Geschrieben von Montag, 17 Juli 2006 10:19

Headbangers Open Air 2006 - Der Bericht




 




Bei strahlendem Sonnenschein quetschen sich drei Damen (Kat, Sylvia und Frau Kahrs von Monster) in einen kleinen Fiesta, um gen Norden zu knattern. Bier ist an Bord, die Cam geladen - dann wollen wir mal sehen, wie das 9. Headbanger´s Open Air so werden wird. 
Also auf den Platz gehuckelt, Zelte und Pavillon aufgebaut, Bändsel geholt und mal gucken, was so kommt. Das HOA ist mittlerweile zu einer festen und sehr geliebten Institution in meinem persönlichen Festivaljahr geworden, während Sylvia zum ersten Mal hier ist. Für alle, die es nicht kennen: Ein Haus, ein Hof, ein Garten und ´ne Wiese. Und Party! Party ohne Ende, dazu internationale Bands, günstige Bier- und Essenpreise und eine unglaublich familiäre Atmosphäre. 
Die Pre-Show am Donnerstag Abend musste leider wegen Job ausfallen, ebenso konnten wir die ersten beiden Bands vom Festival nicht sehen. Wir konnten IVORY TOWER und POWERVICE allerdings beim Aufbauen zuhören, klang vor allem bei der zweiten Band sehr nett.

Dann folgten ORDER OF NINE, die mit ihrem teilweise eher düsteren Powermetal überzeugen konnten. Besonders Sänger Michael DeGrena hat uns schwer beeindruckt. Tolle Stimme. Leider war der Sound eher mager und die Reaktionen noch leicht verhalten. 17 Uhr war wohl zu früh für die feiernde Meute, die sich lieber auf dem Acker nebenan warm trank.
SHEAVY machten einen fetten Stoner Rock. Sehr passend zu der ganzen sommerlichen Atmo da. Alles wippte dezent mit, so macht das Zuhören sehr viel Spaß. Die Kanadier aus St. John´s wurden gut angenommen, und auch der Sound war plötzlich eindeutig besser. SHEAVY werden übrigens nach ihrem Aufenthalt in Europa mit den Aufnahmen zur neuen Scheibe beginnen
MARTYR aus dem Käseland folgten. Kat zu Sylvia: "Frau Kollegin, sie als Stahlhändlerin: was halten sie von Eurometal?" Sylvia: "Also Edelstahl ist das nicht gerade. Die Legierungselemente sind nicht ganz ausgewogen."

ICARUS WITCH knallten dann wirklich richtig rein. Die Jungs aus Pittsburgh sind auf ihrer ersten Europatournee, und dementsprechend neugierig konnte man sein. Und ganz ehrlich: von denen erhofft man sich noch mehr. Druckvoller Metal, gepaart mit recht flauschig anzusehenden Musikern, gepaart mit interessanten Texten. Frau Kollegin sauste übrigens auch noch zur Aftershowparty in den Ballroom, darüber später mehr.
Ein Akkordeon wandert auf die Bühne, ein Hirschgeweih ziert den Mikroständer. Aaah, KORPIKLAANI. Die Folkexoten aus Finnland hatten nur scheinbar einen schweren Stand. Sofort bei den ersten Akkorden zu "Journey Man" ging die Meute ab wie Nordmänner auf Speed. Tanzbar bis zum Hühnerauge und einfach unglaublich nett. Sylvia hoppste danach beschwingt zum Bierstand, sie war eindeutig im Folkhimmel. Die Jungs hatten außerdem auch noch einen Höllenspaß.

Gruuuuuuuunz. Frau Claasen (oder heisst Sabina jetzt anders nach der Heirat mit Michi?) poltert auf die Bühne und legt auf gewohnte Art und Weise mit HOLY MOSES ein stimmliches Brett sondergleichen hin. Hölle, ich krieg jedesmal Halsweh nur vom Zuhören. Irgendwie sprang der Funke aber nicht so ganz über. Die Meute vor der Bühne rastete aus, wir haben es nicht so supergut empfunden diesesmal. Macht aber nix. Die gehören nun mal schon zum Inventar (und kamen dem Begriff Edelstahl schon etwas näher).

Platin gab es dann bei POWERSLAVE. Wahnsinn, was die IRON MAIDEN-Coverband da hinlegte. Wenn man nicht hinguckte, dachte man wirklich, dass Bruce und Co. höchstselbst da ihr Unwesen trieben. Die Herren legten zum einen eine unglaubliche Spielfreude an den Tag (bzw. Nacht, es war nämlich schon Mitternacht) und waren musikalisch einfach erhaben. Darf man das sagen? Ja, darf man. Geil. Und das beim HOA, wo doch eigentlich keine Coverbands spielen sollen.  

Der Rest der Nacht verging mit gepflegten Gesprächen mit dem einen oder anderen Bierchen. Und es war kalt. Arschkalt. Darum wunderte ich mich auch als ich morgens frisch gedünstet im Schlafsack aufwachte und so ziemlich alles anhatte, was ich eingepackt hatte. Puh. Ab 6 knallte die Sonne wieder auf den Acker, und ich brüllte nach Sylvia, sie möge mir Wasser bringen. Aber sofort. Nach einem zaghaften "Ichmussdochersmaaufstehen" gab es Wasser, eine Beschwerde von Frau Kahrs ("Mann,Sylvia, ich musste aus dem Sägewerk flüchten!") und gegen 10 Uhr waren wir eigentlich wieder ganz schön fit. Es wurde Frühstück auf der Veranda serviert, Kollegin quengelte über Kopfweh und nach dem ersten Alsterwasser besuchten uns die Jungs von SOULSGATE, deren neuer Silberling am 22.7. erscheint. Wo man schon mal da ist, kann man ja auch gleich eine Listening Session auf der grünen Wiese machen.Gesagt, getan und Wow! - Review folgt an anderer Stelle. Aber so kann man einen neuen Festivaltag auch beginnen. Machte jedenfalls sehr wach.

Laut Running Order sollten TALES OF HORROR ein gemischtes Cover-Menü zum Mittagessen bieten. Hmm, also ich hab schon mal besser gegessen. Ging nicht wirklich. Ein anderer schreibender Kollege knurrte nur: "Mann, ich kann auch nicht singen. Aber ich stell mich auch nicht auf ´ne Bühne..." Sorry nach Bielefeld, aber das war nix. 

CHAIN REACTION, die Gewinner der diesjährigen Ballroom Battle, entpuppten sich zur allgemeinen Überraschung als einer der Überflieger des HOA 06. Ich habe die Band mehrmals sehen können und fand sie zwar ganz gut, aber nicht supertoll. Und stand dann da mit runtergeklappter Kinnlade. Das fanden die ersten fünf Reihen auch, die tierisch mitmachten. Inklusive sehr niedlicher Schunkeleinlagen des Publikums, hatte Sängerin Simone die Leute mit ihrer eindrucksvollen Stimme voll im Griff. Ganz großer Auftritt. Ein späteres Spontaninterview ist bei BYE dann auch noch zu lesen (siehe Links). Man kann wirklich nur hoffen, dass irgendwer sich dieser Band annimmt, sie haben so ein großes Potential. 

TRINAKRIUS aus Italien schenkten wir uns, wir brauchten mal eine Auszeit. 

MILES BEYOND hat Sylvia sich erst Sonntag abend im Ballroom angeguckt, später dazu mehr. 

Da um 17 Uhr METAL INQUISITOR spielten, machte ich lieber ein Interview mit CHAIN REACTION, anstatt mir PYRAMAZE anzugucken. Sylvia konnte auch nicht, weil sie stundenlang ihr Handy suchen musste, welches sich einfach verbieselt hatte. An dieser Stelle mal ein Riesen Dankeschön an den unbekannten Finder! 

17.10 Uhr: METAL INQUISITOR. Und wer steht da auf der Bühne und sagt sie an? Götz Kühnemund. Er ist ja nun bekanntermaßen ein großer Fan des HOA und eben auch von den Metal-Inquisitoren. Und das zu Recht. Nacken wurden geschleudert, und in den ersten Reihen sah man nur grinsende Gesichter. Und das bei einer Band, die eigentlich mehr so aus Spaß an der Freud' Musik machen. Die Jungs fahren ein traditionelles Metal-Brett und machen Spaß. Danke, danke! Und das, obwohl der Sänger kaum stehen konnte, er war übelst von Rückenschmerzen geplagt. 

Ich wollte mir dann aus purer Neugierde mal ULYSSES SIREN angucken und fand mich zehn Minuten später auf den Paletten knieend und abmoshend wie irre wieder. Traditioneller Old School Metal der heftigen Sorte. Hat das Spaß gemacht. Und die Kalifornier waren auch selber völlig hin und futsch vom Festival, den Leuten, und wie sie vom Publikum aufgenommen wurden. So macht das Schreiben wirklich Spaß.

PRAYING MANTIS hatten einen achtbaren Auftritt. Nach sechs Jahren Abstinenz aus den nördlichen Gefilden Deutschlands merkte man wirklich, wieviel Freude den Jungs der Auftritt gemacht hat. Feine Stimme, gute Stimmung. So allmählich wurde das Publikum immer beweglicher. Und es wurde voller. Sowohl von der Anzahl her als auch vom Alkohol.

21:00 Uhr gab sich METAL CHURCH die Ehre. Nach einem dezenten Foto-Ärgerniss mit der Plattenfirma bzw. dem Management (keine Fotos von der Seite...) verschwand Kat leicht angepisst im Garten, während Sylvia sich die Metal-Kleriker zufrieden anguckte. Vom Mischpult aus konnte man gut sehen, während man von weiter hinten keine Chance hatte, durch den Wald von ausgestreckten Pommesgabeln auch nur einen Haarschopf der Bandmitglieder zu ergattern. Sie spielten sozusagen ein Best-Of-Programm. Im Publikum wurde gelacht, sich gefreut und hingebungsvoll mitgesungen. Feine Sache, das. 

Bei GIRLSCHOOL war ich dann auch wieder bereit, mich samt Kamera durch den absolut vollgequetschten Garten zu drängeln, um jedenfalls GIRLSCHOOL ablichten zu können. Danke noch mal an den netten Kollegen vom Rock Hard, der sich mit seinen breiten Schultern für mich da vorne einsetzte, obwohl ich ihm die Füße zertreten hab. Danach haben wir sie von der Seite aus begutachtet. Ok, die Ladies sind in ihrem 3. Jahrzent als Band, aber ich hab sie schon mal besser gehört. Eventuell waren da auch der eine oder andere Drink zuviel im britischen Weiberhaufen...S paß hat es trotzdem gemacht, sie können immer so schön fies über Männer ablästern...

Die letzte Band war BLITZKRIEG, und zu unserer Schande müssen wir gestehen: Wir konnten einfach nicht mehr. Nur noch ein Bierchen im Garten, etwas wippen auf der Holzbank und ab in die Falle.

Fazit: Das war mein 7. HOA und es wird immer besser. Aber lasst es bitte nicht noch voller werden. Der Garten platzte aus allen Büschen, und teilweise konnte man kaum durchkommen. Sogar auf der großen Weide für die Camper wurde es knackig eng. Die Klo-Situation wird allmählich etwas brenzlig, und eine schnellere Kaffeemaschine wäre sehr fein.Und Premiere! Es gab zwar keine Pommes, aber immerhin Wedges. Jau! Thomas hat sich dem Gejaule der Massen nach Pommes gebeugt. Selbstgemachte Pizza, Nackenbrötchen, Wurst und Hot-Dogs rundeten das gastronomische Angebot ab. Und die Mischungen sind immer noch sehr sehr heftig *hicks*
Sylvia hatte ihre HOA-Premiere und ist jetzt genauso angefixt wie alle andere Gäste. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!  

www.headbangers-open-air.de
www.ballroom-hamburg.de
Kat

Konzertberichte dazu