Moros Eros - I Saw The Devil Last Night And Now The Sun Shines Bright


Review

Stil (Spielzeit): Alternative mit Post-Hardcore Einflüssen (36:43)

Label/Vertrieb (VÖ): Victory Records (31.10.06)

Bewertung: 8/10

Link: http://www.moroseros.com
Ohne Frage, so wirklich klasse ist ein Bandname ja nicht, wenn man zuerst an einen Erotikshop denkt. Aber gut, IN VITRO, der vorherige Name, der nach kleinen Rechtsstreits mit den Franzosen und einer Bandumbesetzung, in MOROS EROS geändert wurde, war auch nicht besser. Namen sind nun mal nicht alles, denn diese Platte gefällt. Und das sogar sehr. 

Anfang 2006 brachte das Quartett die umjubelte 3-Song EP „I'm Dying But I Still Don't See" heraus und wurde prompt vom Alternative Press Magazine zur „best unsigned band of the month" erkoren. Es war der März, in dem der Himmel für MOROS EROS voller Geigen hängen musste, denn nicht nur dieser Titel, sondern auch ein Vertrag mit Victory Records flatterte ins Haus. So präsentiert sich das Debüt „I Saw The Devil Last Night And Now The Sun Shines Bright" in seiner vollen Schönheit. 

Das „themed album, but not a concept album", wie es Sänger Zach Tipton betont, ist eine wilde facettenreiche Mischung. Alternative meets einen unbestreitbaren Indie- Ansatz mit post-hardcorigen Einflüssen, die mal mehr, mal weniger mit poppigen Keyboards unterlegt werden. Wer jetzt aber angewidert sein Gesicht verzieht und Keyboards eigentlich scheiße findet, sollte zumindest einen Blick ins Booklet werfen, denn Tastenbearbeiter Chris Firebaugh ist wirklich ein drolliges kleines Kerlchen, das jedes Herz erobern kann. Auch deins. 

„Insane And Speechless" ist Drums und Gitarre im Zusammenspiel mit Tiptons Stimme auf den Punkt akzentuiert. Ein energetischer Beat, bei dem es schwer fällt den Fuß ruhig zu halten. Grob gesprochen liegen die schnelleren Nummern MOROS EROS eher, aber selbst unter den langsamen kann ich keinen ausmachen, der wirklich schlecht wäre. „Madness Seems So Normal" ist trotz des leicht FRANZ FERDINANDschen Gitarrenparts zwar am schwächsten, aber noch lange besser als einiges, was man so zu hören bekommt, gerade in einer Zeit, in der Indie so dermaßen abgefeiert wird. 

Tipton entpuppt sich als ambitionierter Sänger. Er schafft es mich mitzureißen, seine Stimme in verschiedene Stile zu bewegen (ob hoch, ob kreischend, nichts scheint unmöglich) und dabei seine Gitarre nicht zu vernachlässigen. „Today Is The Day" oder „Short Of The Shore" belegen dies. Manchmal versuchen sie sich im mehrstimmigen Gesang, der vielleicht noch nicht komplett ausgereift ist, aber das wird noch kommen. 

Ein spitze Debüt, was die Jungs da auf den Tisch gelegt haben. Auch wenn es manchmal poppig zugeht. Sie sind eben nicht die harten Jungs, die andere vermöppen, sondern vermutlich eher wegrennen würden, aber die Mischung macht es: mitreißend und Tanz fördernd. 80 % des Albums gehen direkt in die Beine und das ist keine schlechte Quote für ein Debüt. Gelungen.

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