Times Of Grace - Hymn Of A Broken Man Tipp

times-of-grace_hymn

Stil (Spielzeit): Metalcore (53:20)
Label/Vertrieb (VÖ): Roadrunner (14.01.2011)
Bewertung: 8/10

Link

Die Idee zu TIMES OF GRACE kam KILLSWITCH ENGAGE-Bandkopf Adam Dutkiewicz, als er im Krankenhaus lag, sich Sorgen über sein eigenes Leben machte und Songs schrieb, für die er eine ganz bestimmte Stimme im Hintergrund hatte - nämlich die seines ehemaligen Sängers Jesse Leach. Der zeigte sich überrascht über die Anfrage, sagte aber nichtsdestotrotz zu. Das Ergebnis dieses Projekts kann man sich nun mit "Hymn Of A Broken Man" anhören – und das sollte man tun, wenn man KILLSWITCH ENGAGE-Fan ist, aber auch, wenn man wie ich den Metalcore-Titanen bisher keine oder zu wenig Beachtung geschenkt hat.

Dutkiewicz war für die gesamte Instrumentalisierung zuständig, Leach für den Gesang. Während der hauptamtliche KILLSWITCH ENGAGE-Gitarrist/-Songwriter ein bemerkenswertes Riff nach dem anderen aus dem Ärmel zaubert und demonstriert, welch fähiger Sechssaiter er ist, klingen Leachs Vocals variabler, als man es je für möglich gehalten hätte. Das TIMES OF GRACE-Debüt hat dunkle und helle Seiten zu bieten, wobei letztere klar überwiegen und das Album deshalb zu etwas so Besonderem machen. Lichtblicke und positive Passagen gibt es auf "Hymn Of A Broken Man" demnach zuhauf. Etwa im Refrain von "Until The End Of Days", das ansonsten schwer, schleppend und düster ist. Oder in "Fight For Life". Neben aller Melodie und Eingängigkeit zeigt das Duo mit Songs wie dem marschierenden Opener "Strength In Numbers" mal eben 98 % der heutigen Metalcore-Bands, wie man es richtig macht, ohne  eine Sekunde aufgesetzt zu klingen. "Hymn Of A Broken Man" ist dermaßen abwechslungsreich, dass man es sich trotz der Melodien, die sofort im Kopf hängen bleiben, weit mehr als nur zwei oder drei mal anhören muss, um die Güte dieser Platte zu erkennen.

Weshalb Leach bei den ersten Songs, die Dutkiewicz ihm zuschickte, dachte, es würde sich um ein Black Metal-Projekt handeln, zeigen beispielsweise "The End OF Eternity" und "Life In Love" mit seinem rasanten, schon beinahe Blastbeat-mäßigen Drumming, über das Leach einfach melodisch gesungen hat. Gleichzeitig zeigt er in der Nummer, wie gut er immer noch brüllen kann. Zudem finden sich neben wahrhaft gekonnten Leads und Riffs ruhige Einsprengsel, so das die Nummer als typisches Beispiel dafür, wie vielfältig der TIMES OF GRACE-Sound ist, herhalten kann. Mit "In The Arms Of Mercy" wird im Anschluss an diesen variablen Song sogar ein ganz entspanntes Zwischenstück eingeschoben, dessen wunderbare Melodieführung bei Zartbesaiteten vermutlich schneller für ein Tränchen im Augenwinkel sorgen kann, als einem lieb ist. "The Forgotten One" schließlich ist die einzige, etwas an Country angelegte Ballade des Albums, bevor er Hörer wieder mit mehr Metal aus der Scheibe entlassen wird.

Das TIMES OF GRACE-Debüt hält für wirklich jeden etwas bereit: KILLSWITCH ENGAGE-Fanatiker werden sich über die Wiedervereinigung von Dutkiewicz und Leach einen Ast freuen, Neugierige bekommen eine Wundertüte geboten, der man mit einer Genrereduzierung auf Metalcore definitiv nicht gerecht wird. Wer sich im Metalcore-Dschungel nicht wohl fühlt, aber ein wenig auf den Wechsel von Gebrüll und cleanen Passagen klar kommt sowie riffbetonte, starke Songs mag, dürfte von dem ersten Highlight des noch sehr jungen neuen Jahres ebenfalls begeistert sein.