Schandmaul - Traumtänzer

schandmaul_traumtaenzer

Stil (Spielzeit): Mittelalter Rock/Folk Rock (55:28)
Label/Vertrieb (VÖ): FAME (28.01.2011)
Bewertung: 7/10

Link: http://www.schandmaul.de/

SCHANDMAUL sind aus der Mittelalter Rock-Szene schon lange nicht mehr weg zu denken. Mit ihren letzten Alben schafften die Bayern hohe Platzierungen in den deutschen Charts, vor zwei Jahren spielte das Sextett ein Jubiläumskonzert zum 10-jährigen Bandjubiläum im Münchner Zenith. Nach dem Livemitschnitt "Sinnfonie", das dieses Konzert Revue passieren lässt, nahmen sich die Musiker eine Auszeit, um mit frischen Ideen ins Studio zu gehen. Heraus gekommen ist dabei "Traumtänzer", der von Fans ersehnte Nachfolger von "Anderswelt".

Mit "Traumtänzer" unterstreichen SCHANDMAUL den im Vorwort des Booklets ausgegebenen Anspruch, ein möglichst lockeres und gelassenes Album aufzunehmen, denn der Titeltrack des neuen Albums klingt verträumt, fröhlich – und zu seicht. Zumindest ich finde die ausgelassene Unbeschwertheit ein wenig zu viel des Guten. Besser wird es in "Der Alchemist", das durch eine schöne Melodieführung und einen eingängigen Refrain punkten kann. In "Bis zum Morgengrauen" gelingt den Mittelalter-Rockern hingegen ein schöner Wechsel aus ruhigen, schlaftrunkenen Strophen und einem zackigen Refrain. Mit "Die Rosen" ist SCHANDMAUL eine zugegebenermaßen sehr simple, aber effektive und eingängige Ballade gelungen, die nicht ganz so kitschtriefend ist wie manch andere der ruhigen Stücke (und das ist nicht böse gemeint, da ich die Band wirklich gerne mag). Einmal mehr erweist sich Sänger Thomas Lindner als hervorragender Geschichtenerzähler, wie man in "Schwur" hören kann. Es gibt Momente, in denen es der kahlgeschorene Vokalist mit seinem sehr betonten Gesang übertreibt und übers Ziel hinaus schießt, aber in den meisten Momenten vermag er es, die Texte wunderbar zu vertonen und den Märchenonkel zu stehen – und genau daran werden sich wohl auch anno 2011 die Geister scheiden. Nach einer kleinen Durststrecke, in der es zwar keinen wirklich schlechten Song gibt, aber eben auch kein Highlight, ist das düstere "Assassine" wieder genau dieses und beschließt das Album mit einer guten Schlussnote.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich SCHANDMAUL dieses Mal mit den härteren Nummern viel besser präsentieren als mit den ruhigen, verspielten "Märchensongs" (eine der wenigen Ausnahmen ist "Halt mich"). Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man für die fröhlichen, unbeschwerten Lieder schon in der richtigen Stimmung sein muss. Akzente setzen immerfort das charakteristische Violinen- und Dudelsackspiel der beiden Damen Birgit Muggenthaler-Schmack und Anna Katharina Kränzlein und der Einsatz weiterer mittelalterlicher Instrumente.

Man merkt natürlich auch auf "Traumtänzer", dass SCHANDMAUL im Gegensatz zu Mittelalter Metal-Bands wie IN EXTREMO selbst in ihren härtesten Momenten deutlich weniger ruppig zu Werke gehen und trotz einer über die letzten Jahre erfolgten Entwicklung hin zu mehr Gitarren die perfekte Band für alle hoffnungslosen Romantiker ist. Harmlos, melodisch, manchmal überbordend lieblich und zuckersüß – aber im Großen und Ganzen nach wie vor eine der besten deutschen Bands, die Rock mit Klassik und Mittelalter verbindet, wenn es auch bessere Alben der Truppe gibt. Eben eine Band für wahre Traumtänzer.