Zum einen sind die Black-Metal-Elemente, die auf Album Eins hier und da zu hören waren, Geschichte. Das macht "Sterbt alle" etwas geradliniger und konsistenter, obwohl sich bei den Songs klassischer Hardcore mit D-Beat und Gebrüll abwechselt mit lupenreinen Hip-Hop-Songs. So folgt auf den tendenziell motörheadigen Crust-Song "Hölle" das entspannte Kopfnicker-Stück "Alles gut".
Warum funktioniert das trotzdem? Weil bei "Sterbt alle" an jeder Stelle die Texte im Zentrum stehen, die musikalisch sehr unterschiedlich gerahmt werden, aber einen inhaltlichen roten Faden bilden.
Womit wir bei Punkt zwei der Änderungen ankommen: Während es auf dem Debüt auch klassische Rap-Lyrics gab, die die eigene Geilheit und die Whackness der anderen beschrieben haben, gibt es auf dem zweiten Album zu hundert Prozent Inhalte, die das Schlechte im Menschen und in unserer Gesellschaft offenlegen.
Das tut weh, denn das Ganze wird mit gnadenlosem Sarkasmus und Zynismus vorgetragen - da lindert auch der Wortwitz, der die harte Sprache etwas abschleift, den Schmerz nicht.
Besonders unangenehm ist beispielsweise der Song "Keule", der nicht nur das Prinzip fragiler Männlichkeit auf den Punkt bringt, sondern auch noch von einem Björn-Höcke-Sample eingeleitet wird. Ebenfalls eklig: "Gerne Täter", Thema Fleischkonsum. Und bei "Optimier dich" muss man unweigerlich an Friedrich Merz denken, wie er uns zu mehr Leistung motivieren will. Bei "Alles gut" übrigens auch.
Besonders herausstellen muss ich den ruhigsten Song des Albums: "Streunender Hund". Wohl so eine Art Rede an ein jüngeres Ich und ziemlich wahrscheinlich biografisch inspiriert, ist das Stück auf andere Art berührend und greift sicher allen ans Herz, die als Kind oder Jugendliche mal an ihrem Umfeld gezweifelt haben und vielleicht daran verzweifelt sind.
DER ZWEITE MENSCH haben im Vorfeld der Veröffentlichung das ganze Album (mit Ausnahme von "Alles gut" und ergänzt um das alte Stück "Hurensohnmassaker") live gespielt und gefilmt. Einen Vorgeschmack gibt's unten - und wer das Album haben will: Neben der digitalen Version gibt es "Sterbt alle" auch auf Vinyl.