Es gibt so Abende, da stimmt einfach alles: Das Lichtkonzept in warmen Tönen, die stilechten Outfits der Musiker, das Arsenal an Vintage-Instrumenten und eine ausverkaufte Venue, die den perfekten Rahmen für eine ordentliche Portion Retro-Vibe bietet.
BLUES PILLS: Die Naturgewalt Elin Larsson
Den Auftakt machten BLUES PILLS, die mit ihrem mitreißenden Blues-Rock sofort klarmachten, warum sie seit Jahren zur Speerspitze des Genres gehören. Im Zentrum des Geschehens: die unvergleichliche Elin Larsson. Ihre rauchige, kraftvolle Stimme trug das gut 60-minütige Set mühelos durch Höhepunkte wie „High Class Woman" oder „Black Smoke".
Larsson ist keine Frontfrau, die auf Distanz bleibt; konsequenterweise suchte sie während der Show das Bad in der Menge, was die ohnehin schon tolle Energie zwischen Band und Fans endgültig zum Überlaufen brachte. Nach zwei obligatorischen Zugaben – dem gefühlvollen „Little Sun" und dem brachialen „Devil Man" – hinterließen die Schweden ein bereits sichtlich erschöpftes, aber glückliches Publikum.
DEWOLFF: Hammond-Orgeln und Socken-Marketing
Nach einem schnellen Umbau übernahmen die niederländischen Brüder von DEWOLFF. Wer dachte, das Energielevel ließe sich nicht mehr steigern, wurde eines Besseren belehrt. Ihr Set bestand zwar „nur" aus neun Songs, doch diese erstreckten sich über knapp 90 Minuten. Der Grund: ausufernde, virtuose Jam-Sessions und „Gniedelparts", die tief im Sound der 70er verwurzelt sind. Besonders die Hammond-Orgel sorgte für diesen wunderbar authentischen, dreckigen Groove.
Sänger und Gitarrist Pablo van de Poel tat es seiner Vorrednerin gleich und suchte ebenfalls den direkten Kontakt im Publikum. Zwischendurch bewies er zudem echtes Entertainment-Talent und verwandelte die Show kurzzeitig in eine charmante „Butterfahrt": Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie pries er das Band-Merch an und verschenkte Sticker, Streichhölzer und sogar Socken an die Fans in den ersten Reihen.
Fazit: Ein runder, stimmiger Abend, der bewies, dass „Retro" nicht gleichbedeutend mit „altbacken" ist. Sound, Location und die Performance beider Bands griffen perfekt ineinander. Wer nach diesen 150 Minuten Live-Musik nicht mit einem Grinsen und leichtem Klingeln in den Ohren Neukölln verlassen hat, dem ist nicht zu helfen.
Setlist: BLUES PILLS
1. Intro into High Class Woman
2. Kiss My Past Goodbye (mit einem Solo-Stopp für den Gesang, der direkt in Noise überging)
3. Bliss
4. Proud Woman
5. Top of the Sky
6. Black Smoke
7. Doom Transit
8. Song From a Astralplane
9. Birthday
10. Don't You Love It (inklusive Jam & Drum Groove, der direkt in den nächsten Song leitete)
11. Lady in Gold
12. Low Road
13. Bye Bye Birdie
Zugaben:
Little Sun
Devil Man
Setlist: DEWOLFF
1. Night Train
2. In Love
3. The Fan
4. Faster & Faster
5. Treasure City MC
6. Vicious Times
7. Tired of Loving You
8. Rosita
