The Sundial - Transition



Stil (Spielzeit): Gothic Metal / Death Doom (51:52)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenprod. (2008)
Bewertung: 9 / 10
Link: www.the-sundial.com

THE SUNDIAL stammen wie der berühmte Kant und die bekannten Klopse aus Kaliningrad, hierzulande Königsberg genannt. So richtig neu ist das sicher nicht, was die Russen da praktizieren, machen sie doch in Sachen Death Doom / Gothic Metal -- aber das machen sie richtig gut, auch wenn das kitschige Cover eher Schlimmstes befürchten lässt. Das Ding ist nicht nur grauenvoll, sondern auch irreführend, weil es von Sängerin / Keyboarderin Anastacia 'Remedios' Kuznecova und manch nebensächlicher Zutat geziert wird. Irreführend, weil es aussieht wie eine Billigvariante aus der Abteilung „Heavenly Voices“; aber damit haben THE SUNDIAL, dem nächtlichen Himmel sei Dank, wenig zu schaffen, auch wenn die Band sich marketingtechnisch in typischer Weise auf das aparte Geschöpf hin ausrichtet.

Gesanglich spiegelt sich ihre zentrale Funktion nur bedingt wieder, und das obwohl ihre Stimme sich wirklich hören lassen kann. Es dominiert über die weitesten Strecken nämlich Dmitry Muratov, der zwischen mächtigen Growls, Gekeife der Marke „Dani Filth“ und anderen Artikulationsformen changiert und so seinen Part recht abwechslungsreich und ausgewogen gestaltet. – Der typische wie langweilige Wechselgesang im Stil „The Beauty and the Beast“ ist hier die Ausnahme. Danke!

Abwechslungsreichtum und Ausgewogenheit sind so wieso Trademarks des Unternehmens. Der Spagat zwischen schwerem Death Doom Riffs / Growls und Gothic Harmonien klappt m. E. hier deshalb so gut, weil die Dame und die Herren es verstehen, ihre Kompositionen nach Regeln des Dramas zu gestalten. Da hilft ganz sicher ihre klassische Ausbildung. Hilfreich ist sicher auch, dass man gelegentlich die Genregrenzen sprengt. Sei es durch mittelalterlich-folkige Melodien wie in „Of Paradise & Love“ oder wie bei der romantischen Pop-Ballade „The Spirits of the Dead“ bei der Anastacia nur von sich selbst auf dem Piano begleitet wird. In beiden Fällen glänzt sie auf verschiedene Weise. Wobei ich mal finde, dass die Ballade im Kontext etwas deplaciert ist. Schlecht ist sie dennoch nicht; allenfalls etwas zu süß und glatt. Aber das ist die Ausnahme. Eine Ausnahme ist auch der Bonustrack bei dem ein lokaler Techno-DJ aus einem älteren THE SUNDIAL-Track eine Dancefloor-Hymne gemacht hat. Passt auch nicht in den Kontext, ist aber dennoch geil.---Trotz ihrer Klasse als Sängerin erscheint mir die Dame als Keyboarderin / Pianistin viel wichtiger. Schumann, Marschner, Mendelssohn Bartholdy könnten als Referenzen angegeben werden. Aber auch, und das ist ein ganz wichtiger Punkt, die Grusel- und Horrorfilm Soundtrack-Komponisten: sehr figurativ und poetisch sind die Stücke angelegt und schaffen echte Atmosphäre. Dass man dabei auch auf Clichés zurückgreifen muss, liegt in der Natur der Sache.

Die Verwendung von Bekanntem gilt auch für die Violine von Aleksei 'Ergwarth' Smirnov. Wer wie ich Martin Powell bei MY DYING BRIDE vermisst, wird hier ein Aha-Erlebnis haben. Das aber gerne heftiger hätte ausfallen dürfen; will sagen: mehr Einsätze, bitte. Auch das Riffing ist nicht wirklich neu, bloß geil: Death Doom par excellence eben. Für Überraschungen war Alexander Shablin an den Fellen bei mir gut, der durch Minimalismus ebenso positiv auffiel wie durch Kontrapunkte.

Geiles Teil, das sicher schon deshalb wieder nicht zur Kenntnis genommen werden wird, weil es sich a) um Russen handelt und b) diese Mucke nicht der letzte Schrei ist. Dem zum Trotz:
Eine Kaufempfehlung an alle, denen schon die erste THEATRE OF TRAGEDY zu platt war; an alle, die auf epischen und / oder sinfonischen Death Doom im kompositorischen Fahrwasser von MY DYING BRIDE der Jahre 92-98 stehen: gewiss nicht ganz so schwarz, und elegisch, also auch nicht ganz so geil; qualitativ aber dank ein, zwei anderer Reize erstaunlich dicht dran.

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