Geschrieben von Freitag, 08 Februar 2013 11:10

Entera – Interview zum Album “The War Goes On“

Seit Anfang der Neunziger rocken ENTERA den Saarbrücker und heute Nürnberger Raum. Mit Herzblut und Eigeninitiative wurde uns nun ihr fünftes Thrash Album zwischen die Beine geschleudert. Da haben wir nachgefragt und erfahren, warum Schach spielen besser als Krieg ist und dass Amps und Boxen ziemlich viel wiegen.


Hallo zusammen! Wie geht's euch zurzeit?

Carsten: Im Moment richtig gut. Wir bekommen sehr gute Kritiken zu unserer CD, spielen einige Gigs und fangen nebenher schon an, neue Songs zu schreiben.

Vor 23 Jahren wurde ENTERA gegründet. Wie kamt ihr zum Thrash Metal?

Carsten: Ich höre seit ca. 1984 Metal. Zum Thrash Metal kam ich hauptsächlich durch SLAYER und ANNIHILATOR. Vorher hörte ich fast nur VENOM. 1989 habe ich dann mit dem Musik machen angefangen und es fanden schon erste Proben mit ENTERA statt, gegründet haben wir uns aber erst 1990.

In der Bandgeschichte ist schon einiges passiert. Leider sind schon zwei ehemalige Mitglieder verstorben und es gab weitere Besetzungswechsel. Wie hat die Band das – vielleicht auch musikalisch – beeinflusst?

Carsten: Das hat natürlich Einfluss auf die Band. Jeder neue Musiker hat einen eigenen Stil und Ideen. Das finde ich auch gut, so lange sich der Stil nicht so weit verändert, dass man die Band nicht mehr erkennt. Dann sollte man eher die Band umbenennen.

Als Jürgen (Jürgen Peters, Gitarrist) gestorben ist, dachten wir auch drüber nach, die Band aufzulösen, haben dann aber trotzdem weiter gemacht. Holger (Gitarrist der ersten ENTERA CD „Betrayal Against Time") ist gestorben, da war er schon ein paar Jahre ausgestiegen. Da stellte sich die Frage nach dem Auflösen nicht. Trotzdem war es schlimm, da wir noch regelmäßig Kontakt hatten. Beabsichtigt sind die Besetzungswechsel nicht. Manchmal kommt es einfach zu Situationen, da gibt es leider keine andere Möglichkeit.

Das neue Albumcover zeigt eine zerstörte Stadt, passend zum Titel. Geht es euch auch um politische Aussagen?

Carsten: Nein, politisch würde ich das nicht nennen. Der Mensch führt seit ewigen Zeiten Krieg und es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Wir halten uns für so intelligent, aber schaffen es nicht, ohne Gewalt auszukommen.
Auf der aktuellen CD ist der Song „Bellum Stativum" drauf. Da geht es um den Stellungskrieg in Verdun im ersten Weltkrieg. Es sind unglaublich viele Menschen gestorben, aber wirklich vorwärts ist keiner gekommen. Nach dem Kriegsende waren beide Seiten fast an der gleichen Stelle. Hätten sie sich die ca. drei Jahre gegenübergestanden und nur Schach gespielt, wäre das Ergebnis gleich gewesen, aber viele hätten weitergelebt.

Wie ist denn die neue Scheibe entstanden? Klassisch im Proberaum oder vieles am Computer?

Jürgen: Wir haben die Tracks ausschließlich im Proberaum geschrieben. Die Songs entstehen immer in Gemeinschaftsarbeit. Meistens ist es so, dass jemand ein Riff oder eine Idee hat und daraus entsteht dann so nach und nach ein Song.

Carsten: Mir ist es wichtig, dass jedem in der Band auch wirklich jedes Riff und jeder Takt in einem Song gefällt. Ich brauche auch eine Band, die sich im Proberaum trifft. Wenn die Musiker so weit voneinander weg wohnen und sich dann nur für Gigs und ein paar Proben treffen, das wäre nichts für mich.


Wenn ihr einem völlig Unwissenden erklären müsstet, wie sich „The War Goes On" anhört, was würdet ihr ihm sagen?


Jürgen: Das ist schwer zu beantworten, da sich jeder Song vom anderen unterscheidet. Aber wenn ich Vergleiche ziehen müsste, dann würde ich sagen, es hört sich teilweise etwas wie SLAYER oder MEGADETH an.

Carsten: Ich würde es als Thrash Metal beschreiben, so etwa in die Richtung SLAYER, TESTAMENT, ANNIHILATOR, EXODUS. Wobei wir versuchen, was Eigenes zu machen. Auch unser Sound soll anders sein als der von anderen Bands. Bei uns hörst du auf der CD auch nur drei Instrumente und auch nur drei Stimmen. CD und Live sollen bei uns so nah wie möglich beieinander liegen.

Welche musikalischen Richtungen hören die Mitglieder von „Entera" denn zu Hause?

Jürgen: Ich höre eigentlich querbeet alles, was mir gefällt. Ich beschränke mich dabei nicht nur auf Metal. Ich versuche da immer offen zu sein.

Carsten:
Am meisten höre ich Thrash und Death Metal. Nebenbei noch ACCEPT, IRON MAIDEN, AC/DC und ein wenig Punk. Dann natürlich noch die beste Boy Band der Welt: Die COMEDIAN HARMONISTS.

Da ihr aus Nürnberg kommt: Ich kenne die kleinen Würstchen und Lebkuchen. Gibt es bei euch weitere empfehlenswerte, regionale Kost?

Carsten: Da ist Jürgen der richtige Ansprechpartner. Ich bin nur ein zugezogener Saarländer.

Jürgen: Eine Spezialität, die man empfehlen kann, ist das „Schäuferle". Das ist das Schulterstück vom Schwein, serviert mit Kartoffelkloß.

Welche Sportart verfolgt ihr am meisten: Fußball, Eishockey, Ballett oder Handball?

Jürgen: Bin kein Sportfan und bekomme das allenfalls am Rande mit.

Carsten: Da bekomme ich nur die Länderspiele der Deutschen mit, ansonsten mache ich nur Musik und sammle CDs.

Und welches Getränk passt am besten zu Thrash Metal – Wein, Bier, Whiskey oder was anderes?

Jürgen: Klare Antwort: Bier. Alles andere würde man sonst beim Headbangen verschütten, haha ...

Carsten: Da ich keine Alkohol trinke – Cola!

Ihr habt bei Konzerten schon mit einigen Bands die Bühne geteilt. Gibt's da lustige Anekdoten?

Carsten: Da gibt es in der Tat einiges. Auf einem Konzert 1993 ist ein Teil der Bühne zusammen gebrochen. Als wir unser Zeug reingetragen haben, schaute ich mir die Bühne an und habe dann zusammen mit dem Gitarristen beschlossen, dass wir unser Zeug auf einen extra Tisch neben die Bühne stellen. Dafür wurden wir ausgelacht. Das Lachen danach haben wir uns aber verkniffen. Es gingen einige Amps und Boxen zu Bruch.

Auf einem anderen Gig spielten wir als zweite Band, haben unser Zeug aufgebaut und wollten einen kurzen Line Check machen. Der Drummer hörte nichts auf seinem Monitor und ich verfolgte das Kabel zurück. Es hat sich dann rausgestellt, dass die erste Band ihren Teil der Backline abgebaut und mitgenommen hatten, so dass wir weder am Drum noch vorne einen Monitor hatten.

Was habt ihr für das kommende Jahr 2013 geplant? Viele Konzerte oder lieber neue Songs schreiben?

Jürgen: Für 2013 konzentrieren wir uns darauf, neue Songs zu schreiben.

Carsten: Es steht nach den zwei Gigs im Februar eine längere Live Pause an. Wann es genau weiter geht, ist noch offen. Neben Songs schreiben möchte ich noch ein weiteres Video zu einem Song fertig stellen, auch die Planungen für eine DVD gehen voran.

Vielen Dank für das Interview!

Carsten: Gruß an alle Leser und Fans. Schaut ab und an mal auf unsere Homepage www.entera.org!