Geschrieben von Sonntag, 01 Dezember 2013 12:52

Epysode - Interview zu "Fantasmagoria" mit Samuel Arkan

Mit „Fantasmagoria" hat Gitarrist und Songwriter Samuel Arkan mit seinem Projekt EPYSODE ein megastarkes Konzept-Album auf den Markt geworfen und es geschafft, das hochgelobte Debüt „Obsessions" noch zu toppen. Grund genug, mal bei Samuel anzuklopfen und ihm ein paar Fragen zu stellen.

Hey Samuel, wie geht's dir?

Hi Dirk. Mir geht's sehr gut, danke.

Dein aktuelles EPYSODE Album „Fantasmagoria" hat bei uns 9 von 10 Punkten eingefahren. Wie bist du jetzt, da die Veröffentlichung ein paar Wochen zurück liegt, mit den ersten Reviews und Kritiken zufrieden?

Es ist großartig, diese vielen positiven Reaktionen zu unserem zweiten Album zu lesen. Es sieht so aus, als ob das Album sehr gut ankommt, und das freut mich auch besonders für die Musiker, die neben mir alle daran beteiligt waren. Wir haben unser ganzes Herzblut und jede Menge Energie in diese neue EPYSODE gelegt, daher freuen uns die vielen guten Reviews natürlich sehr.

Was war die Idee hinter dem Projekt EPYSODE, als du 2011 damit losgelegt hast?

Die Idee entstand schon Jahre vorher. Ich lese sehr gerne, vor allem Thriller, und da lag es nahe, auf dieser Basis auch Musik zu schreiben. Das war der Startschuss für EPYSODE. Die Hauptidee war, eine durchgehende Story mit nicht allzu vielen Charakteren zu schreiben, um dadurch mehr Zeit zu haben, auch von den jeweils anderen zu lernen.

Wusstest du während der Arbeiten zum Debut „Obsession" schon, dass du einen zweiten Teil schreiben wirst?

Natürlich habe ich mir das sehr gewünscht, das kannst du mir glauben. Aber der erste Teil war in meinen Augen schon sehr gut, und viele unglaublich talentierte Musiker waren involviert. Ich habe für den zweiten Teil einfach gewartet, bis die zündende Eingebung kam. Die, die mich inspiriert hat, mit einem neuen Line Up den ersten Teil noch toppen zu können.

War der Druck beim Nachfolger größer als beim Debüt, das ja tatsächlich ordentlich gute Kritiken eingefahren hat, oder lief alles relativ relaxed ab?

Relaxed work? Nicht wirklich ... haha. Ich war zwar nicht so unter Druck, aber ich hatte natürlich immer den eigenen Anspruch, es besser zu machen. Ich habe viel während den Arbeiten zum ersten EPYSODE Album gelernt, daher bin sehr enthusiastisch an „Fantasmagoria" heran gegangen. Weißt du, es ist ein Job, der viel Zeit in Anspruch nimmt und viel Energie von einem fordert, wenn du etwas Gutes abliefern willst. Also Druck ja, aber eher auf die Arbeit an sich bezogen und nicht persönlicher Natur.

Neben dir sind auf "Fantasmagoria" eine ganze Reihe großartiger Musiker dabei (z.B. Tom Englund / EVERGREY, Ida Haukland / TRIOSPHERE, Henning Basse / Ex METALIUM). Wie bist du mit den Leuten in Kontakt gekommen und wie hast du entschieden, wen du bei welchem Song hören möchtest?

Einige sind schon seit Jahren meine Freunde, andere kennt man von Festivals oder Konzerten, andere sind Labelkollegen. Der einfachste Weg war daher für mich, meine Songideen per Email an die betreffenden Musiker zu verschicken und dann zu warten, bis ein „Yes" kommt. Was die Sänger angeht, entwickelte sich während des Songwritings eine genaue Idee, wie die Stimmen der einzelnen Charaktere der Story klingen sollen. Also war es dann mein Job, mir viel Musik anzuhören und die Sänger zu finden, welche die Hauptdarsteller mit ihren Stimmen perfekt interpretieren können.

Warum hast du deine Gastmusiker alle nach Belgien ins Studio eingeladen, um ihre Parts einzuspielen bzw. einzusingen. Wäre es nicht einfacher gewesen – und wahrscheinlich auch wesentlich kostengünstiger  dir die einzelnen Parts per Email zuschicken zu lassen und sie nachträglich zusammenzusetzen?

Ich wollte nicht, dass sich das Endergebnis wie eine „kalte" Internetzusammenarbeit anhört, also ohne den nötigen Spirit. Es sollte sich wie eine Band anhören. Daher sind alle Muisker nach Belgien in die Noise Factory Studios gekommen und wir haben „Fantasmagoria" wie eine normale Band aufgenommen. Außerdem hatten wir dadurch alle die Möglichkeit, noch Ideen auszutauschen und zusammen an den Songs zu arbeiten, was dem Ganzen eine sehr spontane Seite gegeben hat.

Julien Spreutel war erneut für die genialen Arrangements und Keyboardpassagen verantwortlich. Was kannst du über die Zusammenarbeit mit ihm sagen?

Julien ist ein super netter Typ und ein unglaublicher Musiker und Komponist. Er ist sehr wichtig für EPYSODE, weil er sofort die Ideen umsetzen kann, die ich in meinem Kopf habe. Er weiß genau, was ich zum Beispiel auf der Gitarre hören will. EPYSODE ist daher nicht das Projekt eines Mannes. Julien hat zwei Tracks geschrieben und viele Songs zusammen mit mir arrangiert. Wir haben wirklich hart zusammen gearbeitet, hatten dabei aber auch unglaublich viel Spaß. So hat eigentlich jeder Musiker seinen Teil dazu beigetragen, dass EYSODE wie eine Band klingt. Und das, finde ich, hört man auch, wenn man in dieses musikalischen Abenteuer eintaucht.

„Fantasmagoria" klingt vom Sound her unglaublich druckvoll und akzentuiert. Wer hatte die Finger an den Reglern?

„Fantasmagoria" wurde in den Hansen Studios in Dänemark von Jakob Hansen gemischt und gemastert. Ich wollte unbedingt mit ihm zusammen arbeiten, weil ich seine Arbeit (u.a. AMARANTHE, VOLBEAT, PRIMAL FEAR) sehr bewundere und ihn für einen der besten Produzenten überhaupt halte. Ganz nebenbei ist er ja auch noch Musiker und Sänger (BEYOND TWILLIGHT oder ANUBIS GATE) und daher weiß er auch aus der Sicht eines Musikers, wie ein Album klingen muss. Er weiß genau, wo welches Instrument hingehört, und das war im Falle von „Fantasmagoria" gar nicht so einfach, weil wir teilweise sehr viele Tracks für einen Song hatten. Sehr schwer, dafür die richtige Balance zu finden, aber er hat es perfekt hinbekommen.

Hinter „Fantasmagoria" steckt ein Konzept. Würdest du uns mal erzählen, um was es in dieser Geschichte geht?

Also, „Fantasmagoria" ist eine durchgehend komplett neue Geschichte, die einige Jahre nach dem Ende des ersten Teils stattfindet. Über Wochen hält ein Mörder die Polizei in Atem und verschickt sehr kryptische Botschaften. Leichen werden gefunden, die an Stühle gefesselt sind und von hunderten Wunden übersäht, die von Rosendornen verursacht wurden. Klein, aber in ihrer Menge groß genug, um die Opfer verbluten zu lassen.

Als Charaktere hast du den Profiler Shawn (der im ersten Teil der neunjährige Junge war, der von dem Killer gekidnappt wurde) und die junge Journalistin Jordane, die den Tod ihres Vaters rächen will, der ebenfalls von dem Dornen-Killer getötet wurde. Die neurotischen Geschwister Ione und Amy, die nahe des Wahnsinns sind und denen der Priester Jarno verspricht, zu helfen. Aber der Pfad zwischen Engeln und Dämonen ist schmal ... Wie sich daraus die Story zusammensetzt, solltet ihr euch selbst anhören. Natürlich fehlen auch die ganzen übernatürlichen Elemente nicht, die sich durch die ganze Geschichte ziehen.

Ich konnte nirgendwo einen Hinweis finden, wer für das starke Coverartwork verantwortlich ist. Ich habe einen Freund, der sich sogar schon überlegt hat, sich das Bild als Tattoo stechen zu lassen. Wer ist der Künstler?

Haha, da stimme ich dir zu, es würde großartig als Tattoo aussehen. Die Künstlerin des Artworks ist Alexandra V. Bach, eine französische Illustratorin, die auch schon Cover von KAMELOT oder SOLISIA entworfen hat. Sie hat tatsächlich für „Fantasmagoria" eine super Arbeit abgeliefert und ist nebenbei auch noch ein unglaublich netter Mensch.

Hast du beim Songwriting zu „Fantasmagoria" irgendwas geändert, oder bist du genauso vorgegangen wie beim Debüt?

Ich kann dir gar nicht sagen, ob ich was bewusst geändert habe. Ich habe das Album mit der Erfahrung, die wir beim ersten Album „Obsessions" gesammelt haben, geschrieben und hatte dadurch mehr Vertrauen in meine Vorgehensweise, weil ich jetzt wusste, welcher Schritt nach dem vorherigen kommen muss.

Was kommt bei dir während des Songwriting Prozesses zuerst, die Lyrics oder die Musik?

Ganz klar die Musik. Als ich die Storyline von „Fantasmagoria" gelesen habe, konnte ich die Musik quasi in meinem Kopf hören. Ich kann mit Musik am besten Emotionen ausdrücken, daher ganz klar: die Musik kam zuerst.

Für welchen Song hast du am längsten gebraucht, bis er fertig war?

Ich glaube, das war „Forgotten Symphony", weil wir da so viele unterschiedliche Arrangements benutzt haben. Klassische Passagen usw., das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen.

Samuel, kannst du uns etwas zu dem Equipment sagen, das du benutzt? Welche Gitarren, Amps und Effekte benutzt du vorrangig?

Ich habe während der Aufnahmen hauptsächlich Marshall Boxen und unterschiedliche Amps wie Mesa Boogie oder Engl benutzt. Für die akustischen Gitarrenparts habe ich meine Godin verwendet, die elektrischen Gitarren habe ich mit meiner persönlichen Regius 7 string SCORPIO von Mayones eingespielt.

Planst du mit EPYSODE auf Tour zu gehen und wenn ja, denkst du, du könntest es schaffen, alle Musiker, die auf dem Album zu hören sind, mit auf die Bühne zu bekommen?

Wir werden quasi als Weltpremiere zum ersten Mal auf dem PPM Fest (Power & Prog Metal Fest) in Belgien im April gemeinsam auf der Bühne stehen, worauf wir uns alle sehr freuen. Es wird ein Spaß, uns dann endlich den Fans präsentieren zu können. Wir haben auch eine kleine Tour mit dem Album Line Up im Auge. Im Moment sieht es sehr danach aus, als wenn wir da was auf die Beine stellen könnten.

Welche Musiker haben dich maßgeblich beeinflusst?

Oh Mann, da gibt es so viele. Dimebag Darrell, Joe Stariani, Tote Ostby, David Gilmour, John Petrucci, um nur ein paar zu nennen.

Was war der Grund für dich, mit dem Gitarrespielen anzufangen?

Ich glaube, das war ein AC/DC Gig. Ich war total umgehauen von diesem kleinen Mann auf der Bühne, der mit seiner Gitarre so eine Energie raushauen konnte. Da habe ich entschieden, mein Taschengeld zu sparen und mir eine Gitarre zu kaufen. Und dann habe ich angefangen, die Ohren meiner Freunde zu malträtieren, hahaha!

Ich weiß, das ist immer schwer, aber welches sind deine persönlichen All-time Top Ten Alben?

1. Ark – Burn the Sun
2. Evergrey - In Search of Truth
3. Soilwork – Stabbing the Drama
4. Dream Theater – Metropolis part 2 - Scenes from a Memory
5. Symphony X – V
6. Pantera – Cowboys from Hell
7. Beyond Twilight – Section x
8. Kamelot – Ghost Opera
9. Ayreon – 01
10. Angra – Holy Land

Und für welches Album hast zu zuletzt Geld auf die Theke gelegt?

IN FLAMES – Sound Of A Playground Fading

Was macht Samuel Arkan, wenn er nicht Musik macht? Welche Hobbies oder Leidenschaften hast du neben der Musik?

Ich liebe es, mich bei einem Buch zu entspannen. Ich lese sehr viel. Ich liebe es, mittelalterliche Plätze und Festivals zu besuchen. Ich bin süchtig danach und laufe da auch oft in einem Magierkostüm herum, hahaha ... Außerdem liebe ich Videospiele und gehe sehr gerne ins Kino.

Wenn du dir eine Wunschband mit deinen Lieblingsmusikern zusammenstellen könntest, wie würde das Line Up aussehen?

Hahaha, wie das von EPYSODE natürlich. Das ist das Glück, wenn du ein Projekt ins Leben rufst: du kannst dir dein Line Up selber aussuchen.

Hast du ein paar abschließende Worte für unsere Leser?

Ich danke dir und den Lesern für allen Support, den ihr EPYSODE und dieser tollen Musik namens Metal gebt. Passt gut auf euch auf und ich hoffe, wir treffen uns auf dem PPM Fest oder auf einer Show unserer Tour.

Samuel, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Auf dem PPM Fest werden wir uns mit Sicherheit über den Weg laufen. Viel Erfolg weiterhin mit EPYSODE.

EPYSODE on FACEBOOK

Reviews / Artikel dazu