Theory Of A Deadman - The Truth Is... Tipp

theory_of_a_deadman_the_truth_is
Stil (Spielzeit): Alternative Rock/Metal (46:11)
Label/Vertrieb (VÖ): Roadrunner Records (22.07.11)
Bewertung: 8/10

Link: http://www.theoryofadeadman.com

Mit dem 2008 veröffentlichten "Scars & Souvenirs" feierten THEORY OF A DEADMAN große Erfolge in den USA, das Quartett wurde mit einer Platin-Auszeichnung belohnt und tourte mit Größen wie STONE SOUR, MÖTLEY CRÜE und GODSMACK. Bislang habe ich die vier Kanadier nur am Rande wahrgenommen, doch irgendwas an dem mittlerweile vierten Album "The Truth Is..." weckte mein Interesse. Zum Glück, denn THEORY OF A DEADMAN punkten mit oft, aber nicht immer fröhlichem, unverkrampftem und von tollen Hooklines geprägtem Alternative Rock, der zugleich einige der besten Balladen der letzten Zeit ausspuckt.

Sänger und Gitarrist Tyler Connolly, dessen Vocals streckenweise an NICKELBACK-Fronter Chad Kroeger erinnern, sagt zum Wirtingprozess der Songs: "Wenn ich schreibe, möchte ich entweder jemanden auf den Mund küssen oder ihm auf die Mütze hauen. Alles dazwischen ist langweilig." Die beiden Extreme spiegeln sich in der Musik von THEORY OF A DEADMAN wieder, wenngleich der "Auf die Fresse"-Teil naturgemäß im Vergleich zu härteren Kapellen immer noch recht seicht klingt. Im THEORY OF A DEADMAN-Kosmos machen diese Pole aber durchaus Sinn: So gehören die stampfende, extrem eingängige Stadionrock-Hymne "Lowlife", die unerhört muntere Abrechnung mit einer Ex mit dem Titel "Bitch Came Back" (mit zig Schimpfwörtern und Bläsern), der knackige Rocksong "Gentleman" mit coolem Rockabilly-Solo oder das harte "Drag Me To Hell" definitiv in die Dampfhammer-Ecke, während die opulent orchestrierte Power-Ballade "Hurricane", der leidenschaftliche, klischeefreie Liebesbeweis "Out Of My Head", "Easy To Love" und das leidenschaftliche, emotionale "Head Above Weather" in die ruhige Ecke der Band passen. Natürlich lassen sich nicht alle Songs in diese beiden Schubladen stecken, denn genau dann wäre "The Truth Is..." das langweilige Album, das die Band eben nicht machen wollte.

Es wird vielmehr ein Abwechslungsreichtum geboten, den man bei ähnlichen Bands oft schmerzlich vermisst. So handelt es sich bei dem von Wahwah-Gitarren eingeleiteten "Love Is Hell" um eine traurige Säuferballade, die mit ehrlichen und direkten Lyrics punktet, während THEORY OF A DEADMAN mit dem von einer Ukulele eingeleiteten "The Truth" erneut ein Händchen für die Umsetzung abrechnender Texte beweisen, die in diesem Fall in ein fröhliches, unbeschwertes Gewand gepackt werden. Da möchte man doch glatt mit einem fetten Grinsen im Gesicht ein lautes "Fuck you!" in die Welt schreien. Allerdings beherrschen die Kanadier auch die musikalische Umsetzung der Melancholie sehr gut, wie das abschließende, düstere "We Were Men" (was für eine Großtat!) beweist. Erfrischend sind die Farbtupfer aus anderen Stilen wie beispielsweise die schon erwähnten Bläser-Einsätze oder die Slide-Gitarre, die vor allem in "What Was I Thinking" für latentes Countryfeeling sorgt. Und wo andere Bands schließlich einen großen Bogen um Gitarrensoli machen, haben THEORY OF A DEADMAN überhaupt keine Schwierigkeiten damit, auch mal einen kleinen Solopart für den Sechssaiter einzubauen.

Insgesamt enthält "The Truth Is..." zwar mehr ruhige, oft mit Akustikgitarren versehene Nummern als deftige, riffbetonte Rockkracher, doch solange die Herren Connolly, Brenner, Back und Dandeneau auf ihrem von Howard Benson ziemlich glatt, aber knackig produziertem vierten Album solch großartige Refrains und Hooks in Hülle und Fülle bieten, sollte einem das am Allerwertesten vorbei gehen. "The Truth Is..." ist definitiv ein Highlight des Genres!