The Exploding Hearts - Shattered



Review




Stil (Spielzeit): Surf-Punk-Rock (45:27)

Label/Vertrieb (VÖ): Dirtnap Records/Cargo (Oktober 2006)

Bewertung: 5/10

Link: http://www.explodinghearts.com

Heißer Sand unter den Füssen, tiefe blaue See mit beeindruckenden Wellenbergen, ausreichend Pils in Griffnähe und natürlich Schönheiten soweit das Auge reicht. Diese Gedanken verbinde ich mit Surf-Punk. Das man diese Gedanken leider nicht mehr mit THE EXPLODING HEARTS in Verbindung bringen kann, liegt wohl eher daran, dass es 3/4 der Band im Jahre 2003 bei einem Autounfall dahingerafft hat. Das aus Portland, Oregon stammende Quartett sorgte durch ihre Mischung aus Surf-Rock-Punk und Power-Pop gerade im Nordwesten der USA für Aufsehen, als sich nach einem Konzert der Van der Combo überschlug und drei der vier Bandmitglieder tötete. Eine traurige Geschichte. 

Auf "Shattered" befinden sich noch nicht veröffentlichte Songs der Band, drei Demos, sowie ein paar Mix-Songs von Sessions. Als Sahnehäubchen gibt es ebenfalls ein Live-Video auf der Scheibe mit fünf Songs, die drei Tage vor dem Unglück in San Francisco aufgenommen wurde. Für einen Fan der Band also ein abschließendes Schmankerl. 
Musikalisch waren THE EXPLODING HEARTS vom 70ger Jahre Brit-Punk beeinflusst, was sich auch in den Songs recht deutlich widerspiegelt. Der Sound ist nicht gerade umwerfend, passt aber zu den angegebenen Einflüssen. Die Gitarre ist hoch gestimmt und frickelt permanent auf der gleichen Tonlage des Sängers. Die leicht kindlich kreischende Stimme ist für manchen vermutlich etwas gewöhnungsbedürftig, ist mit dem Sound der Band aber absolut kompatibel. Und so zockt bzw. zockte das Quartett mal schnell mal weniger schnell ihren Pop beeinflussten Punk herunter. Teilweise sind die Songs so langsam, dass sie mit Punk nicht mehr viel gemein haben. Dennoch verfügen viele Stücke über starke Melodien und einprägsame Hooklines, die sich im Gehirn festsetzen. Es gibt also Mucke für die Popper und die Punker. Einzig die letzteren Songs sind punklastiger, dumpfer und dreckiger. Das sind die Gute-Laune-Songs der Scheibe. Da hat man richtig Spaß und die gehen geil ab. 
Dennoch und so leid es mir tut das sagen zu müssen, die Musik reist mich in keinster Weise vom Hocker - es fehlt mir an Herz, Emotionen und Druck. Der Spaßfaktor und die dreckigen Punk-Attitüden kommen eindeutig zu kurz, genauso wie die Angrifflust beim Gesang. Die Songs können mir nur hin und wieder ein lockeres Fusswippeln entlocken. Den Bierdurst wecken die Songs - was bei Surf-Punk wie ich ihn mag auf jedenfall immer eine angenehme Nebenwirkung der Musik darstellt – leider nicht. Ich vermute, dass es dennoch genug Fans geben wird, die diese Form des seichten und etwas ruhigeren Punks lieben. 

Die auf der CD verewigten Video-Clips sind im Quicktime-Format - auch nicht unbeding eine Augenweide. Aber sie zeigen ganz deutlich, dass die Songs live doch ihre Faszination ausgeübt haben müssen. Wenn auch der Sound an alte Sex Pistols Mitschnitte erinnern lässt, glänzte das Quartett durch wesentlich mehr Spielfreude und Enthusiasmus. Zu Lebezeiten gingen THE EXPLODING HEARTS gut ab. Das Booklet in der CD ist mit einer sehr schönen und ausführlichen Bandhistorie versehen, die von einem Freund der Combo niedergeschrieben wurde. Des Weiteren sind jede Menge Fotos darin abgedruckt, die einen guten Eindruck des Quartetts vermitteln. R.I.P