Das handwerkliche Vorspiel: INTERVALS
Den Abend eröffneten INTERVALS mit ihrem rein instrumentalen Progressive Metal. Das Projekt rund um den kanadischen Gitarren-Mastermind Aaron Marshall bot technisch höchst anspruchsvolles Gitarrenspiel, das musikalisch zwar hervorragend zum Hauptact passte, atmosphärisch jedoch einen schweren Stand hatte. Marshalls Bemühungen, durch zahlreiche Ansagen eine Verbindung zum Berliner Publikum aufzubauen, zündeten nur leidlich – handwerklich war der Auftritt jedoch über jeden Zweifel erhabene Kost für Genre-Liebhaber.
KARNIVOOL: Von der Suche zum Fokus
Gegen 21:10 Uhr betraten schließlich KARNIVOOL die Bühne und eröffneten das Set mit der atmosphärischen Dreifaltigkeit aus „Ghost", „Simple Boy" und dem neuen Stück „Aozora". Der Start gestaltete sich jedoch klanglich schwierig: Der Sound wirkte zunächst unausgewogen und undefiniert, was den komplexen Arrangements gerade zu Beginn ein wenig die notwendige Tiefe nahm. Es wirkte fast so, als müsste sich die Band – um eine Fußball-Analogie zu bemühen – erst mühsam in dieses Spiel hineinkämpfen. Die reduzierte Lichtshow unterstrich diesen eher spröden Beginn.
Doch mit zunehmender Spieldauer wendete sich das Blatt. Sowohl der Mix als auch die Spielfreude der Band steigerten sich Song um Song. Spätestens bei den Uptempo-Passagen im Mittelteil des Sets sprang der Funke endgültig über, was im Publikum stellenweise fast schon moshpit-ähnliche Züge annahm. Frontmann Ian Kenny zeigte sich sichtlich beeindruckt und konstatierte, dass Berlin die bisher beste Show der laufenden Tour sei – eine Aussage, die man angesichts des holprigen Starts hinterfragen durfte, die aber die tiefe Verbindung zwischen Band und Fans untermauerte.
Ein versöhnliches Ende
Dass KARNIVOOL auf eine der stabilsten Fanbases im Genre zählen können, bewies das Finale. Die Zuschauer zeigten sich textsicher und ließen sich von der wachsenden atmosphärischen Dichte mitreißen. Nach einem regulären Set und zwei Zugaben wurden die Fans glücklich und sichtlich zufrieden in die Neuköllner Nacht entlassen. KARNIVOOL haben den Abend mit technischer Brillanz und emotionaler Überzeugungskraft für sich entschieden.
Setlist: KARNIVOOL
(Berlin, Huxleys Neue Welt, 21.04.2026)
1. Ghost
2. Simple Boy
3. Aozora
4. Goliath
5. Drone
6. We Are
7. Deadman
8. All It Takes
9. Animation
10. Themata
11. Roquefort
12. New Day
Zugaben:
Opal
Salva
