Sonntag, 01 Februar 2026 17:15

Minus Youth - Lines Crossed Tipp

Minus Youth - Lines Crossed

Auf ihrem zweiten Album "Lines Crossed" bieten MINUS YOUTH eine Mischung aus sozial-kritischem Hardcore mit vereinzelten Grunge- und Alternative-Einlagen. Ob diese Mischung aufgeht, erfahrt ihr hier.

Alternative Hardcore

Auf aggressive Mosh-Songs wie den Opener "Lines Crossed" folgen tanzbare Tracks wie "Half Loved". Dabei liefern MINUS YOUTH größtenteils typischen, aber soliden Hardcore ab, wobei neben den unterschiedlichen Features, unter anderem mit DEFIANCE und WRECKED CULTURE, Genrespielereien die typische Hardcore-Formel frisch halten.

So kommt "Gift Of Life" beispielsweise mit einem LINKIN PARK-Chorus daher, während "Ending Things" von einer Mandoline eröffnet wird, die selbst im metallischen Breakdown spielt. Dieser erinnert leicht an Metalcore aus den frühen 2000ern, aber mit klassischer Untermalung statt dissonanten Akkorden; eine angenehme Überraschung. 

Besonders sticht für mich jedoch "Feel Better" hervor. Darin bewegt sich die Gruppe leicht weg von Hardcore und hin zu verwandten Genres, allen voran Emo, aber auch Alternative und Grunge. Strukturell ist der Track immer noch ein Hardcore-Song, aber die Band kitzelt alles an Inspiration daraus hervor und zeigt, was durch das Einbringen unterschiedlicher Einflüsse und cleveres Songwriting möglich ist. 

Grenzüberschreitungen, Gruppendynamiken und persönliche Kämpfe

"Lines Crossed" als Ganzes und in Form des Opening Tracks dreht sich um politische Themen. So geht es im Titelsong um toxische Männlichkeit und sexuelle Übergriffigkeiten, während in "Ending Things" das Gefühl verarbeitet wird, von den eigenen Wurzeln entfremdet zu sein.

Remember

Heart staying in the family

The heritage without relatives?

Collectively made us distant

Made me think about ending

Ending things.

Auch schwierige Beziehungen zu Elternteilen werden verarbeitet, wie in "Half Loved", worin es heißt: "Half loved, all damaged. Giving twice the love you missed". Die Beispiele verdeutlichen, es geht hier um diverse Themen, die nicht unbedingt von jeder Band angesprochen werden, was dem Album neben der Musik selbst auch lyrisch hilft, etwas hervorzustechen.

Fazit

"Lines Crossed" bietet soliden Hardcore, bei dem Tracks wie "Feel Better" oder "Friendly Fire" und das eine oder andere Feature stets frischen Wind in die Segel blasen. Inhaltlich kommt das Album passenderweise ebenfalls subversiv daher und behandelt nicht unbedingt für die Szene typische Themen wie toxische Beziehungen zu Elternteilen und den Status Quo in der Szene. Wer MINUS YOUTH noch nicht kennt, sollte dem Album eine Chance geben. Auch wer sich länger ein neues Album der Stuttgarter Truppe wünschte, kommt hier auf seine Kosten. 

Marcel

Stile: Post-Hardcore, Metalcore, Mathcore, Hardcore, ein wenig Grindcore und Nu Metal

Bands: Enter Shikari, Letlive, Fever 333, Glassjaw, Vein, SeeYouSpaceCowboy, Sharptooth

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