10.04.2026: Bereits zum vierten Mal machen FRANK'S WHITE CANVAS im Grandhotel Cosmopolis Station, einer beliebten, interkulturellen Begegnungsstätte im Herzen von Augsburg. Dementsprechend trifft die Band, die seit zwei Jahren in Potsdam lebt (siehe auch unser Interview mit FRANK'S WHITE CANVAS), gleich eine ganze Reihe von Besuchern, die nicht zum ersten Mal mit dabei sind.
Die Location ist ein schummriger Kellerraum des Gebäudes, mit einer winzigen Bühne. Rund 60 Fans sind gekommen, um FRANK'S WHITE CANVAS live zu erleben. Als Opener fungiert die junge Indie-Band LAST EXIT BROOKLYN, drei Brüder aus Augsburg, die für erste gute Stimmung sorgen.
Texte zum Leben erweckt
Gitarristin und Sängerin Karin Aguilera wirkt vor dem Auftritt von FRANK'S WHITE CANVAS hochkonzentriert. Verständlich, denn wie sich schon beim Opener, dem atmosphärischen „Circles“ zeigt, singt Karin ihre Lyrics nicht nur, sie lebt sie. Jeder Gedanke, jedes Gefühl wird nuanciert und mitreißend zum Ausdruck gebracht.
Ursprünglich aufmerksam geworden war ich auf FRANK'S WHITE CANVAS durch ihr Video zum Song „Insane“, das mit Live-Bildern eines Konzerts in Südamerika unterlegt ist. Und beim Ansehen des Clips war mir bereits klar, dass ein Auftritt der beiden Frauen etwas Besonderes ist.
Insane (Official Music Video 2025)
Obwohl Karin und auch Drummerin Francisca „Pancha“ Torés mit ihrer auffallend bescheidenen und zurückhaltenden Art den Eindruck unterstreichen, dass sie nur ungern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, entfesseln sie auf der Bühne eine beeindruckende Energie und Intensität. Selbst poppigere Stücke wie „Apocalypse“ klingen live eher nach krachendem Alternative-Rock und sorgen für ordentlich Wallung. Immer wieder springt Karin von der Bühne, um den Platz davor während ihrer Soli auszunutzen.
Nur als Duo vorstellbar
Pancha am Schlagzeug taucht ebenfalls tief in die Songs ein, oft spielt sie mit geschlossenen Augen. Dazu übernimmt sie auch die Backing-Vocals und die Koordination der Einspiel-Videos im Hintergrund, die die durchdachten und tiefschürfenden Texte bildlich untermalen. So thematisiert „Play“ Suizid und seine Vorzeichen, die abschließende Botschaft auf der Leinwand lautet: „We are here for you!“
Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob die dezent eingesetzten Backing-Tracks das Fehlen von Bass und einer zweiten Gitarre live komplett wettmachen können. Doch es ist ganz offensichtlich, dass FRANK'S WHITE CANVAS nur in dieser Zweier-Kombination funktionieren können. Da haben sich vor Jahren in Chile zwei junge, hochtalentierte Musikerinnen gefunden, die eine Einheit bilden, die einander pushen und inspirieren, die in ihrer alten Heimat großen Erfolg hatten und dennoch bereit waren, das Abenteuer Europa gemeinsam zu wagen, und denen es nach wie vor nicht zu anstrengend ist, den Großteil ihrer Tour vollbepackt, nur zu zweit mit dem Deutschland-Ticket zu absolvieren.
Dankbares Publikum
Das Publikum in Augsburg dankt ihnen diesen Einsatz – mit jedem weiteren Song wird mehr getanzt, geklatscht und mitgesungen, wie etwa bei „Wake Up“. Mit eingestreuten Coverversionen künstlich Stimmung zu erzeugen, haben FRANK'S WHITE CANVAS nicht nötig – ihr eigenes Songmaterial ist viel zu stark, und das durchgängig. Neben den wunderschön dargebotenen „Grey Devenir“ und „Secret Garden“ nehmen mich vor allem die Songs der grandiosen aktuellen Scheibe „This Will Hurt, This Will Heal“ für sich ein, allen voran mein Favorit „Time Bomb“.
Nach knapp 90 Minuten und 21 Songs ist Schluss, tags darauf ziehen FRANK'S WHITE CANVAS weiter zum nächsten Auftrittsort in Offenburg, am Rande des Schwarzwalds. Es wäre Karin und Pancha zu wünschen, dass deutlich mehr Musikfans in Deutschland und Europa von der Existenz dieser außergewöhnlichen und intensiven Band erfahren, und dass die beiden auch hierzulande schon bald auf größeren Bühnen zu Hause sein werden.
FRANK'S WHITE CANVAS Setlist:
Circles / Apocalypse / Hiding Away / Wake Up / Before They Apologize / Nobody Come / Grey Devenir / Let It Go / Easy To Forget / Carry On / Play / Cazador / Someday / Secret Garden / Insane / Best One Yet / Good Rebel / One By One / Time Bomb / You Better Come Sweating / Sleep, Work, Eat
