Geschrieben von Dienstag, 09 Mai 2006 18:25

Blind Sight - Interview mit Bassist Geert




 
BLIND SIGHT sind eine junge niederländische Metalband mit Einflüssen aus dem Hardcore/Metalcore und vielem mehr (z.B. ein Alice In Chains -Touch bei den Vocals). Da ihr Debutalbum „The Tenderstrike Salvation“ ein richtig schönes Ding geworden ist und die Herren ja praktisch Nachbarn von uns sind, haben wir ihrem Sänger und Bassisten Geert Kroes einfach mal ein paar Fragen gestellt. Lest, was sie über die niederländische Szene, Lieblingsbands und deutsches Bier zu erzählen haben.

Da ihr ja eine noch recht neue Band seid, werden euch viele Leser noch nicht kennen. Könntest du die Band bitte einmal vorstellen?
Wir heißen BLIND SIGHT. Die Band besteht aus Emile Schoenmakers (drums), Auke Visser (guitars/backing screams), Tommie Bonajo (guitars/producer) und mir (Geert Kroes vocals/bass). Uns gibt es mittlerweile auch schon eine kleine Weile. Wir haben so um 1996 mit dem Spielen begonnen, als wir so ca. 15 Jahre alt waren. Wir haben dann einige Shows gespielt, wo wir Cover-Songs von Bands wie PANTERA, MACHINE HEAD und LIFE OF AGONY gezockt haben und danach aber auch schon bald angefangen haben, eigenes Material zu schreiben. Wir haben dann 2002 eine  Mini-CD namens ‘Lies In Conviction’ aufgenommen, die wir 2004 aufgrund von fehlendem Label selbst heraus gebracht haben. Im Januar 2005 haben wir dann unser erstes komplettes Album aufgenommen - ‘The Tenderstrike Salvation’. Wir haben eine aufgegebene Metzgerei nahe meiner Heimatstadt gemietet, es in ein Studio umfunktioniert und dort zusammen mit Hilfe vom Engineer Sebastiaan de Rooy unsere Sachen aufgenommen. Wir sind dort für einen Monat geblieben, dann hat Tommie (Gitarre) die Tracks an sich genommen, seine Gitarrenparts und einige Vocals aufgenommen, geschnitten und gemischt und das ganze Ding produziert. Ich habe dann das Artwork gemacht und wir haben die Roughmixe an die Plattenfirmen rausgeschickt. Wir haben dann auch recht schnell Reaktionen von coolen Labels bekommen, und ein paar Monate später wurden wir dann von GSR gesigned. That’s our story in short.
Wie würdet ihr euren Sound beschreiben? Und welche Bands waren für eure eigene Stilfindung wichtig?
Der Fokus liegt auf modernem, hartem Metal, brutalen Songs mit catchy und melodischen Refrains. In unserem Sound findet sich etwas Metalcore, etwas 90iger Jahre Metal und einige Göteborger Einflüsse. Das ist für mich eigentlich recht schwer zu beschreiben. Wir haben alle viel METALLICA gehört, als wir aufgewachsen sind, aber ich denke unsere Haupteinflüsse kommen aus der Metalbewegung Mitte der Neunziger. Bands wie PANTERA, MACHINE HEAD, SEPULTURA, FEAR FACTORY und LIFE OF AGONY haben uns erst dazu gebracht, eine Band gründen zu wollen. Obwohl manche behaupten, man könne heute noch METALLICA in unserer Musik heraushören.
Kannst du uns etwas über euer Debut-Album erzählen? Um was geht es z.B.  textlich?
Die Platte handelt von Kontrasten. Von Blastbeats bis zu rockigen, atmosphärischen Parts – wir versuchen das Beste aus allen Welten in unsere Musik zu integrieren und ich denke, wir haben da mit dieser Platte auch einen ganz guten Job gemacht. Textlich gesehen spielen Kontraste auch eine sehr wichtige Rolle. Einige Stücke sind positiv und aufmunternd, während andere genau das Gegenteil, also aggressiv, negativ und angepisst sind. Wie der Titel schon sagt, „Tender“ und „Strike“ sind sehr gegensätzliche Begriffe. Und „ Salvation” steht dafür, all diese positiven und negativen Gefühle gehen zu lassen und zum Essentiellen im Leben zurück zu kehren.
Ihr seid eine niederländische Band. Kannst du uns etwas über die niederländische Hardcore-Scene erzählen? Welche Bands/Label/Zines etc. sind wichtig?
Nun ja, wir sind eigentlich gar nicht so in dieser HC-Scene. Aber ich bin immer gerne auf dem Laufenden, was Bands und Happenings im Hardcore angeht. Unser Label ist allerdings eines der größten für Hardcore in Europa, deswegen klingt das wahrscheinlich etwas seltsam, wenn wir sowas sagen. Die meisten Puristen werden uns im HC-Bereich auch nicht mögen, aber Metal und Hardcore wachsen ja immer mehr zusammen. Es sieht also ganz gut für uns aus. Wir haben uns selbst auch immer als Metalband gesehen, aber wir lieben es, dass wir auch aus der Hardcore-Szene etwas Aufmerksamkeit bekommen. Einige der Bands, die man in den Niederlanden auf jeden Fall im Auge behalten sollte, sind unsere Freunde von 37 STABWOUNDZ, DEMIA, TEXTURES und die meisten von euch werden wohl auch BORN FROM PAIN kennen.
Manchmal scheint es ja so etwas wie eine Rivalität zwischen den Niederlanden und Deutschland zu geben (zumindest wenn man über Fußball redet). Habt ihr so etwas in der Richtung mal bezüglich BLIND SIGHT erlebt?
Ne, nicht wirklich. Wenn wir in Deutschland gespielt haben, war die Atmosphäre immer gut und die Biere groß und lecker! Wir würden gerne öfter in Deutschland spielen. Die verschiedenen Szenen scheinen bei euch so viel größer als in den Niederlanden zu sein. Wir werden unsere erste richtige Kostprobe vom deutschen Publikum während der BLACK DAHLIA MURDER/ HATEBREED-Tour im Juni bekommen. Wir freuen uns schon drauf!
Ihr habt ja schon mit Bands wie AVENGED SEVENFOLD gespielt und geht mit den oben erwähnten Bands bald auf Tour. Was waren bis jetzt die besten und schlechtesten Erfahrungen, die ihr da gemacht habt, wenn ihr mit anderen Bands unterwegs seid?
Eigentlich nur gute bis jetzt. Gut, mit machen Bands verstehst du dich besser als mit anderen. Wir haben schon einige gute Freundschaften geschlossen, dadurch, dass wir mit einer anderen Band unterwegs waren. Ich hatte bereits Kontakt mit einem der BDM-Jungs und ich hab auch nur gutes über HATEBREED gehört, ich freue mich also auf eine Wahnsinnszeit!
Habt ihr denn schonmal mit einer eurer persönlichen Lieblingsbands gespielt? Und mit wem würdet ihr in Zukunft gerne mal zusammen spielen wollen?
Bis jetzt hat das leider noch nicht geklappt. Aber es wäre ein Traum, mit einer Band wie MACHINE HEAD zu spielen. Da bin ich seit Ewigkeiten ein Fan von und so geht es allen bei BLIND SIGHT. Die haben so großartige Alben rausgebracht und immer gute Shows gespielt. Die Typen sind auch einfach cool! Wir würden liebend gerne mit denen auf Tour gehen! Wir werden sehen, was uns die Zukunft so bringt...
Gibt es irgendwelche deutschen Bands, die in den Niederlanden zur Zeit sehr populär sind?
CALIBAN sind grade bei den Metalkids ziemlich beliebt und HEAVEN SHALL BURN mehr in der “oldschool”-Metalcore-Szene. CALIBAN kriegen ja auch eine klasse Promotion von Roadrunner und ihre Tour mit MACHINE HEAD (die Bastarde, haha) hat ihnen viel “credibility” in den Niederlanden eingebracht. Ich glaube, wir spielen einige Festivals im Sommer mit ihnen.
In unserem Magazin hatten wir eine Diskussion darüber, wie sehr sich die Riffs der ganzen großen Metalcorebands ähneln.
Manchmal sieht es so aus, als kopiere jeder jeden. Was denkst du darüber? Nun ja, es gibt ja nur 12 Noten auf der Gitarre, also werden manche Riffs zwangsläufig ähnlich klingen. Ich denke, viele der Metalcorecombos sind einfach zu ängstlich um zu experimentieren, weil sie Angst haben, die Leute würden es nicht „cool“ finden. Ich sage: drauf geschissen und spielt einfach, was sich richtig anfühlt. Und wenn dann irgendwelche Menschen nicht offen genug dafür sind – ist es deren Entscheidung. Aber wenn du dir selber treu bleibst, wirst du auch Leute finden, die es mögen!
Wie wichtig ist eigentlich die Vegan/Straight Edge-Bewegung in der niederländischen Szene?
Keiner von uns ist Straight Edge und der Himmel weiß, dass es nicht so viele SXE-Metalbands in den Niederlanden gibt- ich bin da also nicht grade ein Experte auf dem Gebiet. Wenn wir aber in Ländern wie Deutschland oder Spanien gespielt haben, schienen die Menschen wesentlich mehr an SXE interessiert zu sein als hier bei uns. Die meisten, die hier Straight waren vor 5 Jahren, sind schon lange nicht mehr dabei. Und uns interessiert auch nicht, was du bist. Ich hab schon einige SXE-Shows gesehen, weil ich mir REACHING FORWARD (niederländischen SXE-Band, R.I.P.) mehrmals angesehen habe. Was mich fasziniert hat, war die Energie und der positive Vibe.
Ist es eigentlich einfacher, in den Niederlanden in die jeweilige Presse zu kommen, weil das Land doch relativ klein ist?
Ja, ich schätze. Aber nur wenn du eine Plattenfirma hast. Wir hatten zwar bereits etwas Medienpräsenz in der Vergangenheit, aber nicht sehr viel, da die Medien sich hier nur für dich interessieren, wenn du auf einem Label bist. Respekt an alle, die an uns geglaubt haben, als wir noch keine Platte draußen hatten. Die Niederlande sind ziemlich klein und soweit ich weiß, sind wir eine der wenigen Bands, die diesen Musikstil spielt. Ich schätze, das ist schon ein Vorteil.
Wie und warum habt ihr euch für den Stil entschieden, den ihr heute spielt?
Das kommt eigentlich von den ganzen bereits oben erwähnten Bands in der Mitte der 90iger. Heutzutage fließen allerdings immer mehr Einflüsse in unseren Sound, aber ich denke, dass wir unsere Wurzeln dadurch nicht verlieren.
Wo wollt ihr in fünf Jahren sein?
Wir leben von Tag zu Tag. Wir versuchen, einfach nur diese Band so weit nach vorne zu kriegen, wie wir es Schritt für Schritt können. Ich würde gerne soviel touren, wie es irgendwie geht und davon auch leben können, ohne irgendwelche Drecks-Jobs machen zu müssen, haha!
Werdet ihr demnächst auch mal in Deutschland spielen?
Ja, sogar recht oft. Wir werden in Köln, Bielefeld, Trier, Stuttgart und Schweinfurt sein, während der Tour mit Black Dahlia Murder. Und mehr Gigs werden da auch noch folgen. Wir hoffen da auch, einige von euch zu sehen.
Was ist das Beste und was das Schlechteste, was euch bis jetzt bei BLIND SIGHT passiert ist?
Wir sind in der Mitte der besten Sache, die uns passieren kann. Wir touren mit oben genannten Bands, hängen mit unseren Freunden ab, tun das, was wir lieben und andere Menschen finden das sogar klasse! Das ist echt das Beste! Ach ja, schlechte Sachen... ähm... nein, eigentlich keine.
Ok, vielen Dank für das Interview und viel Glück mit “The Tenderstrike Salvation”.

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