Warum der legendäre RAGE-AGAINST-THE-MACHINE-Gitarrist ausgerechnet im SO36 Halt machte, blieb das Geheimnis des Tour-Bookings. Den 500 Glücklichen in dem seit langem restlos ausverkauften Kreuzberger Kult-Club durfte das jedoch völlig egal sein: Sie wurden Zeugen eines ultra-intimen, geschichtsträchtigen Abends voller Energie, Schweiß und politischer Haltung.
Energetischer Aufgalopp: THE LAST INTERNATIONALE
Schon die Vorband setzte das richtige Fundament. THE LAST INTERNATIONALE aus New York eröffneten den Abend mit einem sympathischen, extrem energetischen Auftritt. Ihre ungebremste Spielfreude steckte das SO36 sofort an und machte spürbar Lust auf mehr – ein perfekt gewählter Support für das, was folgen sollte.
85 Minuten Morello pur: Zwischen RATM-Klassikern und Gänsehaut-Momenten
Punkt 21:00 Uhr betrat Tom Morello die Bühne und feuerte ein exakt 85-minütiges Brett ab, das seine gesamte monumentale Schaffensphase abbildete. Schnell wurde klar, wie Morello mit dem Erbe seiner Hauptband umgeht: Die unsterblichen Riffs von RAGE AGAINST THE MACHINE wurden geschickt in zwei brachialen Instrumental-Medleys gebündelt.
Eine Ausnahme bildete das unvermeidliche „Killing In The Name“ – hier verzichtete die Band komplett auf den Leadgesang und überließ das Mikrofon kurzerhand der ohrenbetäubenden, textsicheren Crowd. Für den emotionalen Tiefpunkt des Abends sorgte der AUDIOSLAVE-Klassiker „Like A Stone“. Auf der Bühne blieb das Hauptmikrofon im Scheinwerferlicht symbolisch unbesetzt, um dem verstorbenen Chris Cornell zu gedenken. Während Morellos Co-Gitarrist Carl Restivo den schwierigen Gesangspart bravourös übernahm, kreierte diese Szenerie eine kollektive Gänsehaut im Saal.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Ein absolutes Highlight war der Auftritt von Morellos 15-jährigem Sohn Roman Morello. Dass der Teenager die außergewöhnlichen Gitarren-Gene seines Vaters geerbt hat, demonstrierte er mit einer aufreizenden Lässigkeit. Bei seiner Darbietung des hochkomplexen Steve-Vai-Covers „For The Love Of God“ stand er seinem berühmten Vater weder in Sachen spielerische Präzision noch im Rockstar-Posing in irgendetwas nach – die Wachablösung an den sechs Saiten ist hier intern wohl schon eingeleitet.
Aktivismus im Epizentrum
Wer den Namen Tom Morello googelt, stößt unweigerlich auf den unermüdlichen Aktivisten. Das SO36 erwies sich hierbei als der perfekte Nährboden: Morellos antifaschistische Ansagen fielen auf extrem fruchtbaren Boden und wurden vom Publikum lautstark mit „Alerta, Alerta, Antifaschista“-Chören erwidert.
Auch für Musiknerds gab es eine spannende Anekdote: Vor dem OZZY-OSBOURNE-Cover „Mr. Crowley“ merkte Morello sichtlich stolz an, dass er das offizielle Abschiedskonzert der Metal-Ikone kuratieren durfte – eine monumentale Ehre, die den Gitarristen spürbar mit tiefer Dankbarkeit erfüllte.
Fazit: Um 22:25 Uhr war Schluss. Was blieb, war eine perfekt durchgetaktete Show mit einer großartigen Dramaturgie. 500 verschwitzte, glückliche Menschen wurden aus dem kochenden SO36 in die laue Berliner Sommernacht entlassen. Ein intimer Abend mit einem der einflussreichsten Gitarristen unserer Zeit, den man so schnell nicht vergessen wird.


