Billy Talent - Dead Silence Tipp

Billy Talent-dead silence

Stil (Spielzeit): Alternative Rock/Metal (53:55)
Label/Vertrieb (VÖ): Warner Music (07.09.12)
Bewertung: 8,5/10

billytalent.com

Ruhiger sind sie geworden. Man könnte auch "reifer" oder "erwachsener" in den Raum werfen, wenn die Begriffe nicht so abgeschmackt wären. Aber irgendwie stimmen sie ja doch. "Dead Silence", das vierte Album von BILLY TALENT, führt im Grunde die Linie fort, die für "III" ausgegeben, aber nicht konsequent durchgezogen wurde. Soll heißen: Melodischer, eingängiger und aggressiver Alternative Rock, mal hochenergetisch und flott, mal im Midtempo und mit düsteren Metal-Anleihen, mal sehr ruhig und balladesk, mal ungewohnt schrammelig. Und es klingt immer nach BILLY TALENT, selbst wenn die Unbekümmertheit der ersten beiden Alben einer gewissen Nachdenklichkeit und Dunkelheit gewichen ist.

Besonders augenfällig ist das bei Nummern wie dem abwechslungsreichen und melancholischen "Crooked Minds", dem Gänsehaut-Song "Swallowed Up By The Ocean" und "Stand Up And Run", einer zurückhaltenden Ballade, die – ohne kitschig zu sein – wunderschön aus den Boxen perlt. Auch "Hanging By A Thread", das mit einer fantastischen Gitarrenarbeit und wundervollen Melodien einen Höhepunkt auf "Dead Silence" darstellt, und das ziemlich heftige, dynamische und unglaublich starke "Cure For The Enemy" sind keine Gute Laune-Rocker, sondern melancholisch angehauchte Tracks für die düsteren Stunden des Lebens.

Es versteht sich jedoch von selbst, dass BILLY TALENT nicht nur auf der abgedunkelten Seite, sondern auch der lichten Seite rocken. "Viking Death March" ist ein typisch energetischer Rocker mit Ohrwurmrefrain, "Running Across The Tracks" ein powervoller Stop-and-Go-Rocker mit tollem Refrain und ab Minute 2:52 einer eingängigen Passage zum Niederknien, in dem Ben Kowalewicz auch mal wieder vor sich hin kreischt. Überhaupt liefert der Sänger auf "Dead Silence" die bis dato reifste Leistung aller BILLY TALENT-Scheiben ab. In dem leicht an THE OFFSPRING erinnernden "Show Me The Way" klingen die Kanadier unbeschwert wie lange nicht, "Man Alive!" eignet sich super zum Abgehen. Kowalewicz darf auch hier wieder aus sich raus gehen. Auch der pumpende, extrem eingängige Titeltrack mit eingängigen "Ohohohs" macht eine Menge Spaß.

Beinahe jeder Track auf "Dead Silence" ist sehr gut, viele der genannten Songs sind sogar absolute Volltreffer. Selbst das Intro "Lonely Road To Absolution", bei dem zu Beginn SYSTEM OF A DOWN durchscheinen, bevor es nach BILLY TALENT klingt, ist hörenswert. Das vierte Album der Kanadier ist die konsequente Weiterentwicklung  die eigentlich schon auf "III" hätte stattfinden sollen, das sich stattdessen jedoch allzu sehr auf gefällige, aber nicht immer passende Midtempo-Songs konzentriert hat. Kurzum: "Dead Silence" ist nicht so unverkrampft und voll auf die Zwölf wie die ersten beiden Scheiben, aber deutlich ausgereifter und bissiger als der direkte Vorgänger. "Dead Silence" ist sehr gut. Sehr, sehr gut.