Geschrieben von Dienstag, 28 Juli 2026 14:42

R.I.P. Lou Koller - mein Leben mit SICK OF IT ALL

Lou Koller live, 2016 Lou Koller live, 2016 Montecruz Foto

Sick Of It All @ SO36, via Wikimedia Commons

Viele Bands haben mich in meinem Leben beeinflusst - SICK OF IT ALL waren immer eine der Wichtigsten davon. Nach der traurigen Nachricht vom Tod ihres Sängers Lou Koller habe ich mein Leben mit der Band Revue passieren lassen. Zeit für einen wehmütigen, persönlichen Rückblick.

Das erste Treffen

Ich war ungefähr 15 oder 16 Jahre alt und eines der wenigen Metalkids an meiner Schule. Mein Look, ganz klassisch für die damalige Zeit: abgeschnittene oliv-farbene Bundeswehr-Hose, Sneakers, ein Metalshirt (wahrscheinlich von SEPULTURA oder MACHINE HEAD), schulterlange Haare und einen mit Patches übersäten Bundeswehr-Rucksack über der Schulter. So schlenderte ich mit Kippe in der Backe über den Schulhof in die Raucherecke. Plötzlich fällt mir ein Typ auf: kurze Baggy-Hose, Sneakers, kahlgeschoren, ein Bundeswehr-Rucksack, der meinem sehr ähnlich sah. Und ein Band-Shirt. Darauf ein Drache und der Schriftzug SICK OF IT ALL. Cool.
Gleichgesinnte ziehen sich an. Wir wurden Freunde (und sind es bis heute). Wir tauschten Tapes und CDs, quatschten viel über Musik. Und so wurde mir eine völlig neue Musikrichtung offenbart: räudig, schnell, ein Touch von Punk, ein bisschen Metal, wunderbar zum Mitsingen. Das waren SICK OF IT ALL. Es sollten weitere Hardcore-Bands folgen, aber keiner bin ich so treu geblieben wie den vier charismatischen Jungs aus New York.

Blut, Schweiß, keine Tränen

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich die Band sehen und erleben durfte. Aber einige ihrer Konzerte sind mir extrem im Gedächtnis geblieben und haben teilweise auch ihre Spuren hinterlassen - ganz nach dem Motto ihres 1989 erschienenen Werkes „Blood, Sweat And No Tears“.
Schweiß - klar. Mein Shirt konnte ich nach jedem Konzert auswringen. Egal, wie angeschlagen die Bandmitglieder waren - SICK OF IT ALL haben immer mehr als 100 Prozent gegeben. Selbst bei einem Gig in Hannover, bei dem Gitarrist Pete Koller von einer Grippe extrem angeschlagen war, agierte er den ganzen Abend wie ein durchgeknalltes Duracell-Häschen.
Blut - und ein Stück meines Zahns habe ich Jahre später bei einem Gig auf dem With Full Force gelassen, als ich ungewollt in eine Wall Of Death geriet. Ach ja - mein Handy habe ich dabei auch verloren. Überhaupt habe ich bei meinen ersten SICK-OF-IT-ALL-Konzerten mein aufs Moshen beschränktes Repertoir um Pogo, Stagediving und die Wall Of Death erweitert.
Geweint habe ich dabei aber nie.

Neben der Energie bei den Konzerten haben mich auch Lou Kollers Lyrics beeinflusst. Seine politischen und sozialkritischen Texte haben mich ebenso gefangen genommen wie die Musik und meine Denkweise und mein Handeln geprägt. Das haben zwar auch andere Bands geschafft - aber keine so intensiv wie SICK OF IT ALL.

Gerne erinnere ich mich übrigens an meinen persönlichen Hardcore-Bühnenmoment, als ich im Rahmen eines "One Time Only"-Konzerts - wir sammelten Geld für unseren Abiball - einen Song von SICK OF IT ALL covern konnte. "Step Down" war prädestiniert dafür und wir brachten eine, ich nenne es mal eigenwillige Interpretation auf die Bühne. Wir waren nicht gut, aber wir hatten Spaß...

Jahre später durfte ich ein Telefoninterview mit Lou Koller führen - und war unfassbar aufgeregt. Doch Lou, mega sympathisch und empathisch, sitzt irgendwo in seinem Tourbus und merkt, was mit mir los ist: „Stay cool, we’ll do it the easy way. I will ask you something and then you ask me your questions. And we’ll see what will happen.“ Ich bin immer noch dankbar für dieses total nette und entspannte Telefonat.

Alles Gute auf dem letztem Weg

Ich war zutiefst erschüttert, als 2024 die Nachricht von Lou Kollers erster Krebsdiagnose kam. Die Band wollte bald auf Europatour kommen, ich hatte sogar schon ein Ticket. Umso größer war die Freude, als Lou auf seinem Social Media Kanal Entwarnung gab - er hatte den Krebs besiegt. Also bald neue Songs, neue Tourdates? Leider kam 2025 die zweite Diagnose. Und jetzt muss ich diese Worte schreiben.

Lou Koller war - sorry: ist - für die gesamte Hardcore-Community eine absolute Legende. Mich hat er mit SICK OF IT ALL immer begleitet und wird dies auch weiterhin tun.

Rest in Peace, Lou Koller. Du wirst fehlen.

Arne

Stile: Postcore, Deathmetal, Sludge, Hardcore

Bands: Machine Head, Kylesa, Ryker's, Lionheart, Johnny Cash, Cult of Luna, The Ocean, Deserted Fear, TLUF

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