Geschrieben von Sonntag, 21 Mai 2006 11:58

The Traceelords - Interview mit der Band


Review



 

 

Es regnet Bindfäden und als ich um 19 Uhr wie verabredet zum Ballroom renne, kommt Tourmanager Chris raus und meint, das würde noch dauern, ich könnte noch was trinken gehen. Naja, um 20 Uhr hat sich immer noch keiner gemeldet und ich renne mit einer Freundin wieder zurück zum Ballroom. Tourmanager sitzt da am Tresen und nix rührt sich.

Kurz nach 20 Uhr kommt Andy Brings aus dem Keller und weist mich in denselbigen mit dem schönen Satz "Willst Du uns alle oder nur mich?" Och…naja…wenn man mich so fragt, nehme ich doch alle Kerle zusammen. Irgendwie sehen sie müde aus, nur der noch relativ „neue“ Leimsen ist wirklich frisch. Aber das ändert sich während des Interviews ganz schnell…Z uerst sitzt da nur Andy Brings vor mir und nach zehn Minuten plötzlich die ganze Band samt Tourmanager, die mich alle anstarren. Zusammen mit dem ungewohnten Dictaphone werde ich irgendwie nervös…I ch hasse Technik.

Andy, wie läuft die Tour? Erzähl doch mal ein wenig…

Andy: Tour läuft ganz gut. Wir haben heute die dritte Show, Berlin und Köln waren schon. Läuft dufte, wir haben ja eh immer Spaß (Gegacker aus dem Off). Im Anschluß an diese eigene Tour gehen wir mit TED NUGENT auf Deutschlandtour, was ja auch ganz cool ist.

Ohja, da hab ich auch noch eine Frage später ...

Ja, ich kann mir schon denken, welche. Im Herbst machen wir wohl so wie es aussieht drei Shows mit BELA B… alles ganz lustig …

Ja, also Ted Nugent. Wie ist es denn dazu gekommen? Über Roadrunner?

Wir sind nicht mehr bei Roadrunner, wir sind bei AFM. (Pressetante läuft knallrot an. Da schreibt sie ne coole Rezi über das neue Album und dass es bei AFM erschienen ist, und dann labert die Olle über Roadrunner. Pein-lich!) Wir bringen jede Platte bei `ner anderen Plattenfirma raus, mal gucken. Also das mit NUGENT ging so hintenrum, nicht? Die selbe Agentur hatte uns auch schon bei WHITESNAKE untergebracht. Man kennt sich, man mag sich und wir spielen da jetzt. So.

TED NUGENT ist ja nun nicht so unumstritten. Befürchtet ihr eventuell negative Presse deswegen?

Ich glaub nicht, dass der rechter als die Republikaner ist, der ist einfach ein Patriot. Soweit ich weiß, hasst der George W. Bush auch. Er tut das, weil er sein Land liebt und das auch alles nicht so toll abläuft. Allerdings, was TED NUGENT privat macht, ist mir total wurst. Es hieß, wir können mit TED NUGENT auf Tour gehen. Für mich war das Hauptkriterium diese VH1-Show zusammen mit Nugent und SCOTT IAN. Und ich denke mir, was IAN politisch vertreten kann, das können wir auch. Weisst Du, Scott Ian ist gradeaus. Ich neige nicht dazu, mir die Meinung anderer Menschen anzueignen und Ian läuft nun auch nicht über´s Wasser. Aber ich komme mit seinen Äußerungen super klar und Nugent ist ´ne Rock´n Roll -Legende. Ob der nun sein Essen selber schiesst oder ich es schiessen lasse und hinterher bei Burger King esse, ist mir echt egal. Und wenn diese Aussage jetzt dumm ist, ist mir das auch egal. Wir sind keine politische Band. Wir machen Rock´n Roll und fertig.

Nee, halt, sollte ja auch keine wertende Frage sein. Ich wollte es ja nur mal wissen, nicht? 
Wie seid ihr auf diesen Albumtitel gekommen? Hat es was mit Muhammad Ali zu tun, weil Du mit zerbatschtem Gesicht auf dem Cover zu sehen bist?

Ja. Es geht darum, dass die Band in den letzten Jahren nicht nur auf Rosen gebettet war, dass es uns aber nicht umgebracht hat, sondern wir immer nur stärker geworden sind. Also egal, was passiert ist. Ob Touren ausgefallen sind, Plattenfirmen doof waren, irgendwelche Leute versucht haben, uns abzuziehen oder mit der Kohle nicht rübergekommen sind. Das hat uns nichts anhaben können. So, und jetzt eben erst recht. Wir stehen auf, klopfen uns den Staub ab und deswegen sind wir halt der Muhammad Ali des Rock´n Roll. So, feddich!

Ok. Frage an Haan. Das Video zu „My Evil Girlfriend“...

Haan: Nein, das soll keine Trio-Hommage sein!

Das hab` ich auch nicht fragen wollen... Sondern was sollen die Bananen? Wieviele Bananen musste Haan essen und lebt er noch gut?

Haan: Witzigerweise ist das Video zusammengestellt aus sechs Takes, die wir am Ende der eigentlichen Videoaufnahmen gemacht haben. Wir haben das eigentliche Video in einem Boxring gedreht, Stunde um Stunde popunde, es war arschkalt.
Andy: Im Dezember oder noch früher. Und danach hatten wir uns gedacht, Mensch, die Umkleidekabine sieht so cool aus, lass uns da doch nochmal ein paar Takes machen. Waren nur sechs Takes und Haan hat es nur einmal gemacht, also war es nur eine Banane. Das Video ist nur aus diesen zusätzlichen Takes entstanden. Der Rest hat einfach nicht gewirkt. Man müsste da richtig fett produzieren, richtig dickes Licht, das sah einfach nicht aus.

Dafür sieht es aber richtig gut aus. Tolle Produktion dafür, dass es nur aus einem Spontanschuß entstanden ist.

Ja Mann, das hat für jeden 250.000 Euro gekostet!

Jaaa, klaaaar.

Das schöne ist, dass die Alex, die das geschnitten hat, sich glaube ich selber übertroffen hat. Es war wirklich ein Kampf, weil sie kannte das Boxring-Video. Da waren die Cuts aber Kacke, es war nicht lippensynchron. Und da haben wir halt bei ihr gesessen und uns die Szenen angeguckt, die wirklich gut sind und sind denn da angekommen, dass wir ziemlich schnell gesagt haben: Keine Boxring-Szenen. Sie hatte sich vehement dagegen gewehrt. Aber nach zwei Stunden Diskussion hat sie es dann doch so gemacht.

Leimsen, einer gemeinsamen Bekannten hast Du mal gesagt, dass Du auf die Bühne gehörst. Und, wie ist es jetzt?

Christof: Hab ich das gesagt? Achjaaa. Ja, also ich finde das auf jeden Fall viel besser! Wir haben da grade noch drüber gesprochen. Das Beste am Touren ist das spielen, nicht das Saufen und die viele Kohle. Mein Job ist mein Job, aber das hier ist schon wichtiger.
Andy: Diesen Nonstop an Glamour und diese totale Reizüberflutung, das hat er so nicht erwartet. Und auch nicht verdient. (Gegacker)

Wie kam denn jetzt wieder der Wechsel zu einer neuen Plattenfirma?

Och, mit dem ersten Label haben wir so gute Erfahrungen gemacht, dass wir uns dachten "Mensch mal gucken, ob wir mit dem zweiten nicht noch bessere machen können". Und das war so der Hammer... wir suchen halt immer neue Herausforderungen, ob es noch geilere Leute gibt, die einen noch besser behandeln. So dass man den ganzen Tag wild onanierend durch die Gegend rennt. Eigentlich konnten wir bei der zweiten aufhören, aber jetzt haben wir die beste Plattenfirma gefunden, die es gibt. Es ist unglaublich. Wenn Pamela Anderson und Carmen Electra, Traci Lords und äääh, Angela Merkel... lassen wir das. Ich hab` das Gefühl, dass unsere Reise jetzt am Ende ist. Geiler geht es nicht. Doch, vielleicht mit LMP, aber die wollten uns ja nicht. (Sehr fieses Grinsen)

Ok, einen noch. Bitte von jedem Mucker mal sein persönliches Lieblingslied auf „ALI“.

Christof: Darf ich auch drei sagen? „Watch me Run“, „Some People Are More Comfortable In Hell“ und neuerdings live „Mr.Marple".
Andy: Nur Gott und ich wissen, welche Überwindung ihn jetzt diese Aussage gekostet haben muss. Weil das ein Song von mir ist. Mein Lieblingssong ist „Watch Me Run“, weil Christof den geschrieben hat und Slick den singt. 
Haan: Sag nicht immer HAAAAN, ich heisse Häään! (Ich finde aber, er sieht aus wie ein Hahn...) „The Christ of Slick´s Handy“

Kurzes Schweigen meinerseits, dann fällt mir ein, dass es der letzte Song ist und ich den mehr als komisch finde...

Slick: „Sunflowers!!!“

Neiiiiiin!

Alle: Doch, „Sunflower“ immer, das ist immer dabei. Da braucht man gar nix zu zu sagen.

Ich bin aber immer noch verwirrt, wenn ich den Song auf CD höre.

Christof: Ja, das ist gut, das ist doch großartig. Kennst Du „Destroyer“ von KISS?

Ja natürlich.

Andy: Ja, Mann wenn ich das sage, klingt das immer gleich überheblich. Aber ... (Christof fällt ein)
Christof: Guck, da sind auch die großen Rocksongs drauf und eben „Beth“. 
Andy: Immer diese Frauen. Und Du mit deinen unterschwelligen Subtexten, das passt mir nicht.
Haan: Ich geh mir jetzt einen kloppen und ess dann was. 
Slick: Jungs, hört auf. Bis einer heult!

... sprachen sie albern und kichernd und verteilten sich im Nichtraucher-Backstage, um sich noch auszuruhen. Supernettes Interview mit einer gutgelaunten Truppe, die sogar fragte, wie es einem denn so persönlich geht. Hat Spaß gemacht.


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