Geschrieben von Montag, 18 November 2013 19:10

Metal Hammer Paradise 2013 - Der Bericht

15.11.13 - Das Metal Hammer Paradise öffnet dieses Jahr zum ersten Mal seine Tore am wunderschönen Weissenhäuser Strand, um etwa 2500 Metalheads für ein Wochenende Obhut zu bieten. Wir waren mittendrin!

Freitag

Angekommen am idyllischen Weissenhäuser Strand, werden mein unterstützender Pressekollege Robin Jaspert und ich zuerst von einer ewig langen Schlange begrüßt. Die PC-Verbindung vom Einlass steht nicht und wir müssen einige Minuten warten, bis wir an die Reihe kommen. Dann geht es auf die lange Suche nach dem Appartement, da wenig ausgeschildert ist und die Nummerierung hoffnungslos sinnfrei vergeben wurde. Angekommen sind wir dann aber doch zufrieden: ein schönes, großes Zimmer erwartet uns die nächsten Tage für die Zeit zwischen den Bands. Zwar fällt der Kühlschrank fast auseinander, doch das tut der Vorfreude auf das Festival keinen Abbruch – betrachtet man allein die Freizeitmöglichkeiten, die im Ferienland möglich sind: Erlebnissbad, Minigolf, Sauna, Massage, Bogenschießen und Trampoline sind nur eine kleine Auswahl der Aktivitäten, die man während des Wochenendes anstellen kann. Gerade das macht das Metal Hammer Paradise auch aus. 

Die erste Band des Freitags, die für uns auf dem Zettel steht, ist UNLEASHED. Die schwedischen Death-Metal-Warriors sind seit langem für ihre geilen Auftritte bekannt und wissen auch heute, wie man ein Publikum in den Bann zieht. Aufgrund der frühen Spielzeit (17:15) ist es vor der Maximum Metal Stage zwar noch ziemlich leer, doch die Schweden können die vorderen Reihen gut unterhalten. Alte Klassiker wie „Victims Of War“ oder „To Asgard We Fly“ finden den Weg in die Setlist und machen die alten Fans ebenfalls glücklich. Im vorderen Teil lassen sich auch einige Headbanger sehen, doch wirklich viel ist noch nicht los.

Kurze Zeit später geht es weiter mit den Österreichern von BELPHEGOR. Pünktlich um 18:45 kommen sie auf die Bühne und zocken in alter Manier ihre größten Hits. Die Menge geht ordentlich ab und dies trotz der gefühlten 40°C im Ballroom – bis jetzt dachten wir, dass die Sauna ganz wo anders ist. Der erste Pit des Abends ist nun auch zu entdecken, wie sollte man grandiose Songs wie „Lucifer Incestus“ auch sonst zelebrieren? Trotz der subtropischen Hitze zocken BELPHEGOR ihr recht kurzes Set perfekt durch.

Direkt nach BELPHEGOR geht es zur Maximum Metal Stage, um noch den Rest von PARADISE LOST zu sehen, deren Spielzeit sich größtenteils leider mit der von BELPHEGOR überschneidet. Dennoch lässt sich sagen, dass PARADISE LOST einen soliden Auftritt abliefern. Mittlerweile ist schon deutlich mehr vor der Bühne los. Ein sehr lustiges Bild bietet sich im Fotograben, im welchen die Fotografen händeringend um Platz kämpfen. Nach einem viel zu kurzen Auftritt geht es auf's Zimmer, bevor die nächsten Band ansteht.

Im winzig kleinen Riff-Rondel macht die Legende ANVIL weiter, die den meisten Headbangern ein Begriff sein sollte. Trotz der winzig kleinen Location finden sich immer mehr Fans zusammen, die die Musik der ziemlich nach AC/DC klingenden Band feiern. Headbangende Zuschauer lassen sich in der gesamten Location finden und die vielen Zuschauer haben wirklich Spaß an dem Hardrock / Heavy Metal.

IN EXTREMO fallen mit ihrem Mittelalter-Rock ein wenig aus dem Rahmen, dennoch ist es voll vor der Bühne. Die vielen Fans mit IN EXTREMO-Shirts kündigten es bereits an und nun zeigt sich, dass die Zuschauer wirklich verdammt textsicher sind und jede Hymne der Band mitsingen können. Wirklich voll ist es auch jetzt noch nicht vor der Maximum Metal Stage, der Sound sitzt aber und bereichert den Auftritt um einiges. Nach der letzten Band des Tages gehen wir zur Aftershowparty, wo bis in die frühen Morgenstunden gut was los ist.

Samstag

Der Samstag startet für uns mit dem Pressefrühstück, bei welchem uns erzählt wird, dass bereits die ersten Bands am frühen Morgen in Unterhose im Vorgarten der Apartments gefunden wurden. Um welche Bands es sich dabei handelt, will man uns jedoch nicht erzählen. Bei der geselligen Fragestunde, zu der Rührei und Kaffe gereicht werden, erfahren wir zudem die Besucherzahl des Metal Hammer Paradise 2013: etwa 2500, zuzüglich der Tagesgäste.

VADER sind kurzfristig als Ersatz für DEATH ANGEL eingesprungen, die das Festival aufgrund von organisatorischen Problemen nicht wahrnehmen konnten. Die erste der beiden polnischen Bands des heutigen Abends spielt in der mittelgroßen Halle, welche schlecht gefüllt ist. Der Sound sitzt jedoch, wie auf dem gesamten Festival, und kommt mit richtig Druck aus den Boxen. In den ersten Reihen sieht man durchgehend Headbanger, aber auch weiter hinten werden die Fäuste in die Luft gereckt.

Relativ zeitgleich spielen DRAGONFORCE, welche sich bereits vorher im Rahmen des Gitarrenworkshops mit Herman Li ihren Fans präsentierten. Der Platz vor der Maximum Metal Stage ist gut gefüllt und die Fans feiern die Klassiker der Band ordentlich ab. Dass Herman Li der richtige Mann für einen Gitarrenworkshop ist, zeigt er auch auf der Bühne, indem er seine Soli fehlerfrei zockt und die Fans zum Headbangen animiert. Die anderen Musiker der Band stehen ihm allerdings in nichts nach.

Nach VADER geht es wieder ins Riff-Rondel zu DARK AGE. Die Hamburger füllen die kleine Location ohne Probleme. Der Sound ist einsame Spitze, mit dem kleinen Abzug, dass die Stimme von Sänger Eike ein wenig zu leise ist und er, wie sonst auch, den cleanen Gesang live einfach nicht richtig rüberbringen kann. Dennoch ist es ein grandioses Konzert, bei dem in den ersten Reihen ordentlich gemosht wird.

Kurze Zeit nach DARK AGE geht es endlich zu dem lang ersehnten Auftritt der Polen von BEHEMOTH. Der Perfektionsdrang des Ballerkommandos ist in allen Aspekten des Auftrittes zu spüren: Technisch kommt keine andere Band des Festivals an BEHEMOTH heran, die Bühnenshow ist bis auf das letzte Fäusterecken einstudiert und dazu kommt eine absolut geniale Licht- und Feuershow zur optischen Untermalung. Nergal und seine Mitstreiter sind wie immer allerbestens aufgelegt und ziehen ihr Ritual des Bösen ganze 90 Minuten lang durch. Die Songsauswahl ist, wie zu erwarten, grandios. Hymnen wie „Lucifer“ reihen sich neben Stücke vom neuen Silberling „The Satanist“. Ein Auftritt, den man so schnell nicht vergessen wird –nicht zuletzt, weil es den besten des Festivals darstellt.

Der frühere Hype um EQUILIBRIUM ist inzwischen mehr oder weniger verflogen, doch einige treue Fans bleiben der Band trotzdem, die das Riff-Rondell mehr als gut besetzen. Wir kommen aufgrund der langen Spielzeit vom BEHEMOTH und der langen Schlange vor dem Eingang deutlich zu spät zum Auftritt der Bayern. Die Band ist inzwischen sehr gut, fast schon zu gut, aufeinander eingespielt und wirkt extrem routiniert. Der Freude der Fans tut das keinen Abbruch, die ihre Hits wie „Blut Im Auge“ und „Unbesiegt“ feiern.

Mit SABATON folgt wenig später der Headliner des Abends. Scheinbar hat sich das gesamte Metal Hammer Paradise Publikum vor der Maximum Metal Stage eingefunden, um das schwedische Bataillon zu feiern. Die etwa 2500 Leute füllen den Raum vor der Bühne gut aus, auch wenn man ohne größere Anstrengungen in die vorderen Reihen gehen kann. Die Band hatte zwar seit zwei Monaten keinen Live-Auftritt mehr, ist aber immer noch wunderbar eingespielt, wobei sie aber keineswegs gelangweilt wirkt. Die „Noch ein Bier“-Sprechchöre bei SABATON sind zwar inzwischen ein alter Hut, doch an diesem Abend wird „Gott Mit Uns“ in „Noch Ein Bier“ umgedichtet. SABATON zocken ihre größten Hits in alter Manier durch und das Publikum feiert zu Songs wie „Attero Dominatus“, „Ghost Division“ oder „Art of War“ ordentlich ab. Sänger Joakim heizt dem Publikum regelmäßig neu an und genießt seine Rolle auf der Bühne. Kein Wunder, bekommt er doch drei BHs aus dem Publikum, über die er sich freut und die er sofort anprobiert.



Fazit: Das Metal Hammer Paradise ist insgesamt ein sehr unterhaltsames Festival mit ausreichend Abwechslung zum regulären Metalfestival. Langeweile kommt hier in der Wartezeit zwischen den Bands nicht auf, so viel Schwachsinn konnten wir hier unternehmen. Dazu kommen eine entspannte Security und absolut geniale After-Show-Partys, die sich bis spät in die Nacht ziehen. Das Wichtigste waren natürlich geniale Auftritte von BEHEMOTH, SABATON und Co., wobei fast alle Bands mit einem wirklich ordentlichen Sound ausgestattet waren. Etwas ärgerlich sind allerdings die heftigen Überschneidungen der Bands – so war es dieses Jahr einfach nicht möglich, alles zu sehen, was man sehen wollte.


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