Geschrieben von Montag, 16 Juli 2007 13:12

Headbangers Open Air 2007 - Der Bericht




 

Link: http://www.headbangers-open-air.de

Donnerstag, 12 Juli 2007. Es regnet in Strömen und das seit Tagen. Bösartig beäuge ich den nordeutschen tiefgrauen Himmel und beschließe, für 2 Tage Headbangers Open Air unglaublich viele Klamotten einzupacken. Von 10 bis 35 Grad muss alles dabei sein, ich hab keinen Bock, mir wie auf dem RHOA wieder die Nase blau zu frieren.

Freitag morgen: Regen. Seufzend beschliesse ich, ganz viel Lust zu haben. Um 11 Uhr werde ich abgeholt und auf dem Weg nach Brande-Hörnerkirchen klart es tatsächlich auf. Da wir mal damenhaft elegant über Land fahren wollten, nehmen wir auf dem nicht ausgeschilderten Weg von Westen her so ziemlich jeden Maiskolben mit, der da so rumwächst. Nach einigen halb gefluchten und halb laut gelachten Umwegen entdecken wir ein grünes Auto, welches eindeutig genauso ratlos mitten in der nordeutschen Tiefebene steht wie wir. Wir folgen dem Gefährt sehr unauffällig. Und dann sind wir doch da. Müssen zehn Minuten warten, weil die Herren von SINNER erstmal einen kleinen Plausch mitten auf dem Feldweg halten und treffen dann schnell unsere Leute auf der Weide.

Zelt aufgebaut, Bier aufgemacht und begeistert das immer schönere Wetter betrachtet.

Am Abend vorher lief bereits die Pre-Show, die jetzt ins Festival integriert ist und nicht mehr mitten im Ort stattfindet. Laut Zeugenaussagen war der Platz da schon extrem gut gefüllt und die Stimmung bombastisch, trotz des noch nassen Wetters. Der Job macht einem aber manchmal Striche durch die Festivalrechnung, und so verpassen wir auch heute die ersten beiden Bands. ETERNAL LEGACY und KAOS spielen also ohne uns auf.

Bei dem erstaunlich muffeligen, ja fast schon unfreundlichen Menschen am Eingang holen wir dann die Pässe (komisch, der war sonst immer so lieb...) und gucken uns erstmal um. Sieh an, der Vorgarten ist dieses Jahr Sperrzone. Thomas Tegelhöfer und seine Crew haben den Markt und die Fressstände dieses Jahr am Eingang des Camps aufgebaut, was zu einer schönen Entzerrung des Festivals führt. Man flaniert so herum, flirtet mit einem irre großen ungarischen Hirtenhund und freut sich über Pommes. Endlich Pommes, juchu! Eine viel größere Essensauswahl und mehr Marktstände als sonst runden das gewohnte Bild der letzten Jahre noch schöner ab.

Um 16:00 Uhr sehe ich dann die erste Band, RAVEN BLACK KNIGHT. Der doomige Metal der Australier reisst das Publikum zur besten Kaffeezeit noch nicht so ganz aus dem Tran, die Stimme des Sängers ist jedoch beeindruckend. Leider ist der Sound ein wenig matschig. Aber die LED ZEPPELIN/DEEP PURPLE – Einflüsse lassen doch ein wenig mitwippende Stimmung aufkommen.

Von KALEDON guck ich nur den Anfang. Sie spielen epischen Fantasy Metal und ich habs ja nicht so mit Drachen. Typischer hoher Gesang und nicht enden wollende Doublebassdrums: genau das, was man erwartet hat. Aber das reisst mich leider so gar nicht mit. Ist eindeutig Geschmackssache.

BEYOND FALLEN sind dann schon eher meine Richtung. Mit einer kraftvollen und eindrucksvollen Performance wecken sie die letzten Kaffeetanten auch noch auf. Mir gefällt der engagierte Auftritt sehr. Besonders die Riffs beeindrucken einen, an denen kann man sich glatt die Finger schneiden: messerscharf.

Zwischendrin erscheint dann auch Kollegin Sylvia, die noch länger in Ahaus arbeiten musste und sich dann erstmal lustig durch den Ferienverkehr quälen durfte. Da aber schon alles aufgebaut ist im Camp, ploppt das erste gute Bier auf, und ab geht es wieder zur Bühne. Sie wird übrigens genauso angemuffelt vom Eingangs-Menschen. Mei, was haben wir dem denn getan...

PARAGON um 19:00 Uhr. Na, da sind wir aber mal gespannt, wie sich der neue Basser Dirk so macht. Beim zehnten HOA dürfen die Hamburger natürlich nicht fehlen, sie waren ja schon vor zehn Jahren mit am Start. Sänger Buschi ist gut bei Stimme und die Kollegen metallern eifrig mit. Aber sorry, Dirk spielt gut, doch die latente Bösartigkeit von Ex-Basser Jan Bünning fehlt halt einfach. Er wird mich für den Vergleich hassen, aber sein Gene Simmons-artiges Gestampfe auf der Bühne war einfach das Tüpfelchen auf dem i, wenn man von der Performance ausgeht. Musikalisch sind sie tough und hart wie gewohnt. Den Vogel schießt ein Gast ab, der ein wenig mitträllern darf, und als ihm die Setlist gezeigt wird und er den Song ansagen soll, brüllt er eifrig aber leider ganz falsch „Soloooo!!“ ins Publikum. Nunja, das üben wir nochmal. War aber sehr niedlich.

Schnauf, schnauf, das Billing lässt dieses Jahr kaum eine Pause zu. WARNING SF folgen und erledigen den Rest, der nach PARAGON noch stehen kann. Aber eiskalt. Sie sind überragend gut, die Amis von übern großen Teich! Thrash und Doom, vereint mit einer mitreißenden Performance. Dazu sehr schöne Melodien. Mehr davon bitte. Das Publikum stampft alles in Grund und Boden, kriegt die Arme nicht mehr runter und den Kopf nicht mehr still. Wahnsinn.

Die putzigen Hollländer von VENGEANCE haben die Symphatien wie immer sofort auf ihrer Seite. Nach dem fulminanten Reunion-Gig auf dem BYH 2006 haben sich viele auf die Performance der Käsköppe gefreut, und sie werden nicht enttäuscht. Seit 1983 existiert diese Band, und besonders die charismatisch-lustige Performance von Sänger Leon Gowie ist einfach nur toll. VENGEANCE waren schon immer angesehen für ihre positive Lebenseinstellung, und genau das kommt auch an diesem Sommerabend rüber. Sie rocken drauflos als wenn sie nie weg gewesen wären, und das Publikum empfängt und feiert sie begeistert mit.

Die Mannen um Matt SINNER entern dann kurz vor 23 Uhr die Bühne. Kurz vorher hatte ich noch Christof Leimsen getroffen und war arg erstaunt, dass der jetzt bei SINNER spielt. Wie peinlich, hatte ich mal wieder nix mitbekommen. Die Deutschen kamen wie erwartet sehr gut an, sie brachten Lieder aus allen Schaffensperioden und Leimsen legte sich aber mal so richtig ins Zeug. Ich fand den Sound ganz schlimm, alle anderen fanden ihn gut bis toll. Mir dämmerte, ich hatte mir einen kleinen Tinnitus geholt. Dem war auch so. Ich Depp. Ohrenstöpsel vergessen... Also der Sound war wirklich okay, und bei „Born To Rock You“ brannte der Garten endgültig. Wunderbarer Auftritt, SINNER haben gezeigt, dass sie noch immer routiniert und mit Spaß in den Backen die Fans mitreißen können.

Bei der letzten Band des Abends, den amerikanischen HALLOWEEN, passiert es dann: Ich bin wie immer kurz mal nach vorne gehuscht zum Fotos machen. Irgend so ein äußerst schlecht gelaunter, aggressiver Blödsack findet meine Wenigkeit wohl derbe störend und ballert mir mit voller Wucht seine Faust an den Kopf. Ich möge bitte aus dem Weg gehen, sollte das wohl heissen. Mit bösem Kopfschmerz schleiche ich betrübt ins Zelt. So ja nun nicht, liebe Metaller. Ich hab also nichts von HALLOWEEN sehen können, das tat wirklich weh, und ich verstehe die Aktion bis heute nicht.

Nächsten Morgen: Kopfaua ist weg, die Sonne scheint von einem knallblauen Himmel und ab jetzt übernimmt Kollegin Sylvia.

Nachdem man dann die Nacht mit der einen oder anderen Hopfenkaltschale und netten Gesprächen verbracht hatte, knallt der Lorenz am frühen Morgen unerbittlich auf die aufgestellten Zelte. Kein Wunder also, dass man sich nach wenigen Stunden wieder in die Senkrechte treibt und mittels eines, vom Magen vehement eingeforderten, Frühstückes für die folgenden Stunden wieder in Form bringt.

Denn um High-Noon spielen DECEPTIVE SILENCE zum Mittagsbuffett auf. Die Hamburger sind die Gewinner des Bandbattles ihrer Heimatstadt und servieren dem geneigten Frühaufsteher schwer verdaulichen Gothic Doom. Obwohl es auch im Doom-Bereich Eingängigeres gibt als die hanseatischen Soundwalzen, füllt sich der Platz vor der Bühne so allmählich. Die vier jungen Musiker legen sich ordentlich ins Zeug, um den Anwesenden einen guten Start in den Tag zu bieten. Dieses gelingt allerdings nur ansatzweise, die Stimmung ist noch etwas müde. Die Soundcrew scheint auch noch nicht ganz aufgewacht zu sein, der Sound ist im Allgemeinen so lala, die als „extravagant“ angepriesenen Vocals kommen etwas quengelig aus den Boxen. Jedenfalls ist es jetzt mit der Ruhe im Garten gegessen.

Stimmungsmäßig sieht es dann bei der folgenden Band ganz anders aus. KNIGHT ERRANT aus der Türkei betreten zum zweiten Mal nach dem WOA 2001 eine deutsche Bühne und freuen sich sichtlich, ihren melodischen Heavy Metal präsentieren zu dürfen. Schnelle, aggressive Gitarrenriffs unterstützen die Melodie, und die einzige Geige auf dem diesjährigen HOA vermittelt einen dezenten, orientalischen Folk-Einschlag. Die Musik der Türken macht richtig wach und lässt das Publikum in Null Komma Nix auftauen. Vor der Bühne werden die „HOA-Exoten“ ordentlich abgefeiert und weiterhin angestachelt.
Im Bereich vor der Bühne ist der Sound dann auch ein wenig besser als bei der vorangegangenen Band, obwohl es auf der Stage noch Probleme diesbezüglich zu geben scheint. Der Qualität dieses Auftrittes tut dieses aber absolut keinen Abbruch. Drei der Musiker sieht man noch bis nächsten Morgen um 3 Uhr am Tresen stehen und sich immer noch freuen. Sehr symphatische, liebenswerte Truppe, die hier gerne viel öfter auftreten darf

HOLLOW GROUND aus Großbritannien sind als nächstes dran. Allerdings steht dieser Gig bei uns hinter einer dringend benötigten Pause zwecks Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme hinten an. Gegen 14 Uhr ist es so brüllend heiß, dass man sich ein lauschiges, schattiges Plätzchen sucht und der Musik in bester NWOBHM-Tradition aus einiger Entfernung lauscht.

Um den Kreislauf der HOA-Besucher zu schonen, dreht man das Tempo im Anschluss wieder auf Schrittgeschwindigkeit herunter: Mit THE BLACK aus Italien dröhnt um 15 Uhr wieder Doom-Metal. Die drei Herren im fortgeschrittenen Alter können auf eine lange Bühnenerfahrung zurückblicken. Allerdings können sie das Publikum nicht im geringsten für ihre individuellen, gefühlvollen Songs begeistern, was wohl auch am nicht vorhandenen Stageacting gelegen haben muss. Die Stimmung am frühen Nachmittag auf dem Gelände ist sehr reserviert. Weiterhin beweisen THE BLACK, dass man es auf einem Live-Gig mit dem Stimmen der Gitarre auch übertreiben kann. Nach so gut wie jedem Song ist das absolut unnötig und bringt keinen roten Faden in den Auftritt.

Wie man an einem Festival-Nachmittag die Stimmung so richtig zum Kochen bringen kann, zeigen dann TAUNTED aus San Jose, Kalifornien. Aus der Thrash-Wiege Bay Area stammend, präsentieren sie Klänge der ganz anderen Sorte. Denn jetzt ist die Zeit für sehr intensiven, sehr melodischen und leicht „angedoomten“ Heavy Metal gekommen. Das während des Gigs von THE BLACK in leichte Lethargie versunkene Publikum findet sich feiernder und moshender Weise wieder geschlossen vor der Bühne ein und bereitet TAUNTED einen sehr freundlichen Empfang. Und TAUNTED bringen eine unglaubliche Energie auf die Bühne. Man sieht richtig, wie sehr sie diesen Auftritt geniessen, bekommt massive Riffs, frickelige Bass-Parts und intensiven Gesang zu hören und eine verdammt coole Live-Show zu sehen. Für uns sind TAUNTED definitiv einer der Gewinner des diesjährigen Headbanger’s Open Air.
Wie sehr diese Band vom Publikum geschätzt wird, kann man auch dann auch später beim Meet & Greet erfahren, wo sie CDs nicht nur unterschreiben, sondern auch mit strahlendem Grinsen verschenken und sich geduldig mit den Anstehenden fotographieren lassen.

NWOBHM war dann gegen 17 Uhr ein weiteres Mal angesagt. AVENGER aus dem Vereinigten Königreich sind seit den frühen 1980ern zusammen und gehören somit auch schon fast zum „alten Eisen“. Davon merkt man allerdings ziemlich wenig. Die Band präsentiert sich sehr energiegeladen und erscheint, als wenn sie sich gerade einer Frischzellenkur unterzogen hätte, was sie denn auch durch neue Songs unter Beweis stellen. Alte Hits runden das etwa einstündige Programm, das bei den Zuschauenr sehr gut ankommt, ab.

Gegen 18 Uhr bekommen wir dann die Antwort auf die Frage, warum denn auf dem Campground ein sehr großer, sehr alter Bus mit der Aufschrift BULLET herumsteht und sich als erstklassige Partyzentrale entpuppen wird. Die Schweden von BULLET geben sich ein weiteres Mal in deutschen Landen die Ehre und machen auch dem letzten Stoffel klar, dass jetzt endgültig die Zeit für Party gekommen ist. Seit dem diesjährigen Rock Hard Festival an Pfingsten haben sie auch noch mal eben fix ihren Roadie zum Bassisten befördert (und ich dachte noch, nanu? Der war gar nicht in Gelsenkirchen dabei...).
Rock in bester AC/DC-Tradition knallt aus den Boxen und verwandelt den Raum vor der Bühne in einen Hexenkessel. Die Musiker haben sichtlich Spaß und ordentlich Hummeln im Arsch und lassen eine Stunde wie im Fluge vergehen. Ihr Proll-Charme und die schicken Frisis bringen genau den richtigen Touch von einer gewissen Asseligkeit ins Gelände, was auch zu den meisten Gästen passt. So soll es sein! Ein spitzen Gig einer sehr guten Liveband.

Oh meine Güte, ist das an diesem Samstag eine drückende Hitze. Nachdem wir bei BULLET ordentlich mitgerockt haben, brauche ich während WRETCH erst mal wieder eine kurze Pause, um Kraft für die Zielgerade des diesjährigen Headbandger’s Open Air zu tanken. Mit einem vorzüglichen Nackensteak im Brötchen und leckeren Wedges erlebe ich die Amis allerdings in Hörweite, die mit ihrem aggressiven Power-Metal im 80er Stil das Publikum zu begeistern wissen.
Kat hingegen zieht es zu BULLET, die nach dem Gig verkünden, im Bus gäbe es jetzt Party. Zehn Minuten später werde ich wie ein Flummi durch das Busdach befördert und finde mich begeistert hoch über dem Gelände wieder. Bei Sicht bis fast zu meinem Dithmarschen und lecker Drinks sitzt man natürlich wie ein König über dem Ganzen. Unglaublich schöne Aktion. Zusammen mit dem jungen Basser grölte man "Strutter" von KISS, und ich bitte im nachhinein um Entschuldigung bei demjenigen, der meinen vollen Becher auf den Kopf bekam. Dem war es da oben wohl zu steil. Sorry.

Frisch gestärkt kettet Sylvia sich später am Bühnenrand fest, um die Finnen von MOONSORROW anzusehen. Während des Aufbaus gibt es kleine Probleme instrumentalischer Natur, die aber schnell behoben werden.
Dann werfen MOONSORROW zumindest in meinem Kopf die Frage auf, ob man sich so dermaßen mit (Kunst-)Blut zukleistern muss wie ein grenzdebiler Metzgergeselle. Zu einer Antwort komme ich aber nicht mehr, dazu bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, dem Pagan-Metal mit finnischen Texten zu lauschen und die großartigen Melodien zu genießen. Die Klangteppiche des Keyboards, schnelle Riffs und abgrundtief bösartig dargebotene Lyrics versetzen das Publikum richtig in Feierlaune. Diese Laune motiviert die Musiker zu einer energiegeladenen Bühnenshow. Direkt vor der Bühne ist der Sound allerdings zum Wegrennen. Und das tue ich dann auch, zumindest ein paar Meter weiter in Richtung Mitte. Dort ist der Klang um Klassen besser. MOONSORROW sind dieses Jahr eine der sehenswertesten Bands.

Gegen 22 Uhr sollen dann eigentlich CANDLEMASS auf der Bühne stehen. Die Doom-Heroen lassen sich allerdings während des Soundchecks doch ein bisschen mehr Zeit und betreten erst gegen 22.20 die Bühne. Ich persönlich bin auf diese Band besonders gespannt, mussten sie doch das letztjährige HOA nach dem plötzlichen Ausstieg von Frontmann Messiah absagen. Mit dem neuem Sänger Robert Lowe im Gepäck haben sie heute aber glücklicherweise den Weg nach Brande-Hörnerkirchen gefunden.
Dichter Nebel wabert also über die Bühne und gibt der vorherrschenden Atmosphäre einen doomigen, erhabenen Touch, auch ohne Musiker. Als dann CANDLEMASS die Bühne betreten, mutet das Ganze irgendwie majestätisch an.
Die Schweden zeigen sich, auch mit neuem Sänger, als Einheit auf der Bühne und präsentieren der Audienz ihre Klassiker. Die nach oben gestreckten Pommesgabeln und die im Takt wippenden Köpfe vermitteln den Eindruck einer kollektiven Huldigung. Die Bühnenshow und die Songauswahl, die Hits wie „Well Of Souls“, „Solitude“, „Mirror Mirror“ und last but not least „Samarithan“ beinhaltet, rechtfertigen diesen Eindruck absolut. Ein männlicher Zeitgenosse, der neben mir in der Menge steht, faselt auf einmal was von einem multiplen Orgasmus während „Mirror Mirror“.
Aber einen Kratzer bekommt der glänzende Auftritt der Schweden dann doch. Sänger Robert Lowe präsentiert sich alles andere als textsicher, er liest die Lyrics aus einem vor ihm auf der Bühne liegenden Ordner ab, und als wäre das noch nicht genug, stöpselt er selber während des letzten Songs „Samarithan“ sein Mikro aus. Das passiert zwar nur aus Versehen, lässt mich aber doch ein wenig fassungslos da stehen. Von diesem Fauxpas mal abgesehen, ist es aber ein sehr, sehr guter Auftritt, der auf viele weitere Gigs hoffen lässt.

Um der „größten Gartenparty der Welt“ einen würdigen Abschluss zu verpassen, betreten Peter „Peavy“ Wagner und seine Schergen - in ihrer Gesamtheit besser als RAGE bekannt - die Bühne und lassen ohne Umschweife mit „Great Old Ones“ die Kuh fliegen. Und die Fäuste in den ersten Reihen. Nein, es gab keine Prügelei, aber einige Zeitgenossen verwechseln wohl einen Metal-Gig mit einem Punkkonzert und pogen ohne Rücksicht auf Verluste oder Leute mit Kameras in der Hand. Von einem dezenten Ellbogen-Knuff in meine linke Niere mal ganz abgesehen. Liebe Metaller – so bitte nicht. Das verdirbt einem Unbeteiligten nur die Freude an guten Gigs. Und dieses Konzert von RAGE gehört definitiv zu den guten. Im Scheinwerferlicht sieht man die Platte von Herrn Wagner gehörig dampfen, so sehr legt sich das stimmgewaltige Heavy-Metal-Schwergewicht mit dem Bass in der Hand ins Zeug.
Von der Songauswahl lassen sich die Herren dann auch in keinster Weise lumpen und bringen unter anderem mit „Down“, „Human Metal“ und dem sehr aktuellen „War Of Worlds“ richtig gute Songs zum Besten. Einziger Knackpunkt während dieser 90 Minuten ist ein unnötiges Gitarrensolo. Dass Victor Smolski den Sechs-Saiter beherrscht, weiß man. Das hätte er nicht unbedingt noch gesondert unter Beweis stellen müssen. Besser hätten RAGE „Unity“ spielen können. Dieser Song war nämlich zu Gunsten des Solos aus der Setlist gestrichen worden. Zum Abschluss bringen RAGE dann noch „Higher Than The Sky“ und „Straight To Hell“ und lassen dann den Vorhang für das diesjährige Headbanger’s Open Air fallen.

Wunderbares Ende eines sehr gelungenen Jubiläums-HOA. Ich wandere mit Nierenschmerzen ins Bett. Irgendwie hatten einige Kissenknicker es dieses Jahr auf uns abgesehen. Aber Kat ist noch lange nicht müde und feiert mit den musikalischen Helden des Tages noch bis zum Morgengrauen weiter.

Sonntag morgens wurschtelt man sich schon gegen halb acht aus den Betten, weil die lieben Nachbarn bereits um sieben Uhr ihre Sachen zusammenpacken (danke auch, ich will meine Wackenbecher wiederhaben, bitteschön...) und davon brummen. Auf dem letzten Weg zum Klowagen sehen wir zwei dreckige Füße aus den Brennnesseln ragen und ein leises :"Keiner hilft mir... hallo? Hallo, Hilfe!". Der liebe Fabian aus Frankfurt wird von uns Frauen überredet, dem Guten doch nun mal aufzuhelfen. Das tut er auch mit leisem Ekel im Gesicht, und als der sehr Betrunkene wieder in seinem Stuhl sitzt, kracht es erneut ganz gewaltig und er mäht die Brennnesseln einen Meter weiter um. Daraufhin kann der Campplatz zwei hysterisch wiehernde Schreiberfrauen betrachten.

Bestens gelaunt knattern wir wie Thelma und Louise in einer halben Stunde durch den blitzblauen Morgen zurück nach Hamburg und können für dieses Festival wie immer nur ein großes, dickes DANKE sagen.

Kat

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