Unzucht - Todsünde 8

unzucht todsünde8 cover


Stil (Spielzeit): Industrial Gothic Rock (34:34)
Label/Vertrieb (VÖ): NoCut / SPV ( 21.09.12)
Bewertung: 7 / 10
Unzucht Facebook

Mit UNZUCHT hatte dieses Jahr schon mal das Vergnügen, die Single "Deine Zeit Läuft Ab" hat mir ganz gut gefallen und mich neugierig auf das Album „Todsünde 8" gemacht. Aber eine Platte von dieser Qualität hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Gerade die elektronischen Klänge geben UNZUCHT eine ganz gewissen Note und das gewisse Etwas. Ich hätte nicht erwartet, dass UNZUCHT das auf Albumlänge so stabil ausbauen können.

Die Lieder sind allesamt eingängig und zum größten Teil tanzbar geworden. Auch wenn keine großartigen weiten Klangwelten entstehen, arbeiten UNZUCHT auf jeden Fall nach dem Minimalprinzip und holen damit einiges raus. Die elektronischen Klänge halten sich mit den harten Gitarren die Waage und jeder Song verfügt über einen gelungenen Refrain, der mal mehr mal weniger nervig wiederholt wird. Stellenweise ist das sicher auch so gewollt und für den Inhalt des Liedes nötig („Engel Der Vernichtung") Auch wenn alles Songs irgendwie nach einem ähnlichen Muster aufgebaut sind, bietet „Todsünde 8" sehr viel Abwechslung.

Einziges Manko ist für mich der Gesang bzw. die Texte. Teilweise sind diese Lyrics flach und inhaltslos (Reim dich oder ich fress dich) und man hat so etwas den Eindruck, dass gewisse Wörter in diesem Genre einfach erwähnt werden müssen. Am besten klingt der Gesang, wenn wie bei „Das Belgische Inferno" mit zwei Stimmen gearbeitet wird. Der harte Gesang gepaart mit dem weicheren, melodiöseren Gesang und das dann wiederum über einen wummernden Industrialbeat- Grandios und mitreißend!

Wenn die sanfteren Klänge dann aber teilweise kurzzeitig ohne Instrumente im Raum stehen („Der Sturm"), dann hält das einfach für meinen Geschmack nicht stand und versucht Sehnsucht durch eine Art „weinerlichen Touch" zu vermitteln. Das mag einigen gefallen, ist aber nicht mein Ding.

Bei „Meine Liebe" musste ich kurz überlegen und wusste dann sofort an was mich ein Teil der Strophen erinnert („Dressed In Black" von DEPECHE MODE), dieser Song könnte locker von Genregrößen wie OOMPH stammen (nach denen einige Song klingen, das muss fairerweise erwähnt werden) und hier wird gesanglich ganz überraschend eine überragende Leistung abgegeben und der Gegensatz mit Klavier und heftigen EBM Klängen ist hier besonders groß und reizvoll.

„Schwarze Blut" gibt richtig Gas, spricht Nacken, Tanzbeine und Bassfreunde an. UNZUCHT wissen, wie man einen guten Song schreibt, Tanzflächenmagnet!

UNZUCHT haben es geschafft, mich sehr positiv zu überraschen und für ihre Musik und den weiteren musikalischen Weg zu interessieren. Leider verfügt „Todsünde 8" noch nicht über den Überhit, der sich unweigerlich dauerhaft festsetzt, aber das Teil macht Spaß und knallt ordentlich aus den Boxen. Das ein oder andere Mal hätte ich mir ein furioseres Liedfinale gewünscht und, dass sich manche Titel einfach mehr steigern und nicht (wenn auch auf hohem Niveau) so lange im gleichen Beat gehackt wird. Was gar nicht geht, ist das Cover... weißer Schwan auf weißem Hintergrund?

Die Band ist mit MONO INC. auf Tour, dort werden sie sicher noch eine Menge weitere Leute auf sich aufmerksam machen.

unzucht elektrik grey