EDGE OF SANITY und so weiter. Ich erinnere mich an den Prozess unseres ersten Songwritings. Alles, was irgendwie nach Thrash, Heavy Metal oder einer anderen Spielart klang, haben wir sofort verworfen – es war pure Death-Metal-Verehrung. Mit der Zeit hat sich die Band in verschiedener Hinsicht verändert, aber im Hinblick auf deine Frage kann ich nur sagen: yep, so haben wir angefangen.

Euer Line-Up ist ja recht übersichtlich. Habt ihr Pläne, eure Band zu vergrößern?

Die Band besteht nur aus zwei Personen: Mr. Hitch ist der Sänger, der auch für alle Konzepte, das Künstlerische, das Artwork und diese Sachen zuständig ist, und ich bin Mr. Jacko. Ich schreibe und komponiere die gesamte Musik. Es gibt definitiv keine Pläne, die Band zu vergrößern – es werden immer nur wir beide sein, egal was passiert. Falls sich das ändern sollte, dann ändert sich ZOMBIEFICATION wohl auch ziemlich.
Gleichzeitig haben wir aber auch Session-Musiker, die seit drei bis vier Jahren dabei sind und uns helfen, die Sache live zu stemmen. Somit könnte man sagen, dass wir eine vollständige Band sind, was auch immer da noch kommt, aber am Ende angeführt von zwei Köpfen.

Eine eurer Haupt-Inspirationsquellen ist der Sound des klassischen Schwedentods. Warum habt ihr genau das ausgewählt?

Wie schon gesagt, wir sind einfach riesige Death-Metal-Fans und im Prinzip starteten wir das Ding als Hommage an unsere Helden. Der Einfluss ist natürlich bis heute vorhanden, aber unsere Musik ist irgendwie auch komplett anders.

Wollt ihr in Zukunft mehr andere Einflüsse in eurer Musik zulassen?

Oh ja, unser Sound hat sich schon bei unserem zweiten Album „At The Caves Of Eternal" durch neue Ideen verändert. Wir begannen, Elemente des Black Metal, Thrash Metal und sogar des Punk mit einzubauen. Das einzig Wichtige dabei war, dass die Haltung stimmt. Auf unserem aktuellen Album „Procession Through Infestation" gingen wir wieder einen Schritt weiter. Dieses Mal dachten wir: Wenn es gut klingt, nehmen wir es dazu.
Der Kern ist immer noch Death Metal, aber man findet viele Stellen mit Black, Doom oder traditionellem Heavy Metal. Außerdem haben wir mit so vielen Sounds experimentiert, wie nie zuvor. Daher könnte man sagen, dass dies unser vielfältigstes Album ist. Aber keine Angst, es ist immer noch dreckig und „in your face", ohne alberne Gimmicks.

Ich habe gelesen, dass es bei euch ein Konzept gibt, das mit Voodoo zu tun hat. Kannst du mir das erklären?

Natürlich, sehr gerne. Dazu kann dir Mr. Hitch etwas erzählen.

Mr. Hitch:
Das Gesamtkonzept des neuen Albums hat mit „Ghede" zu tun, einer Familie von Geistern, die in der Voodoo-Religion die Macht über den Tod und die Fruchtbarkeit haben. Sie sind auch bekannt als Entitäten, die der Grund für den spirituellen, mentalen oder physischen Tod eines Dritten sind.
„Ghede" hat schon immer in jedem Bereich, jeder Zeit und Kultur existiert, aber unter anderem Namen. Diese Ghede-Geister und der Prozess der ZOMBIEFICATION sind nicht nur Teil der Voodoo-Praxis und des religiösen Glaubens. Hierbei geht es auch um Fetische, Schlangen-Kulte, heilige Rituale und Trance, um als Medium mit allen Arten von Göttern kommunizieren zu können – ob aus monotheistischer oder polytheistischer Perspektive.
Heute findet man die „Ghedes" in allen Exzessen des Lebens. Wir sind alle zum Scheitern verurteilt.

Wie entsteht ein Album von ZOMBIEFICATION? Ist das ein demokratischer Prozess?

Bei den Konzepten mische ich mich nicht ein – es geht stets um das, was Mr. Hitch erzählen möchte. Bei der Musik macht er dafür nicht mit. Natürlich diskutieren wir manche Dinge, aber wir haben gelernt, dass es für die Band besser ist, wenn sich jeder auf seine Sache konzentriert.
Zuerst kommt die Musik. Ich schicke Mr. Hitch ein paar Songs als MP3s. Er nimmt die Vibes der Musik auf und überlegt sich, wovon die Lyrics handeln sollen. Genauso funktioniert es mit dem künsterlischen Teil, dem Artwork, wenn die Musik fertig ist. Die Musik ist also immer der Ausgangspunkt.

Ihr habt bestimmt auch andere Interessen. Welche CDs habt ihr denn sonst noch im Player und was treibt ihr außerhalb des Death Metal-Bereichs?

Genau in diesem Moment höre ich mir von SAINT VITUS „Born Too Late" an. Ich bin ein großer Doom-Fan, und welcher Doom-Fan hört nicht auch SAINT VITUS!? Neben der Death-Metal-Band habe ich noch eine Ein-Mann-Band namens MAJESTIC DOWNFALL. Diese Mucke ist Doom-Death der Neunziger, beeinflusst von MY DYING BRIDE, alten ANATHEMA, alten PARADISE LOST, CELESTIAL SEASON und manchen Black Metal-Untertönen, wie sie bei alten KATATONIA vorkommen oder bei FORGOTTEN TOMB. Außerdem bin ich großer Fußball-Fan! Seit ich sieben Jahre alt bin, spiele ich Fußball, und mit 38 spiele immer noch zwei bis drei Mal pro Woche.
Und zum Schluss kommt das Wichtigste, denn ich habe eine Frau und drei Töchter. Ich bin allerdings ganz schön viel beschäftigt. Deshalb muss ich zusehen, dass ich für sie auch Zeit habe, aber bisher konnte ich das immer gut managen.

Wenn ich in Mexiko Urlaub machen will, was muss ich mir da unbedingt anschauen?

Als erstes geht es nicht um etwas, was man ansehen muss, sondern schmecken. Mexikanisches Essen ist eines der besten der Welt! Bevor du dir also irgendwas anschaust, musst du ein paar echte mexikanische Tacos essen!
Für Sightseeing musst du definitiv nach Mexico City mit seinen 24 Millionen Leuten, dann zu den anderen Städten im Zentrum Mexicos – wie Querétaro, Guanajuato, San Miguel de Allende und anderen.
Anschließend geht es in den Süden nach Chiapas, Tabasco, Oaxaca und dann nach Mérida und Cancún (das mögen die Europäer, deshalb sag ich's). Und zur Erinnerung, wenn du diese ganzen Städte besuchst, das Wichtigste ist nur eins: das Essen.

Ihr habt gerade einige Konzerte in Deutschland gespielt. Welche tollen Szenen sind dir in Erinnerung geblieben?

Ja, wir sind gerade vor zwei Wochen von der Tour zurückgekommen und es lief alles extrem gut! Wir haben 16 Shows in neun Ländern gespielt, Italien, Tschechien, Polen, Holland, Beldien, Dänemark, Schweden und Norwegen. In Deutschland traten wir in Berlin, Kiel, Hamburg und Wermelskirchen auf. In letzterem Ort war das NRW-Deathfest, das auf jeden Fall eines unserer Tour-Highlights war.
Um ehrlich zu sein, fanden wir alle Orte schön! Alles war neu für uns und auch wenn die Leute zum Teil unterschiedlich reagiert haben, haben sie immer die Band unterstützt. Es war echt der Hammer!

Welcher wäre denn der coolste Ort der Welt, an dem ihr mal auf der Bühne stehen wollt?

Da muss ich sagen, dass das Maryland Deathfest heute und das Party San ohne Zweifel dazugehören. Ebenso das Kill-Town (Deathfest in Kopenhagen, Anm. d. Red.), obwohl wir da eigentlich bei dieser Tour schon waren, aber das war eben auch eines der größten Highlights!

Was sind eure Pläne für die kommenden Monate?

Im Moment wollen wir uns eine Auszeit für ein paar Monate von der Band nehmen. Dann starten wir wieder durch und werden vermutlich in Richtung neue Kompositionen gehen.

Alles klar. Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Nein, vielen Dank euch, dass ihr den echten Untergrund supportet. Alles Gute und ich hoffe, du schaffst es mal hierher nach Mexico. Du wirst es mögen, besonders das Essen, haha!