Narziss - Echo Tipp




Stil (Spielzeit): Screamo / MetalCore (43:19)
Label/Vertrieb (VÖ): Redfield / Cargo (20.02.09)
Bewertung: 9 / 10

http://www.narziss-hc.com/

Die Spiele mögen beginnen! Denn ich schätze mal, „Echo“ wird die „Szene“ stark polarisieren. Und ich vermute, die Szenepolizei und die Leute mit den „Sell-Out-Vorwürfen“ auf den Lippen, werden sich ziemlich aus dem Fenster lehnen. Aber das geht mir so ziemlich am Ende meines Verdauungstraktes vorbei, denn dadurch würde ich höchstens dieses wundervolle Album verpassen!

Und ich lobe die Jungs nicht in den Himmel, weil sie ach so progressive Streicherarrangements und Soundtracksounds im Hintergrund haben, sondern weil sie sich als Band einfach sehr gut entwickelt haben, einen Scheiß auf Szeneregeln geben und dabei einfach richtig gute Songs produziert haben! Als erstes fällt mir der Sound auf, den ich an einigen Stellen wesentlich „rockiger“ finde als früher – und das, obwohl es in den Rape Of Harmony-Studios das Licht der Welt erblickte. Aber es passt einfach! Und an den richtigen Stellen geben sie ja auch wieder Kette, nur dass diese Ausbrüche wesentlich gezielter eingesetzt werden.

Im ersten Augenblick klingt das fünfte Album der deutschen Hardcore/MetalCore-Institution auch erstmal nach Screamo, der mit MetalCore gar nichts zu tun hat. Aber im laufe des Album kommen immer mal wieder sehr kernige Riffs und Doublebass-Attacken dazu und beruhigen den Zweifler, ohne dabei aufgesetzt zu klingen. Und ich finde, sie nutzten das Prinzip „Groove“ streckenweise auch mal ganz anders, als es normalerweise mit einem stumpfen Breakdown ansonsten gemacht wird. „Hoffnungslos“ ist da ein gutes Beispiel und zeigt dabei eine Band, die keine Angst hat, es den „harten Jungs“ im Pitt nicht recht zu machen. Und mit dem über sechsminütigen „Maskerade“ haben sie hier eines meiner neuen und absoluten Lieblingsstücke drauf!

Natürlich haben NARZISS immer noch die Kanten die sie früher hatten: man muss den Pathos in den Texten schon mögen und manchmal klingt die gesungene Stimme etwas dünn, aber dafür klingen sie authentisch und lassen in dieser Hinsicht ganze Armeen von Hardcore/Screamo/MetalCore-Bands hinter sich.

Die „Härter-Schneller-Lauter“-Fraktion kann getrost zur nächsten Band wechseln, denn die Band aus Jena geht konsequent ihren Weg der letzten beiden Alben weiter und scheint in hier perfektioniert zu haben (und da muss ich dann doch an die Streicher etc denken) - ohne irgendwie Chartsanbiedernd zu wirken. Aber wer auf gute, herzblutige Songs mit deutschen Texten steht, die sich zwischen Screamo und MetalCore positionieren, wird vermutlich kaum an „Echo“ vorbeikommen. Ich jedenfalls habe hier ein Juwel für meine Sammlung!

 

p.s:

Cool, dass die Fünf jetzt auf Redfield gelandet sind und dann auch noch so ein schickes Artwork am Start haben – auch hier wurde der Weg des Vorgängeralbums perfektioniert!