Geschrieben von Montag, 06 März 2023 21:12

220 Jahre Coppelius – Der Konzertbericht aus Rostock

Nicht alle Tage kündigt eine Band eine Tour (oder in diesem Fall Konzertreise) im Rahmen ihres 220-jährigen Jubiläums an. Ebenfalls nicht alle Tage ergibt sich die Gelegenheit, von so einem Konzert zu berichten. Wir waren für euch im M.A.U. Club Rostock dabei, um von der Jubiläumskonzertreise von COPPELIUS zu berichten. Natürlich gaben sich die Herren nicht allein die Ehre, sondern hatten die vier Folk Musiker:innen von THE TROUBLE NOTES zu Gast.

The Trouble Notes

Eröffnet wird der Abend um punkt 19:30 Uhr von THE TROUBLE NOTES. Die vier Musiker:innen um Geiger Bennet Cerven haben sich einer Kombination aus traditionellem Folk, Punk und Tanzmusik aus der ganzen Welt verschrieben. Das Set besteht aus einem Mix aus alten und brandneuen Songs aus ihrem am 28.04. erscheinenden Album „Liberty Awaits“. Der zu diesem Zeitpunkt noch recht leere M.A.U. Club feiert THE TROUBLE NOTES aber umso mehr.

Mit Charme und witzigen Moderationen führt Cerven durch das kurze Set, stellt seine Bandkolleg:innen vor und erklärt den Hintergrund der meist gesanglosen Songs. Folky Klänge aus aller Welt erfüllen den Club und gehen direkt in Beine und Füße. Ab und zu sieht man einige Besucher:innen den freien Platz zum Tanzen nutzen und vereinzelt Haare fliegen. Den Künstler:innen ist anzusehen, wie viel Spaß sie dabei haben, ihre Musik mit dem Publikum zu teilen, und nach energetischen 40 Minuten verabschieden sich THE TROUBLE NOTES von der Bühne. Natürlich nicht, ohne vorher dem Club, der Crew und COPPELIUS zu danken.

Coppelius

Nach kurzer Umbaupause geht es um 20:40 weiter mit den fünf Herren von COPPELIUS und ihrem Diener Bastille. Nach dem obligatorischen Intro in Form von Tschaikowskys „Tanz der Zuckerfee“ geht es explosiv los mit „Rainmaker“ aus ihrem neuesten Album „Abwärts“, gefolgt von „Rightful King“, ihrem Cover des gleichnamigen THE INCHTABOKATABLES Song.

Bevor die Herren dem Motto ihrer Tour gerecht werden und in eine kleine Reise in die Geschichte der Band abtauchen, präsentieren sie noch eine weitere Single aus „Abwärts“. Bei „Mein Grab“ kommt auch zum ersten Mal an diesem Abend ein von Multiinstrumentalist und Sänger Le Comte Caspar selbst gebautes Instrument zum Einsatz. In diesem Fall wird die „Egozilla“, ein Metallgestell mit diversen mechanischen Federn, von Klarinettist und Sänger Max Coppella, Bastille und Le Compte Caspar mit Drumsticks bespielt.

Mit „Der Handschuh“ leitet Butler Bastille den Rückblick ein und COPPELIUS gehen nacheinander durch alle Alben, die in der 220-jährigen Bandgeschichte überlebt haben. Eine besondere Überraschung haben die Herren auf Lager, als es um einen Song aus dem 2009 veröffentlichten Album „Tumult“ geht: Sie lassen das Publikum entscheiden, indem Bastille eine Person aus der Menge aussucht, die aus einem Zylinder einen Zettel mit einem Songtitel zieht. Diese Ehre wird einem Herrn zuteil, der das Lied „Gedicht“ aus dem Hut zieht und für seine Arbeit ein handgezeichnetes Tourplakat bekommt.

Auch wenn das Konzert weit entfernt von ausverkauft ist, Publikum und Band haben gleichermaßen Spaß. Nach dem Exkurs in die Bandgeschichte ist es Zeit, sich den beiden Opern der Band, „Klein Zaches genannt Zinnober“ und „Krabat“, mit ein paar Songs zu widmen. Im Hier und Jetzt angekommen, legen COPPELIUS einen Zahn zu und beginnen Titel ihres neuen Albums mit in das Set zu mischen. Dazu zählen ein paar ihrer beliebtesten Songs – und die Stimmung im Saal ist auf einem Höhepunkt.

Zwischenzeitlich wird es allerdings etwas ernster, als Butler Bastille verkündet, nun das Publikum bestechen zu müssen. Grund dafür ist, dass Cellist und Sänger Graf Lindorf im Begriff ist, nach dieser Tour COPPELIUS zu verlassen, sollte nicht bis zum 18.03. ein gewisser Geldbetrag auf dem Konto der Band eingegangen sein. Um das Publikum davon zu überzeugen, dass das eine wichtige Entscheidung ist, spielen sie den Song „Der Musenkuss“, bei dem Graf Lindorf die Hauptstimme singt und der in dieser Form sonst wohl nicht mehr aufgeführt werden kann.

In ihrem Potpourri aus Altem, Neuem, selten Gespieltem und Beliebtem mischen sich auch immer wieder ein paar ihrer zahlreichen Coversongs. Naheliegenderweise wurden für diese Tour die beiden neuesten ausgesucht, nämlich „Chop Suey“ (Original von SYSTEM OF A DOWN) und „Bloodline“ (Original von SLAYER). Eingeleitet von einem Solo von Schlagzeuger Linus von Doppelschlag machen Bastille und Graf Lindorf bei ersterem Song SYSTEM OF A DOWN Sänger Serj Tankian ernsthafte Konkurrenz. Spätestens jetzt fliegen fast alle Haare in Sichtweite.

Unterbrochen von „Kryptoxenoarchäologie“ – bei dem Le Compte Caspar das Publikum davon zu überzeugen versucht, dass Pendel und Tarot echte Wissenschaft seien –, sowie dem meditativen „Contenance“ hauen die beiden Cover noch mehr rein. Eine weitere Überraschung haben COPPELIUS bei „Bloodline“ auf Lager, bei dem Le Compte Caspar zum selbst gebauten Streichinstrument greift und von THE TROUBLE NOTES' Geiger Bennet Cerven unterstützt wird.

Zum Abschluss des regulären Sets fahren COPPELIUS nochmal alles auf und bringen mit „Risiko“ und „Schöne Augen“ den Saal zum Kochen. Natürlich lässt das Publikum die Herren nicht so ohne Weiteres einfach gehen und fordert lautstark nicht etwa nach einer Zugabe, sondern „da capo“ (italienisch für „vom Beginn“). Dem kommen COPPELIUS natürlich nur zu gern nach und präsentieren noch ihre beiden Hits „Gumbagubanga“ und „Bitten Danken Petitieren“.

Alles springt und feiert noch einmal, bevor nach weiteren „da capo“-Rufen „Dark Ice“ zum Besten gegeben wird und COPPELIUS damit ihr gut zwei Stunden langes Jubiläumsset beenden. Nach reichlichen Verbeugungen und einem jubelnden Publikum wendet sich Bastille noch einmal an selbiges, um Crew, Club und den Fans zu danken und ihnen zwei wichtige Botschaften mit auf den Nachhauseweg zu geben: „Abwärts ist das neue Aufwärts!“ und „Coppelius hilft!“

Luise

Stile: Melodic-Death-, Prog-, Heavy-, Folk-, Pagan-, Symphonic Metal, Folk-, Alternative Rock

Bands: Coppelius, Avatar, Orphaned Land, Pantera, Nightwish, Opeth, Carach Angren, Judas Priest, Iron Maiden, Dimmu Borgir, Apocalyptica, Dark Tranquillity, Amorphis, Korpiklaani, Soilwork, Heilung, Grimner, Arkona