Geschrieben von Mittwoch, 07 August 2013 19:15

Smile And Burn - Interview zu "We Didn't Even Fight Yet"

SMILE AND BURN spielen melodischen Punkrock, der von poppig über Hardcore zu tanzbar geht – immer extrem ausgetüftelt, sehr ausbalanciert und voller Details. Ich habe die Jungs in diesem Jahr zwei Mal live sehen dürfen und bin seitdem Fan. Ihr letztes Album "We didn't even fight yet" ist einfach nur der Knaller. Um etwas mehr über die Berliner zu erfahren, sprachen wir mit Bassist Chris.

Bitte stell dich und deine Band unseren Lesern vor.

Absoluter Gurkentruppenverein aus Berlin Marzahn. Drahtseilakt aus Großstadtmelancholie und Klassenclown.

Wie würdest du eure Musik beschreiben und welchen Schritt habt ihr vom letzten Album bis zum neuen gemacht?

Genau dieselbe Frage gab es neulich in einem THE WONDER YEARS Interview. Was Soupy da geredet hat, von wegen der Sound ist 'more mature' und 'cathartic moment' ... – die sind eine super Band, aber die Musik ist einfach der gleiche klassische Poppunk wie vor Jahren. Wir lernen daraus, dass die Künstler an dieser Stelle – wenn es zu einer Selbsteinschätzung kommt – einen blinden Fleck haben. Ich werde also konsequenterweise nie wieder auf diese Frage antworten.

Ihr habt sehr sonnige, teilweise tanzbare Stücke und dann auch wieder ein paar Hardcoresongs. Wie wichtig ist euch die Abwechslung und was kann man in diesem Sinne noch von euch erwarten?

Wir haben vor einer Woche zum Testen und Üben ein paar Beats aufgenommen, darunter waren drei Samples vom aktuellen MACKLEMORE Album, eines von PRINZ PI, eines vom DAFT PUNK-Hit und eines von BOSSE. Gestern habe ich mir dann im Dussmann die 'Flamencografie' und 'Jazz Guitar Master Class' gekauft. Und wenn ich dazu noch Philipps neue Warmsing-Übungen höre... also, wird eine aufregende Zeit werden.

Was würdet ihr denn am liebsten noch mal in euren Sound integrieren, wenn es organisch klingt?

Bislang steht eigentlich nur fest, was auf keinen Fall reinkommt: ein Akkordeon – das ist das schlimmste Instrument der Welt und hässlich wie die Sünde. Da beim Saxophon alle Stimmen gegen mich stehen, wahrscheinlich auch das nicht.

Klär uns mal über euer Mixtape auf und wie die Idee zu Stande kam.

Wenn du von einer Release-Tour wieder zurück bist und dich eine Woche später allein aus Routine im Proberaum triffst, dann stellt sich sofort die Frage, was du jetzt eigentlich machen sollst. Aus heiterem Himmel das nächste Album anzufangen, macht irgendwie gar keinen Sinn, aber der Künstler in dir braucht das nächste Projekt. Ich wollte ein B-Seiten Album, Wolli ein Live-Album, Chris ein Cover- Album und in Akustik waren wir ohnehin schon immer richtig schlecht. Doch als ich dann eines Tages auf der 'Boombox+X' den Remix von 'Behaviour' gehört habe und wir plötzlich auch noch einen Pianisten im Freundeskreis hatten, lag alles auf der Hand. Zugegeben, das war das erste und einzige Mal, dass wir völlig offensichtlich, bewusst und dreist eine Idee von den BEATSTEAKS geklaut haben. Gerade das ist aber natürlich keinem Schlaumeier aufgefallen.

Habt ihr überhaupt noch Tapedecks zuhause?

Ja, aber wie auf dem zugehörigen Promovideo zu hören ist, sind die absolut dysfunktional. Wir haben zwar Vinylsammler, Mini-Disc-Nostalgiker und mich als echten mp3-Hooligan in der Band, aber so ein Tape zu haben, das ist einfach nur eine Frage der Punkerehre und von wertvollen Credibility Points in der Szene. Dementsprechend war aber auch klar, dass da unter keinen Umständen Punk drauf sein darf. Ich zitiere Fischi vom Kassettenlabel 'Mustard Moustache' (von uns deshalb auch liebevoll Herr Senfbart genannt): "Oh! Nicht gerade das, was ich erwartet hatte... aber wir ziehen das jetzt trotzdem durch." Guter Mann!

Wie ist eure Tour gelaufen?

Wir haben es geschafft, zwei Wochen am Stück Wortwitze zu reißen über Glenn, den Bassisten von ANTILLECTUAL ('Yes, we Glenn'; 'Glenn Stefani'), über Künstler, die wie Früchte klingen ('Bananas Morissette'; 'Berry White') und über die sinnvolle Aneinanderreihung von Bandnamen ('30 Seconds to Bruno Mars Volta') – da zieht es einem hier und da schonmal die Hosen aus.

Obwohl ihr vermutlich von ganz anderen Bands beeinflusst worden seid, klingen zwei, drei eurer Songs im guten Sinne ab und zu wie eine jugendliche und punkigere Version der BEATSTEAKS. Kannst du etwas mit diesem Vergleich anfangen?

Ich hab' mich letzte Woche mit Philipp getroffen, um an Ideen für das nächste Musikvideo zu arbeiten. Stattdessen haben wir aber pünktlich zum Release einen 'Muffensausen' Filmabend gemacht. Das sagt wohl einiges. Nichtsdestotrotz sind wir aber nunmal fünf Leute in der Band, von denen der Rest eben auch seine Ideen wo anders klaut. Ich persönlich nehme meine Riffs auch eher aus anderen Quellen. Hast du dir zum Beispiel mal A WILHELM SCREAM auf halber Geschwindigkeit angehört?

Mit der Prom Queen seid ihr ja auch mit einer PR-Firma verbandelt. Magst du das kurz erläutern?

Ihr wisst ja sicher selber, dass – egal wie groß oder klein der Blog, egal wie Underground oder Fame das Fanzine – man einfach nicht mit jeder Band, die anfragt, ein Interview machen kann (oder Feature, oder Tourpräsentation). Die Erfolgschancen für sowas werden bandseitig jedoch durch Dinge wie eine seriöse E-Mailadresse, einen pompösen Firmennamen und Logo sowie durch geschäftsmännische Schreibe drastisch erhöht. Das ist wie beim Sex: Es fühlt sich am Anfang irgendwie idiotisch an, aber wenn es dann läuft, hinterfragt man den Mechanismus nicht mehr und plötzlich kommen auch noch andere Angebote hereingerollt.

Welche Vorteile hat das und wie viel Mehrarbeit macht das?

D.I.Y. macht immer einen Haufen Arbeit und so romantisch wie es klingt, muss man wohl auch aufpassen, dass du dich nicht jeden Tag nach drei Stunden Mails tippen am Schreibtisch wieder findest, während dein Bass in den Untiefen des Raumes verstaubt. Ist jetzt auch nicht so, als hätten wir nicht versucht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber mit schmalem Budget und den Hinhaltetaktiken, die im Business so üblich sind, ist es manchmal besser, sich einfach selber die Hände schmutzig zu machen. Mit PromRide hat die Queen jetzt auch endlich einen großen Bruder in Form einer Busvermietung, du siehst also das PromEmpire wächst täglich.

Was passiert im Rest des Jahres noch mit SMILE AND BURN?

Wir spielen nächste Woche zweimal mit den Bouncing Souls, wird also schwer, danach nochmal einen Höhepunkt zu setzen. Andererseits könnte es in Anbetracht der Tatsache, dass wir im August noch auf dem Horst Festival spielen und dann im September wahrscheinlich mit den 'Detectors' in den Sommerurlaub fahren, auch gar nicht mal so schwer werden. Ansonsten natürlich den nächsten musikalischen Geniestreich in unseren Planungsbüros entwickeln.

Famous Last Words?

Diese BEATSTEAKS-Vergleiche müssen aufhören. Der Druck ist unaushaltbar und außerdem redet die Szene schon hinter unserem Rücken. Für alles andere: awesome reach.