Geschrieben von Donnerstag, 15 Juni 2017 17:35

GUNS N' ROSES auf Not In This Lifetime Tour - Der Bericht aus dem Olympiastadion in München

Steven Adler (2.v.l.) war bei dem Auftritt nicht dabei Steven Adler (2.v.l.) war bei dem Auftritt nicht dabei Bild: Guns N' Roses Instagram

13.06.2017 – Es ist wohl das Comeback, auf das alle Rocker gewartet – das aber nicht unbedingt erwartet – haben: GUNS N‘ ROSES wiedervereint und auf ihrer „Not In This Lifetime“ Tour durch die ganze Welt reisend. Es sind zwar nur zwei Termine, aber auch in Deutschland machen die Legenden Halt.

Meine Reise beginnt in Stuttgart. Eine dreistündige Autofahrt nach München zum langersehnten GUNS N‘ ROSES Konzert im Olympiastadion. Anders als erwartet herrscht absolut kein Stau und schon bald legen wir unser Gepäck im Hotel ab und fahren mit der U-Bahn zum Olympiazentrum, da in München die öffentlichen Verkehrsmittel äußerst gut geregelt sind. Sofort treffen wir auf eine Horde von GUNS N‘ ROSES Fans und wir folgen einfach dem Strom in Richtung Olympiastadion.

Dort, eine Stunde vor Einlass, warten schon einige Fans vor dem Eingang im Schatten und nippen bereits am ersten kühlen Bier. Da es jedoch viele verschiedene Eingänge ins Olympiastadion gibt, ist es nicht überfüllt und recht überschaubar. Für die Hungrigen gibt es viele überteuerte Essensstände und für die Unvorbereiteten und Fans natürlich auch einen Merchandise-Stand, der mir persönlich allerdings mit seinen 35 € und aufwärts pro Shirt etwas zu teuer ist – vor allem, weil ich bei dem Ticketpreis von knapp 120 € (normaler Stehplatz) schon etwas schlucken musste.

Während wir so warten und unsere mitgebrachten Nüsse essen, kann man so einige skurrile Gestalten entdecken. Neben den klassischen Metalheads mit Kutte und langen Haaren sichten wir auch als Axl oder Slash verkleidete Männer in Schottenrock und Zylinder.

Organisationsprobleme

Der Einlass ist auf 16:45 terminiert, weshalb wir uns eine halbe Stunde vorher schon einreihen, um nicht zu weit hinten zu landen. Nun füllt sich der Eingangsbereich und schon gibt es die ersten organisatorischen Probleme: Die Leute, die ein „Front Of Stage 1 oder 2“-Ticket gekauft haben, hätten sich vor dem Einlass bereits ein Armbändchen abholen sollen. Bei der Fülle an Menschen wird es dann jedoch ziemlich chaotisch und nicht jeder erhält sein Bändchen. Es scheint so, dass keiner so richtig Bescheid weiß – und viele Fans eilen später im Stadion unzufrieden von einem Security-Mann zum nächsten um sich darüber zu beschweren, dass sie nicht in den bezahlten Bereich kommen.

Strenge Sicherheitsmaßnahmen

Trotz des Chaos wird Punkt 16:45 der Einlass eingeleitet. Es geht recht zügig voran, da alle sich brav anstelllen und keiner drängelt oder schubst. Als Frau hat man allgemein den Vorteil, früher reinzukommen, da es weniger Frauen gibt und beim Abtasten auf Geschlechtertrennung geachtet wird. Da ich mir alles, was auf dem Ticket steht, vorher gründlich durchgelesen habe, wird mir nichts abgenommen, doch die Kontrolle fällt sehr streng aus: Große Taschen und Rucksäcke im Allgemeinen dürfen nicht mitgenommen werden und müssen abgegeben werden, Lebensmittel jeglicher Art sind ebenfalls verboten, ebenso Selfiesticks und Powerbanks. Handys und E-Zigaretten sind jedoch erlaubt.

Die ganze Prozedur scheint zwar für viele Fans recht nervig zu sein, doch dadurch fühle ich mich sicherer auf dem Konzert, denn heutzutage sind große Konzerte ein doch recht gutes Ziel für Attentate und Gewaltexzesse. Trotzdem scheinen einige Menschen recht verunsichert, vor allem, weil es am Morgen in München eine Schießerei gab, doch all diese Sorgen erweisen sich letztlich als unbegründet.

Kaum schreite ich durch die Ticketkontrolle, öffnet sich vor mir das riesige Gelände des Olympiastadions. Wie man von oben bereits sehen kann, sind die besten Plätze an den Wellenbrechern schon vergeben. Um zu der Treppe zu gelangen, die in den Stehraum führt, müssen wir erst das halbe Stadion umrunden, wo noch eine weitere Ticketkontrolle auf uns wartet.

München: 25 Grad, wolkenlos, leichte Brise

Ja, es herrscht perfektes Wetter für ein Open-Air. Aufgrund schlechter Erfahrung suche ich mir einen Platz, der möglichst nicht neben einem stinkenden, dickbäuchigen Mann mit Warze in der Achselhöhle ist. Kaum habe ich mich auf den verdammt heißen Metallboden niedergelassen, merke ich, dass ich in der Kifferecke gelandet bin. Die Stoner fragen mich ernsthaft nach Gras und rufen alle zehn Sekunden: „Guns N‘ fucking Roses!“ oder „Nastrovje!“ und stoßen mit ihrem Bier an. Schon irgendwie ironisch, dass die Härtesten unter ihnen Achim und Ingo heißen.

Neben diesen recht ausgelassenen Menschen gibt es auch viele, die unter der Hitze leiden und sich statt der geplanten zwei Biere doch noch zwei weitere gönnen und dementsprechend nochmal aufs Klo müssen. Also nochmal an den Ticketkontrollen vorbei, bei denen man über sein Vorhaben Bescheid geben muss, woraufhin man einen „Klopass“ erhält. Die Toiletten sollen allerdings sehr sauber gewesen sein. Naja ... alles zum Wohle der Sicherheit!

Die GN'R Fanbase

Die Fans sind teilweise von sehr weit angereist: Es gibt Österreicher, außer mir noch weitere Stuttgarter, Leipziger, Berliner, etc. Während wir unsere Wartezeit mit Plaudern und In-die-Gegend-Starren verbringen und einige versuchen, ihre ungebräunten Stellen der Sonne auszusetzen, bin ich doch recht froh, einen Hut mitgenommen zu haben. Schon bald wird es enger und man muss das Warten im Stehen fortsetzen. Dabei registriere ich, dass mein Platz doch nicht ganz optimal ausgewählt ist, was ich im Sitzen jedoch nicht bemerkt habe. Ich weiß nicht, ob es immer ein Zufall ist, aber vor mir und meinen mickrigen 1,60 Metern steht mal wieder ein etwa zwei Meter großer Mann, der mir die komplette Sicht versperrt, bevor ich mich jedoch schließlich vorbei mogeln kann.

Wir zeigen unsere Mittelfinger

Eine halbe Stunde vor der besagten Uhrzeit betritt die erste Vorband die Bühne. Alle scheinen zunächst etwas verwirrt, denn eigentlich ist als erste Vorband THE KILLS annonciert, doch stattdessen begrüßten uns PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS. Die fünf ziemlich unterhaltsamen und lustigen Briten um Stargitarrist Phil Campbell verstehen es, das Publikum gut zu unterhalten und geben sowohl eigene Lieder als auch einige MOTÖRHEAD-Songs zum Besten. Und ja, wir zeigen unsere Mittelfinger – aber nur, weil sie es wollen.

It KILLS the vibe

Etwa gegen 19 Uhr, die Stimmung durch die erste Vorband gelockert, kommen dann schließlich THE KILLS auf die Bühne – die Band, die eigentlich als erstes hätte spielen sollen. Und das wäre auch besser so gewesen. THE KILLS mit der Blondine Alison Mosshart als Frontfrau geben eigentlich kein schlechtes Paket ab, doch zum einen passt die Musik der Amerikaner nicht unbedingt zum Headliner und erreicht den Großteil des Publikums nicht. Zum anderen funktionieren Musik und Bühnenpräsenz nicht wirklich bei einem dermaßen großen Publikum. Die kaum vorhandene Publikumsinteraktion schlägt in den meisten Fällen fehl und die Masse langweilt sich sichtlich, weshalb es großen Beifall gibt, als angekündigt wird, dass nur noch ein Song gespielt würde.

Bei beiden Vorbands empfinde ich die Technik als unzureichend genutzt, denn die Bühne wird nur als Ganzes auf die Bildschirme projiziert, was nicht ganz dem Sinn der Bildschirme entspricht (zumal das Bild auf dem Bildschirm kleiner ist, als die Bühne selbst).

Bei der Hitze hat das Publikum entsprechend Durst, der, da das Wasser schnell ausverkauft ist, bald nur noch mit Caipirinha und Bier gestillt werden kann. Bei diesen Temperaturen ein Großrisiko.

GUNS N‘ FUCKING ROSES!

Schließlich, nach einem langen Intro, betreten die Legenden GUNS N' ROSES entgegen alter Gewohnheiten überpünktlich um 20:10 – begleitet von den Rufen unserer Stoner-Freunde – das Olympiastadion. Der erste Song „It’s So Easy“ wärmt die Menge prima auf. Begrüßen dürfen wir fast die originale Besetzung: Axl Rose, Slash und Duff McKagan. Ja, sie sind älter geworden und haben vielleicht auch ein paar Pfunde zugelegt, aber an der Magie, die sie versprühen, hat sich nichts geändert. Was die Menge in den Bann zieht, ist mehr als pure Nostalgie – alte Fans und Teenager vereint, um die Rockikonen live und neue Versionen alter geliebter Songs zu erleben.

Die Setlist ist sorgfältig ausgewählt, sodass zu Beginn jedes Songs ein verzücktes „Ist-das-geil“-Seufzen zu hören ist. Die Reaktionen reichen von stillem Genießen bis hin zu mentalen Zusammenbrüchen, die Superfans bei jedem ihrer Lieblingssongs erleiden. Auch wenn Menschen weiter hinten nicht so viel sehen können, ist das Auf-den-Schultern-Sitzen leider nicht erlaubt, was einige Leute trotz Warnungen der Security strikt ignorieren – das ist wahrer Rock N‘ Roll!

Zum ersten Mal richtig laut wird es bei „Welcome To The Jungle“. Man merkt, dass Axl gesanglich nicht mehr ganz in Topform ist, da ihm öfters mal die Puste ausgeht und hohe Töne doch lieber oktaviert werden. Bei drei Stunden Spielzeit ist aber klar, dass die letzten 20 Jahre nicht spurlos an den Legend vorbeigezogen sind. Slash hingegen improvisiert, was das Zeug hält und kaschiert alle Mängel. Superlässig werden Soli gespielt, auch das „The Godfather Theme“ – doch diesmal ohne Zigarette im Mundwinkel.

Als es dann schließlich etwas dunkler wird, kommt die Lichtshow erst richtig zur Geltung. Höhepunkte sind natürlich die Klassiker „Live And Let Die“, „Rocket Queen“, „Yesterdays“, „Sweet Child O‘ Mine“ und „Knockin‘ On Heaven’s Door“. Zugegebener Maßen klingt es schon ein wenig gruselig, ein ganzes Stadion aus „Cold Hand Luke“ bei dem Intro „Civil War“ zitieren zu hören. Einzelne Fans freuen sich dermaßen über das Konzert, dass sie einen Regentanz vorführen, woraufhin ich bei dem Hit „November Rain“ prompt einen „NovemBeer Rain“ verpasst bekomme.

Die Zugabe ist nicht wirklich klar gegliedert, zumal es keine wirklichen „Zugabe“-Rufe gibt, sondern die verwirrte Menge einfach fortlaufend „Guns N‘ Fucking Roses!“ ruft. Zum Gedenken an den verstorbenen Chris Cornell wird SOUNDGARDENs „Black Hole Sun“ gespielt, das Publikum ist emotional berührt. Ein weiterer Kracher neben „Don’t Cry“ ist die Coverversion von „The Seeker“ und den absolut krönenden Abschluss bildet „Paradise City“.

Thank you, Munich!

Noch benommen von dem Aftershow-Feeling verlassen die Fans widerwillig das Stadion und ich gönne mir erst einmal ein überteuertes, eisgekühltes Wasser. Spätestens nach diesem atemberaubenden Erlebnis sind jegliche Beschwerden über den Ticketpreis verstummt.

Rock N‘ Roll is dead? Not In This Lifetime!

Guns N' Roses Setlist

1. It's So Easy
2. Mr. Brownstone
3. Chinese Democracy
4. Welcome To The Jungle
5. Double Talkin' Jive
6. Better
7. Estranged
8. Live And Let Die
9. Rocket Queen
10. You Could Be Mine
11. New Rose
12. This I Love
13. Civil War
14. Yesterdays
15. Coma
16. Slash Solo
17. The Godfather Theme
18. Sweet Child O' Mine
19. Out Ta Get Me
20. Wish You Were Here
21. November Rain
22. Knockin' On Heaven's Door
23. Nightrain

24. Black Hole Sun
25. Don't Cry
26. The Seeker
27. Paradise City

Nana

Stile: Atmospheric Black Metal, Stoner Rock, Melodic Death Metal, Metal-/Deathcore, russischer Postpunk, Synth-Pop

Bands: Altin Gün, Agar Agar, Boy Harsher, Children of Bodom, Mars Red Sky, John Maus, Lorna Shore, Jonathan Hulten, Myrkur, Molchat Doma, Polyphia