Geschrieben von Dienstag, 23 Juni 2026 18:00

Firlefanz mit Substanz – auf Pinguinsafari mit PENGS QUEST

Timo Fritsch (l.) und Peter Brandsch (r.) fühlen sich im Powermetal zu Hause – neben der positiv-motivierenden Musik geht es auch um die für absurden Quatsch offene Gemeinschaft. Timo Fritsch (l.) und Peter Brandsch (r.) fühlen sich im Powermetal zu Hause – neben der positiv-motivierenden Musik geht es auch um die für absurden Quatsch offene Gemeinschaft. Foto: privat

Drachen, Wikinger, Piraten? Alles schon gesehen. Jetzt erhebt sich ein neues Level thematischen Powermetals aus dem Underground – die wahrscheinlich erste Pinguin-Metalband der Welt.

Alles Firlefanz? Mag sein – aber hinter dem lustigen Aufhänger steckt nicht nur ein ausgeklügeltes Gesamtkonzept, sondern vor allem Arbeit, Zeit, Leidenschaft und das Wissen um eine entsprechend firlefanzaffine Nischencommunity. Mit PENGS QUEST haben sich Timo Fritsch (v.) und Peter Brandsch (g., dr., k.) im Kleinen etwas ganz Großes vorgenommen. Zeit für ein paar Fragen zum Projekt – und zum aktuellen Buzzword „Gimmickband“.

Hey ihr beiden! Wie kam es eigentlich zu eurer Zusammenarbeit – und zum Thema Pinguine?

Peter: Wir haben schon seit Schulzeiten zusammen Musik gemacht. Zum ersten Mal in der siebten Klasse bei einem vorgegebenen Präventionsprojekt gegen das Rauchen – „Be smart, don’t start“, hihi.

Timo: Genau, dieses Projekt war auch der Beginn unserer Freundschaft – die Musik hat uns ziemlich früh verbunden. Dazu muss man sagen, dass Peter damals Schlagzeug gespielt hat und ich Gitarre. Ein paar Jahre später hatten wir in anderer Besetzung eine kleine Folkmetal-Band, auch wieder nur mit einen Song. Aber es gab immerhin bei beiden Bands je einen Auftritt. Und bei der zweiten sogar einen MySpace-Account!

Peter: Dann hatten wir eine längere Pause und irgendwann während meiner Studienzeit [Lehramt, Fach Musik – Anm. d. Red.] habe ich mal aus Spaß einen Instrumentalsong gemacht, der einfach „Pinguin“ hieß. Der war so ein bisschen disco-folkig und man konnte sich vorstellen, dass sich ein Pinguin witzig dazu bewegt, aber einen tieferen Sinn gab es nicht dahinter – außer, dass Pinguine meine Lieblingstiere sind.

Timo: Der final auslösende Moment war dann, dass wir gemeinsam auf einem Konzert von WIND ROSE, GLORYHAMMER und ALESTORM waren. Gerade GLORYHAMMER, die wir vorher gar nicht so interessant fanden, haben uns da plötzlich total umgehauen. Generell war es ein grandios spaßiger Abend mit diesen Bands. Und daraufhin haben wir in unserem jugendlichen Leichtsinn gesagt, „lass uns sowas auch machen“. Wir haben dann ziemlich schnell durchgestartet, die ersten Songs geschrieben und das Thema entwickelt.

Dieses Projekt ist ein Selbstoptimierungsakt für Sachen, die man schon immer mal machen wollte.

Timo, was ist aus deiner Gitarrenkarriere geworden?

Timo: Ich war ehrlich gesagt nie wirklich gut an der Gitarre und auch nicht sonderlich ambitioniert, ein richtiger Guitar Hero zu werden. Metal zu spielen war für mich also immer schwierig. Aber Musik im Allgemeinen ist eine totale Leidenschaft. Mit dreißig kam ich dann irgendwie auf die Idee, dass ich singen lernen wollte. Hatte ich schon immer gern gemacht, aber es war auch immer viel Überwindung gewesen. Vor ein paar Jahren haben wir mal einen Sinatra-Song gecovert – da musste ich mir wirklich Mut antrinken, dass ich überhaupt singe. Nach den ersten Demoaufnahmen mit PENGS QUEST habe ich gemerkt, dass ich deutlich besser werden muss, denn so wird es nichts. Da habe ich mir einen Gesangslehrer gesucht und dann ging es ab.

Peter: Dieses Projekt ist auch generell ein Selbstverbesserungsakt für uns beide. Um uns zu optimieren und Sachen auszuprobieren, die man schon immer machen wollte. Das hat bis jetzt auch schon echt viel gebracht, finde ich – auch für mein Gitarrenspiel und für die Produktion. Man muss sich einfach bestimmte Skills draufschaffen, um bestimmte Dinge zu erreichen.

Wir sind einfach ein gutes Team. Ich wüsste nicht, welchen Benefit eine weitere Person bringen würde.

Peter, Stand jetzt ist es ja so, dass du quasi das ganze Instrumentarium machst. Habt ihr schon mal drüber nachgedacht, weitere Leute reinzuholen, auch im Hinblick auf eventuell künftige Live-Auftritte?

Peter: Wir haben schon öfter mal drüber gesprochen. Derzeit sind wir beide einfach ein gutes Team. Wir sehen und fühlen die Musik sehr ähnlich und das passt sehr gut so. Ich wüsste nicht, welchen Benefit da eine weitere Person bringen würde. Und je mehr Leute drin sind, desto weniger hat man die Chance auf Selbstverbesserung in allen Bereichen.
Für Liveauftritte haben uns schon ein oder zwei Leute angeboten, mal mitzumachen. Fände ich total cool, aber man braucht auch die richtigen Menschen, die genauso drauf sind wie wir, damit das ein schönes Package wird. Eventuell bin ich da auch ein bisschen picky.

Das geht wirklich sehr tief und macht total viel Sinn.

Die Welt ist natürlich gespannt auf die Pinguin-Lore. Was könnt ihr darüber schon offiziell verraten?

Timo: Wir arbeiten an einem Konzeptalbum und haben auch schon fürs zweite Album eine Storyline. Die Prämisse ist, dass Pinguine erst am Nordpol gelebt hatten, dann aber zum Südpol gewandert sind. Unsere Geschichte geht im Kern der Frage nach, wie es dazu kam. Dafür begleiten wir eine Pinguingruppe auf eine große Heldenreise. Im Zuge dessen haben wir auch angefangen, uns ein bisschen über die Pinguinkultur Gedanken zu machen.

Peter: Unsere Pinguine sind organisiert als kleine Völkchen und Stämme und da gibt es eine klare Hierarchie – vom Chef bis runter zu verschiedensten Diensten wie Builder, Koch oder Heiler.

Timo: Aber die Pinguinkultur verändert sich auch. Im Laufe unserer Geschichte wird sie von einer sehr hierarchischen, autoritären zu einer deutlich … „demokratisch“ wäre übertrieben, aber flacheren Hierarchie. Wichtig ist auch die große Backstory. Alles hat angefangen mit Stammvater Peng Aki, dessen zweitgeborener Sohn Peng Gwynn der Held unserer Geschichte ist. Das geht wirklich sehr tief und macht total viel Sinn.

Es ist nicht alles happy-clappy-penguin-party.

Und wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Peter: Die Prämisse ist „Viel von allem. Mehr ist besser“. Wenn wir aufnehmen, sieht man, dass es gefühlte 5000 Spuren gibt, und alles davon ist wichtig für den Song. Natürlich bewegen wir uns im Powermetal-Bereich. Es ist bombastisch, orchestral, aber trotzdem sehr punchy. Rasant, würde ich sagen. Ein Mix aus traditionellem und modernem Sound, teilweise auch etwas folkig. Und was mir persönlich ein großes Anliegen ist: Es ist eingängig, es bleibt hängen. Es sind schöne Melodien, denen man gut folgen kann.

Timo: Wir machen uns viele Gedanken darum, dass wir eine bestimmte Erwartungshaltung aufbauen, aber auch wieder brechen. Bislang haben wir zwei klassische Powermetal-Hymnen released, aber es sind auch schon ganz viele Lieder in Arbeit, die da nicht ganz so reinpassen. Beim nächsten Song wird man einen klaren ENSIFERUM-Einschlag hören und es gibt auch einen dunklen Teil der Geschichte. Also es ist nicht alles happy-clappy-penguin-party.

Wird es auch zu düsterem Gesang oder Growls kommen?

Timo: Das ist ein großes Thema. Das ganze Projekt ist ja eine riesige Spielwiese für uns, um unsere Einflüsse, um das, was wir geil finden, auszudrücken. Das ist schon sehr viel Powermetal, aber eben nicht nur. Wir versuchen schon, Dinge zu machen, die nicht so typisch sind. Also auch tiefer singen und irgendwann gerne auch harsh vocals.

Im April ist eure zweite Single „Run Mammoth Run“ erschienen. Dazu habt ihr auch ein Video veröffentlicht, das in Insiderkreisen schon Kultstatus genießt. Wie kam es zu dem Dreh?

Timo: Das ist ein totaler Spaß-Song. Die Pinguingruppe macht sich gerade auf die Reise und ist sehr enthusiastisch. Dabei wird sie vom befreundeten Mammut Martin unterstützt, das sich als Reittier zur Verfügung stellt. Wir haben uns für das Cover eine Künstlerin gesucht, die das für uns sehr schön umgesetzt hat. Aber ein ganzes Video als Animationsfilm wäre viel zu viel Aufwand und zu teuer gewesen, das hätten wir selbst nicht machen können. Wir wollten auch nicht in Pinguinkostüme schlüpfen. Wie setzt man sowas also visuell um? Irgendwann hatten wir die Idee, uns als Höhlenforscher darzustellen, die durch Höhlenmalerei auf diese Geschichte stoßen – und dann eskaliert alles ein bisschen. Erst hatten wir überlegt, ob wir zu Hause im Keller eine Höhlenkulisse basteln können. Aber dann ist uns eine echte Tropfsteinhöhle in der Nähe eingefallen, die wir noch aus Schulausflugszeiten kannten. Tatsächlich konnte man die einfach mieten. Wenige Wochen später haben wir mit einem Freund an einem besuchsfreien Nachmittag in der Höhle gefilmt. Wie man sieht, haben wir die bezahlten Stunden voll ausgenutzt und uns da richtig zum Affen gemacht. Mega, dass das so möglich war.

Wir wussten von Anfang an, dass es Leute gibt, die genau sowas feiern.

Wie sind denn die Reaktionen auf den Song und auf das Video ausgefallen?

Peter: Die waren eigentlich durchweg positiv. Viele Leute fanden’s super witzig. Als Grundschullehrer zeige ich alle Erzeugnisse immer vorab meiner Klasse und lass die mal hören, was die so sagen. Ich glaube, das sind unsere treuesten Fans. Die haben das abgefeiert. Aber Kinder sind ja schnell begeistert…

Timo: Unsere Herausforderung ist natürlich, die richtige Zielgruppe zu erreichen. Wir wussten von Anfang an, dass es Menschen gibt, die genau diese Art von Musik feiern und das Konzept verstehen, aber es ist halt eine totale Nische. In unserem Umfeld können viele überhaupt nichts damit anfangen. Aber genau deshalb wollten wir den Song unbedingt rechtzeitig zum Epic Fest fertigkriegen. Denn da kommen genau die richtigen Leute zusammen. Ich hatte eine Kutte mit riesigem Backpatch von besagtem Artwork an, darauf wurde ich dann tatsächlich mehrfach  angesprochen und konnte Werbung machen.
Richtig geil war eine Gruppe an Spaniern, die mich bei der Warmup-Party angesprochen und uns in den nächsten Tagen den Song bei jeder Begegnung entgegengegrölt hat. Am letzten Abend lief der Song sogar auf der Aftershow-Party und die Spanier sind da total drauf abgegangen. Das war der Moment, als wir uns gesagt haben „Genau das wollten wir!“. Es war richtig cool, zu sehen, dass wir ihnen das Festival noch fröhlicher gestaltet haben.

Peter: Nach meiner Grundschulklasse sind diese Spanier jetzt wohl unsere zweitgrößte Fanbase.

Timo: Erste Tour dann in Spanien!

Peter: Toll war auch, dass wir einem Admin der „Metal Archives“ vorgestellt wurden. Der hat uns direkt einen Eintrag angelegt und auch akribisch drauf geachtet, dass alle Daten genau stimmen und vollständig sind. Ist schon eine kleine Ehre für uns, jetzt da drin zu stehen.

Timo: Vor allem, weil die Person das erst gegenhören und prüfen wollte, und am nächsten Tag hat sie uns gesagt, dass wir Powermetal sind. Das war wirklich ein Ritterschlag!

Ein Gimmick ist keine künstlerische Abkürzung.

Kommen wir zum Elefanten bzw. Mammut im Raum. Ich attestiere euch mal, eine Gimmick-Metal-Band zu sein. Das bringt sicher Vorteile und Nachteile mit sich. Was sind da bislang eure Erfahrungen?

Timo: Ich tue mich mit dem Begriff schwer, weil da oft die Kritik mitschwingt, „die geben sich ja gar keine Mühe“. Als wäre dann alles oberflächlich oder eine künstlerische Abkürzung. So sehe ich das nicht. Außerdem richtet sich Gimmick-Kritik oft speziell an den Powermetal, dabei gab es das schon immer. BLACK SABBATH war von Anfang an sehr gimmicky. Black Metal ist durchsetzt von Gimmicks!

Peter: Ein Gimmick im Powermetal ist ja gerne mal etwas Lustiges oder Amüsantes. Deshalb wird oft geschlussfolgert, dass damit etwas kaschiert werden soll, was sonst nicht gut genug wäre. Wohingegen es ein Blackmetal-Typ, der Jungfrauenblut trinkt, total ernst meint, das ist halt sein Leben. Bei uns sind es Pinguine, bei anderen Dinosaurier, das ist Kinderkram. Aber das ist ja gerade das Geile an diesem ganzen Gedöns: In der Powermetal-Community ist das einfach okay. Wir machen das ja, weil es eine coole Idee ist und weil das so aus uns rausspricht. Deshalb ist der Begriff bei mir gar nicht zwingend negativ besetzt.

Timo: Bei uns sehe ich es eher als ein Konzept oder Thema. Natürlich grenzt man sich damit ein Stück weit ein, aber wir haben ja nicht nur eine kurze Story, sondern eine ganze epische Lore. Und vor allem haben wir auch den Anspruch an die Musik, dass das nicht nur lustig ist, sondern auch gut gemacht, dass wir handwerklich wirklich was abliefern. Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir sagen können „Wir machen Powermetal über Pinguine“ – das kann man sich gut merken. Wie ein Elevator Pitch im Marketing. Aber es steckt ja mehr dahinter.
Und ich finde, das trifft auf die allermeisten Gimmick-Powermetal-Bands zu. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, die eher reißbrettmäßig wirken. Die haben auch ihr Publikum, meine Sache ist das eher nicht. Aber TWILIGHT FORCE, zum Beispiel: Die sind erstmal das wandelnde Fantasy-Gimmick. Aber wenn man sich anguckt, was die Musiker können, was für ein Level die mitbringen, dann hat das gar nichts Lächerliches an sich. Die Fantasy-Story ist einfach ein Rahmen, innerhalb dessen man Kunst schaffen, eine Geschichte erzählen und eine in sich stimmige Atmosphäre erzeugen kann. Sowas finde ich spannend. Und wenn wir als Indiana-Jones-ähnliche Gestalten durch eine Höhle laufen, dient das halt der Story und weniger einem Gimmick.

Peter: Ich glaube, wenn man ein Thema richtig gut aufziehen will, dann ist das sogar schwieriger umzusetzen, als keins zu haben, oder Songs auf einem Album aneinanderzureihen, die vielleicht nur sehr lose thematisch zusammenhängen. Wenn man ein richtig fettes, durchdachtes Konzept machen will, verlangt das schon einiges an Planung und Aufwand.

Cover-Artwork der Single „Run Mammoth Run“Das Cover-Artwork zur Single „Run Mammoth Run” wurde von der Künstlerin Kate (kras_gk) passend zur Storyline entwickelt.

Im Powermetal geht es ja gerade um Sachen, die es eigentlich gar nicht gibt. Das soll ja gar nichts mit der Realität zu tun haben.

Was sagt ihr zu der vielgeäußerten Kritik, dass Gimmickbands live so viel Wert auf perfektionistische Darstellung legen, dass dafür ein übermäßiger Einsatz von Backingtracks und Playback nötig ist – wohingegen die wahren Metalheads der alten Schule noch dreckig, besoffen und in zerrissener Jeans auf ihre Klampfe eingehackt haben? Zieht der heutige Powermetal das coole Image des rebellischen Metals in den Dreck?

Timo: Diese Kritiker verstehen dann einfach das Genre nicht. Powermetal hatte nie den Anspruch, dreckig zu sein. Rebellisches Geschrabbel ist ja auch völlig fein. Aber es ist halt einfach eine andere Stilrichtung. Ich finde, Powermetal lebt davon, dass es genau das Gegenteil ist.

Peter: Im Powermetal geht es ja auch gerade um Sachen, die es eigentlich gar nicht gibt. Das soll ja gar nichts mit der Realität zu tun haben. Wieso sollte man das dann nicht auf der Bühne auch entsprechend ausnutzen dürfen? Ich meine, ich kann in der Regel kein Orchester spielen lassen, dann darf doch dieser Sound stellenweise von der Platte kommen, damit es so bombastisch klingt, wie es klingen muss.

Da geht es also gar nicht so sehr ums Gimmick, sondern einfach um eine musikalische Idee.

Peter: Auf jeden Fall. Wenn das handwerklich und spielerisch gut gemacht ist, wieso sollte man dann nicht auf Hilfsmittel zurückgreifen dürfen, wenn es der Stimmung dient? Ich sehe da kein Problem.

Timo: Manche sagen ja auch, die Show ist vielleicht toll, aber das würde sich ja niemand zu Hause anhören. Aber im Gegenteil, ich finde das sehr alltagstauglich! Wenn ich ins Büro laufe, höre ich WIND ROSE und stelle mir vor, dass ich in die Mine gehe und Erz abbaue – das motiviert total! Klar, wenn man mit der Musik nichts anfangen kann, ist das völlig fein. Aber das hat dann ja nichts mit Gimmick oder kein Gimmick zu tun.

Welche Kritik ist schlimmer: Schlager oder Gimmick?

Peter: Für mich persönlich Schlager.

Timo: Schlägt ja in eine ähnliche Kerbe. Wenn man Powermetal als Schlager des Metal sehen möchte und uns als dessen Vertreter, dann ist das so.

Wenn wir jetzt mal ganz realistisch davon ausgehen, dass euch in zehn Jahren die Welt zu Füßen liegt und Budget kein Thema ist, wie sieht eure Live-Show aus? Aufblasbares Mammut? Konfetti in Eiskristallform? Ganzkörper-Pinguin-Kostüme?

Peter: Wir haben uns schnell dagegen entschieden, wie Pinguine auszusehen. Es gab mal die Idee, ein Karnevalskostüm zu nutzen, das aussieht, als würde man auf einem Pinguin sitzen, aber das haben wir auch wieder verworfen. Ich denke, es bleibt einfach dabei, dass wir die Indiana-Jones-Archäologen-Dudes sind. Vielleicht mit einem leicht magischen Touch oder so.

Schon Ideen fürs Bühnenbild?

Peter: Wenn Budget keine Rolle spielen würde, hätte ich gerne wechselnde Bühnenhintergründe und eine Drehbühne, das wäre mega cool. Aber was sich in den Songs immer durchzieht, ist Eis in irgendeiner Form. Irgendwas in diese Richtung brauchen wir auf jeden Fall auf der Bühne.

Timo: Oder einfach eine riesige Tropfsteinhöhle. Aber ich glaube, in zehn Jahren hat sich die ganze Geschichte schon sehr weiterentwickelt, da werden sich vermutlich auch noch die Ideen für Kostüme und Bühnenbild ändern. Und wenn wir dem Ganzen nochmal zehn Jahre geben, dann ist es völlig unmöglich zu sagen, wo das endet.

Peter: Out of Space.

Timo: Insgesamt wäre mein Anspruch auf jeden Fall, dass es sehr theatralisch ist, wir einfach eine coole Atmosphäre auf der Bühne schaffen und alles mitnehmen, was geht.

Peter: Interaktion und Showeinlagen finde ich auch toll. Bei GLORYHAMMER war ich ganz fasziniert, als plötzlich mit dem Hammer gegen irgendwelche Goblins gekämpft wurde. Das war einfach völlig abstrus und geil. Oder wie TWILIGHT FORCE plötzlich eingefroren sind und durch Publikumsjubel wieder aufgetaut wurden.

Timo: Am coolsten wäre es, wenn wir die Storyline unseres Albums in der richtigen Reihenfolge inszenieren könnten. Das hat ja alles eine gewisse Dramaturgie und ich kann mir vorstellen, dass es sich richtig lohnt, die auch live rüberzubringen. Wird dann allerdings mit mehreren Alben natürlich zunehmend schwieriger.

PengsQuest Bandfoto 2PENGS QUEST mangelt es nicht an Ideen. Das grobe Konzept für zwei Alben ist an einem einzigen Brainstorming-Abend entstanden. Unter den bislang unveröffentlichten Songs finden sich Titel wie „Turtle Party at Galapagos“ oder „Vampire Bats, Killers of Chicks“. Foto: Andreas Bachmann

Wir schreiben die Songs beim Produzieren.

Ihr sagt, ein Song kann bei euch relativ schnell entstehen. Wie geht ihr da vor, wie sieht euer Kompositions-Ablauf aus?

Peter: Bisher war es meist so, dass ich eine kurze Melodieidee hatte und von dort aus angefangen habe, in engem Austausch mit Timo etwas drumherum zu spinnen. Meistens sitzen wir hier zusammen, ich mit Gitarre oder Midi-Keyboard, und wir gucken, was am besten zum Thema passt, was man kombinieren kann, wo man etwas nacharbeitet, wo etwas fehlt und so weiter.

Timo: Songwriting und Produzieren ist bei uns im Grunde das Gleiche: Peter spielt seine Ideen direkt in den PC und baut sofort schon Instrumente dazu, später auch Gesang und Chöre. Wir schreiben die Songs beim Produzieren, sozusagen, und setzen sie Schritt für Schritt zusammen. Meine Aufgabe ist es, das große Ganze im Blick zu behalten, was zum Beispiel die Songstrukturen angeht. Peter ist eher der Mensch für die Details. Wobei, manchmal sage ich sowas wie „Da muss dringend noch eine Glocke rein!“

Und die Texte?

Timo: Meistens überlegen wir gemeinsam, welche Stimmung die Fragmente haben, an denen wir gerade arbeiten, und an welche Stelle des Konzeptalbums sie gut passen könnten. Und ich setze mich dann hin und schreibe einen Text dazu. Wir beeinflussen uns aber auch gegenseitig, sowohl musikalisch als auch textlich.

Habt ihr eine ungefähre, ganz grobe Idee, wann euer Debütalbum erscheinen soll?

Peter: Hatten wir schon oft. Nach drei Jahren hätte es fertig gewesen sein sollen. Die drei Jahre sind jetzt rum. Ich glaube, wir brauchen noch mindestens drei weitere.

Timo: Wir haben allerdings auch elf Songs geplant, das ist natürlich eine ganze Menge. Zwei haben wir fertig, von den restlichen haben wir immerhin Teile. Wir müssen da aber auf jeden Fall nochmal ran und zum Beispiel den Gesang neu aufnehmen, weil ich mich zum Glück in der Zwischenzeit stark weiterentwickelt habe. Aber zum Beispiel erstmal sechs Songs für eine Setlist zusammenzubekommen – das ist durchaus greifbar, das muss nicht mehr so lang dauern.
Aber am Ende sind wir eben sehr perfektionistisch und möchten, dass jeder Song echt viel Liebe bekommt. Und da wir den Anspruch haben, bis hin zum Mixing und Mastering alles selbst zu machen, steckt da einfach wahnsinnig viel Arbeit drin.

Glückliche Zuhörer, die unsere Musik zu schätzen wissen – das wäre Erfolg.

Eine letzte Frage, die ihr interpretieren könnt, wie ihr wollt: Was möchtet ihr mit PENGS QUEST erreichen?

Timo: Ein Ziel war von Anfang an, eine CD zu haben, die wir uns ins Regal stellen können, die gut aussieht, und auf der die Musik exakt das ist, was wir geil finden. Wir sind beide totale Musiknerds und gerade Powermetal ist unsere musikalische Heimat. Und dann sowas zu schaffen, woran wir beide unglaublich Spaß hatten, das dann fertigzuhaben, …

Peter: Ich glaube, es gibt nicht viele Leute, die sagen können, dass sie ein Album fertig gemacht haben, das komplett aus ihnen heraus entstanden ist. Das wäre das Größte für mich, das für uns zu haben. Und dann, dass Leute das auch noch nett finden und genießen können, das wär super. Ich möchte einfach nur glückliche Zuhörer haben.

Timo: Genau. Menschen zu finden, die genauso eine Leidenschaft für diese Musik haben wie wir und daran Spaß haben – das kann man dann auch nicht in Zahlen bemessen oder so. Es muss gar nicht die große Reichweite sein, sondern es geht wirklich um die Leute, die das zu schätzen wissen. Das wäre Erfolg.

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Anne

Stilübergreifend Fan von packenden Harmonien und Lyrics. Es muss Spaß machen oder berühren – oder beides. In früher Jugend große Seelenanteile an den Powermetal verkauft. Trotzdem nie was mit Drachen und Einhörnern am Hut gehabt. Konzertliebe wiederentdeckt und zur Sucht werden lassen. Frontrowbegeisterung! Lebensziel: Mit 80 immer noch vorne mithüpfen.

Instagram: @now.spring.is.in.the.air